Serie Bilanzskandale: Präventionsmaßnahmen – Compliance auf den Prüfstand stellen

Haben Sie auch gute Vorsätze für das neue Jahr? Wie schnell wir wieder auf dem Boden der Tatsachen landen und unsere guten Vorsätze doch nicht so eng sehen, zeigt sich meistens sehr schnell. Auch für Unternehmen ist der Jahreswechsel eine gute Möglichkeit, mit neuen Vorsätzen ins neue Jahr zu starten. Wie wäre es in diesem Fall damit, endlich das Compliance-System auf den Prüfstand zu stellen?

Nicht erst warten, bis etwas passiert

Sicherlich gibt es – wie so oft – dringendere Aufgaben, die erledigt werden müssen. Doch der Fall des badischen Finanzdienstleisters Grenke im Herbst 2020 hat gezeigt: Unternehmen sollten nicht erst warten, bis sie von einem Shortseller mit Vorwürfen konfrontiert und attackiert werden. Der Aktienkurs des Unternehmens ist noch immer deutlich geringer als vor den Ereignissen.

Das Vertrauen der Anleger muss das badische Unternehmen erst wieder zurückgewinnen. Weiterlesen

Mehr Fortschritt wagen: Was bringt der Koalitionsvertrag für Wirtschaftsprüfer, Anleger und Unternehmen?

Fortschritt muss sich erst noch zeigen

Seit wenigen Wochen haben wir eine neue Bundesregierung. Das Regierungsprogramm liegt auf dem Tisch. Jetzt kann die Umsetzung beginnen. Das knapp 200 Seiten umfassende Papier steht unter dem Motto „Fortschritt wagen“. Hoffen wir, dass dieses auch in die Tat umgesetzt wird. Die Zukunft wird zeigen, ob es am Ende zu einer tatsächlichen Verbesserung des Status quo kommen wird.

Auf jeden Fall sollte dringend gehandelt werden: Die ersten Gesetzesreformen nach dem Wirecard-Skandal sind so nicht ausreichend. Um den Anschluss an die Digitalisierung nicht ganz zu verpassen, ist auch die langfristige gesetzliche Regelung moderner Formen der Hauptversammlung (virtuell, hybrid) dringend erforderlich.

Was plant die neue Bundesregierung für Wirtschaftsprüfer, Anleger und Unternehmen? Weiterlesen

Reform der Abschlussprüfung: Joint Audit als Ausweg aus allen Problemen?

Hausaufgaben für die neue Bundesregierung

Auf die neue Bundesregierung kommt viel Arbeit zu. Damit meine ich nicht nur aktuell brennende Themen wie die Pandemie und den Klimawandel. Im Vergleich dazu vermag die Reform der Abschlussprüfung eher weniger dringlich erscheinen. Doch das im Mai 2021 beschlossene FISG ist so nicht ausreichend, um ein zweites Wirecard zu verhindern.

Die Reform der Abschlussprüfung und eine weitere Verschärfung der Gesetze wird dies allein nicht verhindern. Da es jedoch viele verschiedene Facetten gibt, möchte ich mich in diesem Beitrag auf die Abschlussprüfung fokussieren.

Status quo: Gefahr der Verschärfung der Marktkonzentration

Die geänderten Regelungen werden nicht dazu beitragen, die ohnehin schon hohe Marktkonzentration auf dem Prüfermarkt zu verringern. Ganz im Gegenteil: Es besteht eher das Risiko, dass sich diese weiter verschärft. Durch die Verschärfung der Haftung besteht die Gefahr, dass einige Prüfungsgesellschaften aus dem Markt aussteigen.

Aus unternehmerischer Sicht ist dies nachvollziehbar: Größeres Risiko, sinkende Vergütung, höhere Haftung. Da stellt sich eine Prüfungsgesellschaft die Frage: Lohnt es sich noch, die Leistung „Abschlussprüfung“ anzubieten? Denn schließlich ist die Arbeit von Wirtschaftsprüfern auch bei anderen Dienstleistungen sehr gefragt, bei denen diese Probleme nicht bzw. in deutlich geringere Ausmaße existieren.

