Autor: Ralph Homuth, LL.M.
- All Posts
- Allgemein
- Bilanzierung
- Recht
- Steuern
„Gesetze regeln den Durchschnitt. Gerechtigkeit beginnt beim Einzelfall“ Selten ist mir dieser Gedanke so präsent gewesen wie bei der aktuellen Diskussion über die geplante Kopplung des gesetzlichen Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung. Die Idee dahinter klingt zunächst plausibel: Wenn wir länger leben, könnten wir auch länger arbeiten. Doch schon nach wenigen Minuten stellt sich eine einfache Frage: Wer ist eigentlich »wir«? Der Durchschnitt entscheidet Unsere Gesetze orientieren sich häufig an Durchschnittswerten. Statistiken sind unverzichtbar. Sie helfen, Entwicklungen zu erkennen und politische Entscheidungen vorzubereiten. Doch sie beschreiben immer nur den Durchschnitt – nie den einzelnen Menschen, nie den Einzelfall. Leben ist nicht...
Warum wir die Rentenversicherung möglicherweise am falschen Ende reformieren Die aktuelle Regierung plant eine Anhebung des Rentenalters und die Einführung einer Reichensteuer. Über die Reformen wurde hier im Blog schon häufiger berichtet. Ich möchte nochmal ganz andere Aspekte im Rahmen eines Meinungsbeitrags aufgreifen, die damit zusammenhängen – und zwar Familienpolitik, denn darauf fußt unser System. Aber fangen wir mal mit Steuern an. Steuerpolitik Natürlich kann der Staat versuchen, fehlende Einnahmen über höhere Steuern auszugleichen. Die geplante stärkere Belastung sehr hoher Einkommen verfolgt genau diesen Ansatz. Kurzfristig mag dies zusätzliche Einnahmen bringen. Langfristig bleibt jedoch die Frage offen, ob dies tatsächlich...
Wenn der Notarzt selbst zum Patienten wird Seit 2013 sind Arbeitgeber verpflichtet, psychische Belastungen am Arbeitsplatz im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung zu berücksichtigen. Die gesetzliche Vorgabe klingt zunächst abstrakt. Betrachtet man jedoch den Arbeitsalltag vieler Steuerkanzleien, wird schnell deutlich, wie aktuell dieses Thema für unseren Berufsstand ist. Vor einiger Zeit habe ich im NWB Experten-Blog die Frage gestellt: „Was haben Steuerberater und Notärzte gemeinsam?“ Die Antwort war einfach: Beide werden meist dann gerufen, wenn bereits ein Problem entstanden ist. Heute würde ich die Frage erweitern: Was passiert eigentlich, wenn der Notarzt selbst zum Patienten wird?
Während meiner Berufsausbildung haben wir noch von „dem halben Steuersatz“ gesprochen, wenn wir den ermäßigten Steuersatz in der Umsatzsteuer meinten. Meine berufliche Laufbahn begann in einer Zeit, in der der reguläre Umsatzsteuersatz in Deutschland 14 % betrug. Heute liegen wir bei 19 %. Dazwischen lagen mehrere Erhöhungen: 1993: von 14 % auf 15 % 1998: von 15 % auf 16 % 2007: von 16 % auf 19 % Die Argumentation war regelmäßig ähnlich: Der Staat brauche höhere Einnahmen, um wachsende Aufgaben finanzieren zu können. Kurzfristig scheint dieses Modell auch zu funktionieren. Höhere Umsatzsteuer bedeutet höhere Steuereinnahmen. Doch lohnt sich...
Die Zuckersteuer ist zurück. Und diesmal geht es um mehr als nur Ernährung. Als ich zuletzt die Zuckersteuer in den Raum geworfen und zur Diskussion gestellt habe*, stand eine klassische Frage im Mittelpunkt: Ist sie ein legitimes Lenkungsinstrument – oder Ausdruck staatlicher Bevormundung? Heute wirkt diese Frage fast schon naiv. Der Kontext hat sich verändert Die Diskussion findet längst nicht mehr im luftleeren Raum gesundheitspolitischer Idealvorstellungen statt, sondern im Schatten wachsender Haushaltsprobleme. Öffentliche Haushalte stehen unter Druck, neue Einnahmequellen sind willkommen. Und genau hier wird es interessant. Steuern haben im Kern zwei Funktionen: Sie finanzieren den Staat – und sie...
Wer aktuell Förderabrechnungen begleitet, gewinnt zunehmend einen irritierenden Eindruck: Es geht nicht mehr um zügige Abwicklung und rechtssichere Prüfung – sondern immer häufiger um Detailfragen, die an der Lebenswirklichkeit vorbeigehen. Die Beispiele aus der Praxis häufen sich: Ein GmbH-Gesellschafter-Geschäftsführer soll für einen bereits abgelehnten Antrag nachträglich seinen Personalausweis sowie Steuernummer und USt-ID einreichen. Ein Unternehmen aus dem Bereich Touristik-Marketing wird aufgefordert, den Umsatzeinbruch detailliert zu begründen – in einer Branche, deren Einbruch während der Pandemie kaum erklärungsbedürftig ist. Eine Einzelunternehmerin mit gewerblichen und freiberuflichen Einkünften wird darauf hingewiesen, sie hätte nur einen Antrag stellen dürfen – verbunden mit dem Verweis...
