Verringerung des Fachkräftemangels durch Abschaffung des Ehegattensplittings?

Das Thema Fachkräftemangel taucht in den Medien vermehrt auf. Was jedoch nur selten bedacht wird: Der Staat fördert es teilweise auch. Er schafft steuerliche Anreize, dass ein Ehepartner (meistens der Mann) Vollzeit arbeitet und der andere (meistens die Frau) nur einer geringfügigen Beschäftigung nachgeht. Denn in dieser Konstellation spart das Ehepaar am meisten Steuern. Je mehr die Frau arbeitet, desto geringer wird die Steuerersparnis durch das Ehegattensplitting. Dies führt dazu, dass viele hoch qualifizierte Frauen ihren Beruf nach der Geburt ihrer Kinder nicht mehr ausüben. Aus ökonomischer Sicht stellt dies eine erhebliche Ressourcenverschwendung dar.

Rein historisch betrachtet ist das Ehegattensplitting meines Erachtens auch nicht mehr zeitgemäß: Während früher die Ehe aus gesellschaftlicher Sicht für die Gründung einer Familie „notwendig“ war, verliert sie in der heutigen Zeit bei der Bevölkerung in Deutschland immer mehr an Bedeutung. Einerseits gibt es viele kinderlose Ehepaare und andererseits viele Paare ohne Trauschein mit Kindern. Ziel sollte es sein, Familien mit Kindern steuerlich zu begünstigen und nicht kinderlose Ehepaare. Auch gibt es vermehrt Alleinerziehende, die vom Ehegattensplitting nicht profitieren.

Als Alternative zur derzeitigen Regelung wäre denkbar ein Familiensplitting einzuführen, bei dem nicht die Ehe als Maßstab gilt, sondern die Kinder berücksichtigt werden. Ein Blick in die Nachbarländer wäre sicherlich hilfreich.

Bis es allerdings zur Reform des Ehegattensplittings kommt, wird sicherlich noch viel Wasser den Rhein herunter fließen. Interesse an der Abschaffung haben nämlich vor allem nicht verheiratete Paare mit Kindern. Davon gibt es jedoch viel weniger als Ehepaare, die vom Splittingtarif profitieren. Wie sich dies auf die Beschäftigungsquote von Frauen auswirkt, darüber kann man derzeit nur spekulieren.

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