Schusters Schuhe und des Steuerberaters Kanzlei

Schusters Schuhe sind oft die schäbigsten. Der Gute hat bei der ganzen Arbeit mit anderer Leute Schuhwerk einfach nicht genug Zeit für das eigene. Ganz ähnlich ist es mit vielen Steuerberatungs-Kanzleien: Der wichtigste Berater der meisten Unternehmen im Mittelstand hat den eigenen Laden oft gar nicht so gut im Griff, wie man annehmen sollte. An einer Scheu vor Zahlen, wie man es von so manchem Handwerksunternehmen kennt (Unternehmensführung hat halt immer genau damit zu tun, wer nicht rechnen kann, kann auch kein guter Unternehmer sein), liegt das nicht. Es liegt an der Zeit. Genau genommen an der Nicht-Zeit, die sich Steuerberater dafür nehmen wollen.

Das Steuerrecht steht bei den meisten sehr, sehr weit im Vordergrund. Das kann man auch an den Weiter- und Fortbildungsveranstaltungen sehen: Da gibt es unglaublich viel zu unglaublich vielen Spezialgebieten im Steuerrecht. Aber nur ziemlich wenig, wenn es um Kanzleiorganisation oder –management geht.

Letzte Woche fand das NWB Forum Kanzleierfolg statt: Zwei Tage Vorträge, Streitgespräche und intensiver Austausch darüber, wie man eine Steuerberatungskanzlei wirtschaftlich zum Erfolg führt. Über 130 Steuerberater waren dabei – es wären deutlich mehr gewesen, wenn alle zum Zuge gekommen wären, die gewollt hätten: Die Veranstaltung war schon Monate im Voraus ausgebucht. Man kann also nicht sagen, dass der Bedarf nicht da wäre.

Es war das vierte Mal, dass ich als Redakteur des „SteuerberaterMagazins“ beim Forum dabei war. Auffällig ist: Die Steuerberater, die kommen, sind eigentlich die, die ihre Kanzleien bereits sehr bewusst als Unternehmer führen – und die es noch besser machen wollen. Oder die fürchten, es noch besser machen zu müssen: Der Kanzleiberater Stefan Lami, der einen Vortrag auf dem Forum hielt und zwei Streitgespräche moderierte, hat immer wieder Fragen in den Raum gestellt oder sogar elektronische Umfragen live angestoßen, bei der die Teilnehmer über ihre Handys mitmachen konnten. Dabei zeigte sich deutlich: Während nur wenige der Meinung waren, der Berufsstand habe sich in den letzten 10 Jahren massiv gewandelt, vermutete eine Mehrheit, dass genau das aber in den nächsten zehn Jahren der Fall sein werde. Fachkräftemangel, Globalisierung und Liberalisierung des Berufsstands waren dabei die Themen, die als am drängendsten empfunden wurden.

Noch brauchen sich Steuerberater keine wirklichen Sorgen zu machen: Wirtschaftlicher Misserfolg, also schlicht die ökonomische Pleite von Kanzleien, ist in dieser Branche immer noch die absolute Ausnahme. Das ist vielleicht sogar das Problem: Erfolg macht behäbig. Oft handeln Menschen erst dann, wenn sie sich unmittelbar bedroht fühlen. Dabei gibt es eine Menge guter Ideen, die dabei helfen können, die Kanzlei-Rendite zu verbessern. Und einer Erhöhung ihres Verdiensts, sagen wir mal: um 10 oder 15 Prozent (das dürfte in den meisten Fällen drin sein) wären die meisten Steuerberater vermutlich nicht abgeneigt. In den Gesprächen, die man während des Forums in den Pausen und beim Party-Abend führen kann, spürt man jedoch, dass viele ganz andere Motive haben: Sie wollen neue Mitarbeiter gewinnen, ihre Teams besser zusammenschweißen, ihre Abläufe optimieren, um einfach mit ein bisschen weniger Zeitaufwand die immer als viel empfundene Arbeit bewältigen zu können.

Es gibt viele Gründe, sich um die Kanzleiorganisation zu kümmern. Aber leider noch zu wenig Veranstaltungen, die sich genau damit auseinandersetzen. Das nächste NWB Forum findet im September 2016 wieder statt, diesmal dann in Düsseldorf.(für Liebhaber klassischer Automobile übrigens auch ein Tipp: Veranstaltungsort wird die „Classic Remise“ sein.

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