Der geplante steuer- und sozialversicherungsfreie „Krisenbonus“ von bis zu 1.000 Euro kommt vorerst doch nicht. Nachdem die Bundesregierung die Idee öffentlich angekündigt hatte, stoppte nun der Bundesrat das Vorhaben. Hintergrund sind Streitigkeiten über die Finanzierung und die Verteilung der Steuerausfälle zwischen Bund, Ländern und Kommunen. Prof. Dr. Jahn hat hierzu bereits gebloggt (Durchgefallen – Bundesrat stoppt Entlastungsprämie). Ich möchte nochmal einen ganz anderen Aspekt aufgreifen, denn bemerkenswert ist dabei weniger das Scheitern selbst, sondern die politische Konstruktion dahinter und ihre Dimensionen. Arbeitnehmer haben Erwartung Denn bereits die Ankündigung eines solchen Bonus erzeugt in vielen Unternehmen einen psychologischen Druck. Aus einer...
Die Diskussion um einen neuen „Krisenbonus“ entsteht vor dem Hintergrund anhaltender wirtschaftlicher Belastungen: hohe Energiepreise, schwache Konjunktur, steigende Kosten und zunehmende Bürokratie. Gerade mittelständische Unternehmen stehen unter Druck – wirtschaftlich wie organisatorisch. Vor diesem Hintergrund wirkt ein steuer- und sozialabgabenfreier Bonus auf den ersten Blick wie ein sinnvolles Instrument: schnell umsetzbar, administrativ einfach und unmittelbar spürbar für Arbeitnehmer. Doch die Erfahrungen mit der Inflationsausgleichsprämie zeigen, dass dieses Modell erhebliche Nebenwirkungen hat. Haben wir nichts aus der Inflationsausgleichsprämie gelernt? Zwar war die Inflationsausgleichsprämie rechtlich eine freiwillige Leistung des Arbeitgebers. In der Praxis entwickelte sie jedoch schnell eine andere Wirkung: Aus einem...
Steuern dienen in erster Linie der Finanzierung staatlicher Aufgaben. Dieser fiskalische Zweck bildet den klassischen Ausgangspunkt jeder Steuererhebung. Gleichwohl ist das Steuerrecht seit jeher mehr als ein reines Einnahmeinstrument. Es entfaltet über seine Belastungswirkung zugleich eine Lenkungsfunktion. Preisliche Veränderungen beeinflussen wirtschaftliche Entscheidungen, indem sie Anreize setzen oder Belastungen erhöhen. In diesem Spannungsfeld bewegt sich das Konzept der sogenannten Lenkungssteuern. Steuerrecht zwischen Fiskalzweck und Lenkungsfunktion Die Lenkungsfunktion ist steuerrechtlich anerkannt. Das Bundesverfassungsgericht hat mehrfach betont, dass der Gesetzgeber Steuern nicht ausschließlich zur Einnahmeerzielung einsetzen darf, sondern mit ihnen auch ordnungs- oder verhaltenspolitische Ziele verfolgen kann. Voraussetzung ist jedoch, dass die Steuer...
Die Bundesregierung knüpft die neue Förderung für Elektrofahrzeuge an das „zu versteuernde Einkommen“ (zvE) des Haushalts. Der Ansatz ist sozialpolitisch sinnvoll, sorgt in der Praxis jedoch für erhebliche Unsicherheiten bei Verbrauchern. Haben wir hier den nächsten bürokratischen Wahnsinn vor uns? Viele Käufer gehen fälschlich davon aus, dass ihr Bruttojahresgehalt maßgeblich sei. Tatsächlich entscheidet jedoch das zvE, das sich erst nach Abzug zahlreicher steuerlicher Positionen ergibt. Während Handel und Industrie strengen Transparenzpflichten unterliegen, bleibt der Verbraucher hier weitgehend allein. Er muss steuerliche Rückwärtsrechnungen anstellen, um beurteilen zu können, ob eine Förderung überhaupt in Betracht kommt. Gleichzeitig ist festzuhalten: Die Orientierung am zvE...
NEUESTE BEITRÄGE
-
Lutz Ritter 11. August 2026
Darf der ordentliche Steuerpflichtige noch Taxi fahren? (Teil 2)
-
Prof. Dr. iur. Christoph Schmidt 11. August 2026
Riester reloaded oder wirklich neu?
-
Lutz Ritter 10. August 2026
Kooperationsklausel auf Vorrat? § 57 Abs. 3 AO bei noch nicht gegründeter gGmbH
-
Dr. Carola Rinker 10. August 2026
Die ungeliebten Gewinne
-
Christian Herold 7. August 2026
Mindert die pauschale Beihilfe für Beamte die abziehbaren Sonderausgaben?
NEUESTE KOMMENTARE
30.07.2026 von Gregor du Moulin/ Häner & Partner PartG mbB
17.07.2026 von Christian Eppelt
01.08.2026 von Roland Nonnenmacher
Mein 4-Schritte-Plan zur Abschaffung der Gewerbesteuer