Corona-Pandemie: Festival Rock am Ring ausgefallen

Wie sich die Risikoberichterstattung durch Corona ändern wird

Ein Virus wirbelt die Risikoberichterstattung durcheinander. Kein Computer-Virus, sondern der Corona-Virus. Die Fans des Festivals „Rock am Ring“ werden sich an diesem Wochenende vorgekommen sein wie in einem Science-Fiction-Film – das beliebte Festival wurde wegen Corona abgesagt. Nur das Wetter war wie immer bei „Rock am Ring“: Regnerisch. Wenigstens auf das Wetter ist noch Verlass in Zeiten der Corona-Krise.

 Status quo der Risikoberichte

In der Risikoberichterstattung wird viel über Risiken geschrieben: Risikomatrix, Eintrittswahrscheinlichkeit der genannten Risiken, Höhe des erwarteten Schadens. Eines ist seit wenigen Wochen deutlich: Auch wenn die Eintrittswahrscheinlichkeit gering ist, Risiken treten auch tatsächlich ein. Die letzten Wochen haben gezeigt wie schnell ein boomendes Geschäft völlig zum Erliegen gebracht werden kann. Die Deutsche Lufthansa wird durch die Ereignisse der letzten Wochen nun von einem Immobilien-Konzern aus der ersten Börsenliga verdrängt.

 

Ich muss zugeben: Auch wenn der Fokus meiner Betrachtungen auf einem Virus lag, so war es doch der Falsche. Ich hatte mir in einer Studie im letzten Jahr die Berichterstattung über Cyber-Risiken näher angeschaut. Das ein anderer Virus die Welt in eine drastische Wirtschaftskrise treibt, hätte ich vor einem Jahr nicht gedacht. Das Risiko für Pandemien findet sich beispielsweise auch im Geschäftsbericht der Deutschen Lufthansa im letzten Jahr. Damit ist das Unternehmen jedoch eher die Ausnahme, dass das Risiko einer Pandemie als separates Risiko aufgelistet wird.

Post-Corona-Risikoberichte

Die Risiken für Unternehmen steigen. Nicht nur durch das Corona-Virus. Doch wird uns vor allem dadurch bewusst, dass auch völlig unerwartete Risiken massive Auswirkungen auf die Konjunktur haben können und für einige Unternehmen innerhalb kürzester Zeit existenzbedrohlich sein können.

Die Relevanz der Risikoberichte wird sicherlich an Bedeutung gewinnen. Wie sich derzeit vor allem zeigt: Gute aufgestellte Unternehmen können durch ein eingetretenes Risiko plötzlich in Liquiditätsengpässe geraten. Das Thema Liquidität findet sich zwar in einigen Risikoberichten wieder, allerdings wurde diesem eher wenig Bedeutung beigemessen.

Die Zunahme der Risiken und die Auswirkungen auf die Bewertung sowie die Risikoberichterstattung wird sich bei der Vorlage der Geschäftsberichte für dieses Jahr präsentieren. Es ist davon auszugehen, dass sich im Vergleich zu 2019 einige deutliche Änderungen zeigen werden. Das ist trotz der unsicheren Zeiten sicher. Nach heutigem Stand vermutlich sicherer, als dass die Festivalbesucher von „Rock am Ring“ im nächsten Juni wieder in Gummistiefeln und Regelmantel feiern können.