Joint Audit als Lösungsmöglichkeit?

Keinen Weg in die Reformen hat das sog. Joint Audit gefunden. Aufgrund der anstehenden Bundestagswahl im September 2021 und des damit verbunden Zeitdrucks der Aufarbeitung des Wirecard-Skandals im Untersuchungsausschuss des Bundestages, wurden die ersten Reformen im Eiltempo beschlossen.

Die Aufgabe der neuen Bundesregierung ist es nun, das Thema wieder auf die Agenda zu setzen. So sollte unter anderem das Thema des Joint Audit kontrovers diskutiert werden. Die Linksfraktion hatte bereits im Herbst 2020 einen entsprechenden Antrag an die damalige Bundesregierung gestellt. Auch wenn der Finanzsheriff Fabio de Masi von den Linken nicht mehr im Bundestag sitzt, sollte dieses Thema wieder auf die Agenda gesetzt werden. Anders als Herr De Masi dies im Untersuchungsausschuss bevorzugt hat – er möge es mir verzeihen – sollten hier die Hausaufgaben erledigt werden. In diesem Fall kommen wir mit Herr De Masis bevorzugter „Unterrichtsmethode“ im Untersuchungsausschuss „Hefte raus, Klassenarbeit“ nicht weiter.

Was es genau mit einem Joint Audit auf sich hat, wie dies die anderen Parteien sehen und was dabei genauer diskutiert werden sollte, lesen Sie in meinem aktuellen Beitrag in der Zeitschrift WP Praxis (s.u.).

Demnächst lesen Sie auch noch mehr dazu, welche Themen die neue Bundesregierung bei der Reform der Abschlussprüfung noch diskutieren sollte – mit offenem Ausgang. Wir sollten nicht auf das nächste Wirecard warten, bis wieder Reformen diskutiert werden. Denn der nächste Bilanzskandal kommt bestimmt. Wenn auch mit einem deutlich kleineren Erdbeben als im Causa Wirecard. Denn das ist kaum zu übertreffen.

Lesen Sie dazu auch:
Reform der Abschlussprüfung – Joint Audit als Lösungsmöglichkeit zur Qualitätssicherung? – Analyse des Status quo und künftige Entwicklungen, WP Praxis 12/2021, S. 410 ff.
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Die DPR ist bald Geschichte – ein Abschiedsbrief

Das Jahresende naht. Für die DPR bedeutet dies, dass sie die letzten Tage ihrer Existenz erlebt. Aus diesem Anlass folgt nun ein Abschiedsbrief.

Liebe DPR,

bald wirst du Geschichte sein. Du bist dem Wirecard-Skandal zum Opfer gefallen. Wie so viele. Doch leider warst du von Anfang an so aufgestellt, dass du bei Fällen wie Wirecard machtlos warst. Du hattest lediglich 15 Mitarbeiter, die für die Prüfung von mehreren hundert Unternehmen zuständig waren. Wie soll dies denn gestemmt werden können? Leider habe ich nie etwas darüber erfahren, wer deine Mitarbeiter waren und welche Kompetenzen sie hatten. In der Öffentlichkeit wurde immer nur dein Präsident kritisiert.

Dein Präsident war gleichzeitig Prüfungsausschussvorsitzender von großen börsennotierten Unternehmen, die von dir geprüft wurden. Dass es hier keine Interessenskonflikte geben soll, ist für mich leider nur schwer verständlich. Doch hatte ich auch nicht den Eindruck, dass die Kritik diesbezüglich von dir wirklich ernst genommen wurde. Weiterlesen

Dauerbrenner Goodwill: Rückkehr zur planmäßigen Abschreibung?

