Wirecard ist bald sechs Jahre her – doch echte Entwarnung sieht anders aus. Während der deutsche Kapitalmarkt weiterhin um Vertrauen ringt, steht ausgerechnet die Abschlussprüferaufsicht (APAS) erneut im Fokus: Ende Januar berichtete die FAZ, dass der Behörde Stellen gestrichen werden könnten. Das wäre mehr als nur eine interne Personalfrage – es wäre ein schlechtes Signal an Anleger, Prüfer und den Markt insgesamt.
Ein Blick in den Maschinenraum der APAS
Im Jahresbericht 2024 auf Seite 4 informierte die APAS über ihre Personalsituation wie folgt:
„Die Personalsituation der APAS ist weiterhin von Knappheit geprägt. Seit ihrer Gründung konnten bislangnie auch nur annähernd alle Stellen besetzt werden. Zum des Jahres 2024 betrug die Mitarbeiterzahl 60. Nach wie vor sind somit rd. 16 % der Planstellen unbesetzt, davon weit überwiegend Stellen für Wirtschaftsprüferinnen und Wirtschaftsprüfer. Erste Weichen für eine Verbesserung der Situation bei den Wirtschaftsprüferinnen und Wirtschaftsprüfern sind bereits gestellt, indem die Gehaltsbänder für diese Personengruppe angepasst wurden und der Einstellungsprozess administrativ verschlankt und beschleunigt werden konnte. Auch der Mechanismus zur Anpassung der außertariflichen Gehälter an die allgemeine Einkommensentwicklung wurde verbessert. Ergänzende Schritte zur Verbesserung der Rahmenbedingungen und damit zur Schaffung eines „Level Playing Field“ für alle Finanzaufsichtsbehörden sind notwendig und auch bereits adressiert. In geringerem Umfang bestehen auch Herausforderungen bei der Rekrutierung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit anderen Qualifikationen, die ebenfalls einen wichtigen Beitrag zur Qualität der Arbeit der APAS leisten.“
(Zur Einordnung des Zitats zur Personalsituation: Die APAS wurde 2016 gegründet).
Und mein Senf dazu
Bedauerlich. Es braucht offenbar immer erst einen großen Skandal, bis Bewegung in ein System kommt. Und sobald sich der öffentliche Blick abwendet, passiert das, was in Deutschland gefühlt schon Tradition hat: Stillstand – oder Rückschritt.
Ich gebe zu: Wirecard war ein außergewöhnlicher Fall. Den größten Bilanzskandal der deutschen Nachkriegsgeschichte erlebt man nicht alle Tage. Aber trotzdem ist eines sicher: Der nächste Skandal kommt. Die Frage ist nur: Sind wir dann besser vorbereitet?
Auch wenn die APAS nicht für die direkte Aufdeckung von Bilanzskandalen zuständig ist: Die Aufsicht über Wirtschaftsprüfer trägt sicherlich zur Qualitätssicherung bei. Und genau diese Qualität ist seit Wirecard sensibler denn je.
Der Berufsstand stand nach Wirecard massiv in der Kritik – nicht immer zu Recht. Ein Beispiel: Adler Immobilien. Dass KPMG die Bilanzen nicht weiter prüfen wollte, war wenig verwunderlich. Adler hatte den Prüfern Unterlagen nicht zur Verfügung gestellt – folgerichtig gab es im April 2022 kein Testat.
Gerade deshalb kann die APAS helfen, die sogenannte Erwartungslücke zu verkleinern: also die Differenz zwischen dem, was Investoren vom Abschlussprüfer erwarten – und dem, was sein gesetzlicher Auftrag tatsächlich umfasst.
Natürlich: Dass Unternehmen und Institutionen derzeit sparen, überrascht angesichts der konjunkturellen Lage kaum. Aber es stellt sich die entscheidende Frage: Wo wird gespart?
Wenn heute an der falschen Stelle gekürzt wird, können die langfristigen Kosten enorm sein – finanziell und reputativ. Sollte es durch Einsparungen irgendwann zu weiteren Skandalen kommen, könnte das ein Erdbeben am deutschen Kapitalmarkt auslösen. Und das Vertrauen der Investoren – gerade aus dem Ausland – würde weiter leiden.
Weitere Informationen:
- „Rund 15 Prozent der Stellen sind unbesetzt“: Aufsichtsbehörde Apas klagt über zu wenig Personal (tagesspiegel.de (30.04.2024)
- Jahresbericht 2024 der APAS
- Aufsicht über die Wirtschaftsprüfer soll Stellen verlieren (faz.net 21.01.2026)