Frieden hat einen Preis
Frieden erscheint im Alltag häufig kostenlos. Erst wenn er bedroht ist, wird sichtbar, welche wirtschaftlichen Aufwendungen mit Sicherheit verbunden sind. Verteidigungsausgaben steigen, geopolitische Spannungen beeinflussen Lieferketten und Energiepreise und Unternehmen investieren stärker in Resilienz.
Die Leitfrage des Beitrags lautet deshalb: Sind Verteidigungsausgaben Kosten des Krieges – oder Kosten für den Erhalt des Friedens?
Verteidigung und Opportunitätskosten
Die deutschen Ausgaben für Verteidigung und Sicherheit sind stark gestiegen. Jeder dafür eingesetzte Euro kann allerdings nur einmal ausgegeben werden. Er steht nicht gleichzeitig für Schulen, Infrastruktur, Digitalisierung, Familienförderung oder Steuersenkungen zur Verfügung. Das macht Sicherheitsausgaben zu einem klassischen Beispiel für Opportunitätskosten.
Die Gegenfrage ist ebenso wichtig: Welche volkswirtschaftlichen Kosten entstehen, wenn Sicherheit und Verteidigungsfähigkeit fehlen?
Der Preis an der Tankstelle
Geopolitische Krisen, insbesondere Störungen wichtiger Energie- und Handelsrouten, können sich unmittelbar auf Kraftstoffpreise auswirken. Ein anschauliches Beispiel ist der Vergleich eines Benzinpreises von 1,65 Euro mit 2,10 Euro je Liter.
Beim Benzin fällt eine mengenbezogene Energiesteuer an, die nicht allein wegen eines höheren Verkaufspreises steigt. Hinzu kommen CO2-Kosten und Umsatzsteuer. Weil die Umsatzsteuer im Bruttopreis enthalten ist, steigt ihr absoluter Betrag bei einem höheren Endpreis.
Modellrechnung Umsatzsteuer
| Preis Super E10 | enthaltene Umsatzsteuer je Liter |
| 1,65 € | ca. 26,34 Cent |
| 2,10 € | ca. 33,53 Cent |
| Differenz | ca. +7,18 Cent |
Bei einer Tankfüllung von 50 Litern entspricht dies vereinfacht rund 3,59 Euro zusätzlicher Umsatzsteuer. Die Energiesteuer je Liter steigt dagegen nicht allein wegen des höheren Verkaufspreises. Für eine gesamtstaatliche Einnahmenbetrachtung müssten zusätzlich Verbrauchsänderungen und weitere Effekte berücksichtigt werden.
Unternehmen zahlen ebenfalls für Sicherheit
Die Rechnung für geopolitische Unsicherheit findet sich nicht nur im Bundeshaushalt und an der Tankstelle. Unternehmen tragen höhere Energie- und Transportkosten, investieren in Cyber-Security, Notstromversorgung, redundante IT, alternative Lieferanten, Versicherungen und Krisenkommunikation.Resilienz kostet Geld. Fehlende Resilienz kann sehr viel mehr kosten.
Ehrenamt als volkswirtschaftlicher Sicherheitsfaktor
Sicherheit wird nicht ausschließlich aus Steuermitteln finanziert. Freiwillige Feuerwehren, THW, Hilfsorganisationen und Reservistinnen und Reservisten leisten einen erheblichen Beitrag zur gesellschaftlichen Resilienz. Ein Teil dieses volkswirtschaftlichen Werts taucht in keinem Verteidigungshaushalt auf.
Die interessante Frage lautet: Was würde es den Staat kosten, wenn all diese Leistungen ausschließlich durch hauptamtliche Kräfte erbracht werden müssten?
Denkanstoß
Frieden kostet Geld. Sicherheit kostet Geld. Resilienz kostet Geld. Aber vielleicht ist die entscheidende Frage am Internationalen Friedenstag eine andere: Was würde es uns kosten, wenn wir all das nicht hätten?