Am 1.9. startet das neue Ausbildungsjahr begonnen. Im vergangenen Jahr ging die Zahl der neuen Ausbildungsverträge von Inländern deutlich zurück. Warum eine Trendumkehr wichtig ist und eine duale Berufsausbildung allen Nutzen bringt.
Hintergrund
Die duale Berufsausbildung in Deutschland verbindet Theorie in der Berufsschule und Praxis im Ausbildungsbetrieb. Insgesamt befanden sich letztes Jahr gut 1,2 Mio. Menschen in einer Ausbildung, davon mehr als die Hälfte bei Industrie und Handel. Rund 28 Prozent absolvierten eine Ausbildung im Handwerk, rund 9 Prozent eine Ausbildung in einem freien Beruf. Rund 339.000 Auszubildende schlossen ihre Ausbildung letztes Jahr erfolgreich ab.
Ein Blick auf die Fakten: Neuverträge von Ausländern steigen, von Inländern sinken
Die Zahl neu abgeschlossener Ausbildungsverträge in der dualen Berufsausbildung in Deutschland ist 2024 nach aktueller Mitteilung des Statistischen Bundesamtes leicht gesunken. 2024 wurden insgesamt rund 475.100 Ausbildungsverträge neu abgeschlossen. Das waren 1,0 % oder rund 4.700 Verträge weniger als im Vorjahr (2023: 479.800). Dabei sank die Zahl der von deutschen Auszubildenden abgeschlossenen Neuverträge um 4 %, während die Zahl der Neuverträge von Auszubildenden mit ausländischer Staatsangehörigkeit deutlich um 17 % stieg.
Auch im Zehnjahresvergleich zeigt sich der Trend einer wachsenden Zahl an ausländischen Auszubildenden mit Neuverträgen: Während die Gesamtzahl neu abgeschlossener Ausbildungsverträge von 2014 bis 2024 um 8 % zurückging, hat sich die Zahl der ausländischen Auszubildenden mit Neuverträgen von 36.200 im Jahr 2014 auf rund 70.000 im Jahr 2024 nahezu verdoppelt (+93 %).
Multipler Nutzen einer dualen Berufsausbildung
Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist nach jüngsten Angaben der Bundesagentur für Arbeit im August 2025 im Vergleich zum Vormonat um 46.000 auf 3,025 Mio. Menschen gestiegen. Das sind 153.000 mehr als im August 2024, die Arbeitslosenquote stieg dadurch im Vergleich zum Juli um 0,1 Prozentpunkte auf 6,4 Prozent. Wenn die Zahl der Arbeitslosen steigt, gewinnt eine solide Berufsausbildung zunehmend an Bedeutung, da gute ausgebildete Arbeitslose in der Regel schneller wieder eine Beschäftigung finden als Bewerber ohne Berufsabschluss.
Durch die Verknüpfung von Theorie und Praxis im Betrieb und der Berufsschule bietet eine duale Berufsausbildung auch eine Reihe von großen Vorteilen:
- Praxisbezug: Azubis lernen direkt im Betrieb die Abläufe und werden Teil des Teams, was eine fundierte praktische Qualifikation ermöglicht.
- Ausbildungsvergütung: Schon während der Ausbildung wird ein Gehalt gezahlt, was finanzielle Unabhängigkeit ermöglicht.In 2024 betrug die durchschnittliche monatliche Ausbildungsvergütung 1.238 Euro brutto.
- Anerkannter Abschluss: Die duale Ausbildung führt zu einem staatlich anerkannten Berufsabschluss, der eine solide Basis für die berufliche Zukunft bildet.
- Hohe Übernahmechancen: Viele Auszubildende werden von ihrem Ausbildungsbetrieb übernommen, da Unternehmen händeringend Fachkräfte suchen und ihre Azubis halten wollen. Zuletzt lag die Übernahmequote bei rund 70 Prozent.
- Gute Karriereaussichten: Der anerkannte Abschluss ist ein Sprungbrett für vielfältige Weiterbildungen, beispielsweise zum Meister, Techniker oder Fachwirt, die auch einem Bachelor-Niveau entsprechen können.
Der Anteil Auszubildender mit ausländischer Staatsangehörigkeit an allen Auszubildenden mit neuem Vertrag betrug im Jahr 2024 rund 15 % (2014: 7 %); Tendenz weiter steigend. Dieser Trend ist positiv: Einerseits ist eine steigende Zahl junger ausländischer Auszubildender ein wichtiger Beitrag für erfolgreiche Integration von Ausländern in den Arbeitsmarkt und in die Gesellschaft. Wenn sich gleichzeitig der Anteil von Auszubildenden mit deutscher Staatsangehörigkeit rückläufig entwickelt, ist die positive Entwicklung bei Auszubildenden mit ausländischer Staatsangehörigkeit aber auch unverzichtbar für weiteres wirtschaftliches Wachstum.
Unabhängig von der Staatsangehörigkeit oder Herkunft: Auszubildende mit erfolgreichem Abschluss von heute sind die Fachkräfte von morgen, die die deutsche Wirtschaft händeringend sucht. Und deswegen müssen Schulabgänger für eine duale Berufsausbildung gewonnen werden – möglichst früh, sowohl durch die Eltern, durch die Schule und durch alle Beteiligtendenn die duale Berufsausbildung ist keineswegs eine Ausbildung zweiter Klasse!