Lesen Sie hierzu auch meine Beiträge:

Risiko eingetreten – Corona lässt Risikoberichte nicht kalt

Gefahr pandemischer Erkrankungen im Risikobericht der Deutschen Lufthansa


Im Risikobericht der Deutschen Lufthansa tauchen „pandemische Erkrankungen“ als qualitatives Risiko auf. Bedeutungsgrad im Geschäftsbericht 2019? Kritisch. Ausprägungsform? Sehr hoch. Veränderung im Vergleich zum Vorjahr? Steigend. Ein Blick in den Geschäftsbericht 2018 verrät: Wesentlicher Bedeutungsgrad, hohes Risiko und keine Veränderung zu 2017 waren damals noch die Stichworte. Weiterlesen

Sie ist wieder da: Corona-Konjunkturpaket beinhaltet degressive Abschreibung

Krisen-Pragmatismus zeigt sich bei digitalen Wirtschaftsgütern


Es ist raus: Das Corona-Konjunkturpaket. Und wieder dabei: Die degressive Abschreibung. Wie schön. So hatten wir sie doch vermisst: Kurz vor der Finanzkrise 2008 abgeschafft, um dann wieder vorübergehend für zwei Jahre eingeführt zu werden. Jetzt ist sie wieder da – allerdings nur für die nächsten zwei Jahre.

Wiedereinführung der degressiven Abschreibung

Die Bundesregierung hat im aktuellen Konjunkturpaket beschlossen, die geometrisch-degressive Abschreibung wieder einzuführen. Es kommt wieder der Faktor 2,5: Demnach können maximal 25 % des (Rest-)Buchwertes pro Jahr abgeschrieben werden. Die Wiedereinführung der degressiven Abschreibung ist allerdings beschränkt. Sie gilt nur für Neuanschaffungen in den Steuerjahren 2020 und 2021. Weiterlesen

Hauptversammlungen nach der Corona-Pandemie – nur noch rein virtuell?

Wir sind mitten in der Hauptversammlungs-Hochsaison. Doch anders als bisher finden alle Aktionärstreffen aufgrund der aktuellen Einschränkungen rein virtuell statt. Dies sorgt bereits seit Wochen für kontroverse Diskussionen. Auffallend auch: Nur wenige Unternehmen weisen am Ende der Hauptversammlungen auf die nächste Hauptversammlung hin. Präsenz oder virtuell? Dazu gibt es nur zaghafte Äußerungen, denn niemand weiß, ob in einem Jahr physische Aktionärstreffen – also Großveranstaltungen – möglich sein werden. Weiterlesen

Vergleichbarkeit des bereinigten EBITs ausgeschlossen

Unternehmen folgen den Empfehlungen der DVFA nur selten

Die Deutsche Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management (DVFA) hat zwölf Empfehlungen herausgegeben, um die Vergleichbarkeit der Jahresabschlüsse der Unternehmen für die Abschlussadressaten zu ermöglichen. Eine sehr gute Idee. Nur leider interessiert dies die DAX-Konzerne offensichtlich weniger, wie meine aktuelle Studie zeigt.

Die Empfehlung des DVFA

Zur Darstellung der Überleitungsrechnung lautet die Empfehlung des DVFA wie folgt: Weiterlesen

Serie Bilanzskandale: Umsatz lieber heute als morgen

Doch übermorgen ist er (leider) wieder weg

Die Regeln zur Erfassung von Umsatzerlösen – sie störten einen Bilanzfälscher. Nennen wir ihn Egon. Egon wollte seine Umsatzerlöse des laufenden Geschäftsjahres etwas aufhübschen. Sie waren ihm schlicht und ergreifend zu niedrig. Dabei ließ Egon seiner Kreativität freien Lauf.

Umsätze herbeizaubern – so lief es

Egons Unternehmen stellte seinen Kunden auf Anfrage Vorführprodukte zur Erprobung zur Verfügung. Sofern ein Kunde ein Vorführprodukte anforderte, wurde dieses entsprechend an den zuständigen Außendienstmitarbeiter geliefert. Zu diesem Zeitpunkt wurde dem Außendienstmitarbeiter eine Rechnung über das gelieferte Produkt erstellt und entsprechend die Umsatzerlöse ausgewiesen. Wie sich jedoch zeigte, kauften weniger als die Hälfte der Kunden das Produkt am Ende tatsächlich. Dann wurden entsprechend Korrekturbuchungen vorgenommen. Weiterlesen

Corona-Pandemie beeinflusst Nachtragsberichte

Datum der Fertigstellung des Jahresabschlusses 2019 so entscheidend wie nie zuvor


Der Nachtragsbericht – wozu braucht es diesen eigentlich? Seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie ist klar: Zwischen dem Bilanzstichtag und dem Tag der Fertigstellung des Jahresabschlusses kann so einiges passieren. Auch wenn bei einem Fast Close nur wenige Wochen dazwischen liegen.

Wieso die Corona-Pandemie im Nachtragsbericht thematisiert wird

Es wurde schon zu Genüge diskutiert: Der Ausbruch der Pandemie fällt auf den März diesen Jahres und stellt damit ein Ereignis nach dem Bilanzstichtag dar, das im Abschluss des Vorjahres nicht mehr berücksichtigt wird. Zumindest bei der Bilanzierung und Bewertung.

Bei der Offenlegung von Informationen ist dies anders: Im Nachtragsbericht wird über genau solche Ereignisse wie den Ausbruch der Corona-Pandemie berichtet. Es handelt sich zwar um ein Ereignis, das erst nach Ablauf des Geschäftsjahres passiert ist. Allerdings hat sich dieses nicht nur vor der Fertigstellung des Jahresabschlusses ereignet, sondern ist auch von besonderer Bedeutung. Nur in diesem Fall muss nämlich darüber im Nachtragsbericht informiert werden. Weiterlesen

Worthülsen dominieren Risikoberichte zur Corona-Pandemie

Viel Verbesserungspotenzial bei unternehmensspezifischer Wesentlichkeit


Auch wenn der Ausbruch der Corona-Pandemie sich erst in den Jahresabschlüssen 2020 in Zahlen zeigen wird: Im Risikobericht findet sie auch bereits 2019 Einkehr, sofern der Jahresabschluss während des Ausbruchs der Pandemie erstellt wurde. Wie sich auch zeigt, wurde der Lagebericht bei einigen Unternehmen aus aktuellem Anlass nach der Fertigstellung erneut überarbeitet. Wieso? Um die Corona-Pandemie mit aufzunehmen. Weiterlesen

Bestätigungsvermerke Prüfungssaison 2020: Es bleibt spannend

Dem Bestätigungsvermerk kommt in diesem Jahr eine besondere Bedeutung zu. Vor allem das Datum der Erteilung ist mitunter so entscheidend wie noch nie zuvor. Dies zeigt ein Blick in Geschäftsberichte, die bereits im Januar oder Februar 2020 erteilt wurden. Hinweise auf Bestandsgefährdung durch die durch den Corona-Virus ausgelöste Wirtschaftskrise finden sich bisher noch eher selten. Bei Gerry Weber beispielsweise – dem Modeunternehmen, das sich bis Ende 2019 in Insolvenz befand und Anfang 2020 einen Neuanfang startete. Weiterlesen

Prognosen für das laufende Geschäftsjahr – auf Eis gelegt

Unsicherheit verhindert Planung


Das gab es noch nie: Prognosen sind derzeit nahezu unmöglich. Unternehmen geben nicht nur Pressemitteilungen über sinkende Gewinne und Umsätze für das laufende Geschäftsjahr aus –es mehren sich auch Pressemitteilungen über zurückgezogenen Prognosen.

Besonderheiten der Corona-Krise

Anders als in einer „normalen“ Wirtschaftskrise sind die Prognosen nämlich auch abhängig von den gesetzlichen Einschränkungen in Bezug auf den Shutdown der Wirtschaft. Derzeit gibt es zwar einige Lockerungen: Allerdings kocht hier jedes Bundesland sein eigenes Süppchen, was für Unternehmen weitere Herausforderungen mit sich bringt. Durch den Föderalismus sind die Lockerungen uneinheitlich und erfordern einen immensen Verwaltungsaufwand. Weiterlesen