Der Goodwill nach IFRS ist ein Dauerbrenner. Auch beim IASB (International Accounting Standards Board) gibt es offenbar viel Diskussionsbedarf. Eigentlich sollte die Reform schon längst erfolgt sein. Bei der Antwort auf die Frage, ob die planmäßige Abschreibung des Goodwills wieder eingeführt wird, braucht es noch etwas Geduld. Im ersten Quartal 2022 soll die Entscheidung gefällt werden.

Erfreulich ist die Transparenz des derzeitigen Diskussionsstandes. Das IASB hat im September ein Papier veröffentlicht, um die vorläufigen Ansichten zusammenzufassen. Diese werden wir uns nun genauer anschauen. Weiterlesen

Serie Bilanzskandale – Prävention durch die Einrichtung eines Hinweisgeber-Systems

Wie können Bilanzmanipulationen schneller aufgedeckt werden? Die Einrichtung eines Hinweisgebersystems kann helfen. Wie aufgedeckte Bilanzskandale – so auch im Falle des Zusammenbruchs von Wirecard – gezeigt haben: Hinweisgeber tragen maßgeblich zur Aufdeckung bei – mit Konsequenzen für die „Informanden“, wie sich bei Wirecard leider sehr deutlich gezeigt hat.

Pav Gill, der Mann aus Singapur, musste um sein Leben fürchten. Das hat eine ganz andere Dimension, als „lediglich“ den Job zu verlieren. Auch die Angst um die eigene Karriere ist bei der Furcht ums eigene Leben absolut unbedeutend. Pav Gill, der in der Rechtsabteilung in Singapur für Wirecard tätig war, ist erst vor wenigen Monaten aus der Anonymität gekommen und hat damit dem Hinweisgeber von Wirecard ein Gesicht gegeben.

EU-Richtlinie

Die EU-Richtlinie zur Einrichtung eines Hinweisgebersystems soll Mitte Dezember in Kraft treten. Weiterlesen

Jetzt spricht Wirecard-Sonderprüfer Martin Wambach

Am 12. November 2021 hat das Handelsblatt den berühmten Wambach-Bericht veröffentlicht. Was ist das Besondere daran? Wenige Monate zuvor hatte der Bundesgerichtshof die Veröffentlichung dieses Berichtes noch untersagt (Az.: 1 BGs 340/21). Die Begründung? Der Untersuchungsausschuss von Wirecard war zu diesem Zeitpunkt bereits aufgelöst worden. Dies lag an der anstehenden Bundestagswahl im September.

Der Bericht war als geheim eingestuft worden, EY hatte sich zudem gegen die Veröffentlichung gewehrt. Nun wurden durch die Veröffentlichung Fakten geschaffen. Weiterlesen

„Alle Jahre wieder“ mit historischem Einschnitt: Prüfungsschwerpunkte 2022

Alle Jahre wieder…aber nicht mehr in diesem Jahr – zumindest nicht von der DPR. Denn durch das am 20. Mai 2021 beschlossene Gesetz zur Stärkung der Finanzmarktintegrität (FISG) wird die DPR ab dem 1. Januar 2022 Geschichte sein. Inwieweit die Bafin künftig Prüfungsschwerpunkte veröffentlichen wird, wird sich zeigen.

Die DPR hatte bisher immer die Prüfungsschwerpunkte der ESMA (Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde) übernommen und eigene Schwerpunkte für die Prüfungen im Folgejahr festgelegt. Ende Oktober hat die ESMA diese üblicherweise veröffentlicht.

Auswirkungen der Corona-Pandemie

Wenig überraschend ist der Fokus auf die Auswirkungen der Corona-Pandemie als einer der Prüfungsschwerpunkte für das kommende Jahr. Dabei werden die Effekte auf die Geschäftstätigkeit, die finanzielle Leistungsfähigkeit als auch die Finanz- und Ertragslage schwerpunktmäßig geprüft.

Es ist zu befürchten, dass sich bei der Bewertung Fehler eingeschlichen haben könnten. Diese Thematik wird auch sicherlich bei der Abschlussprüfung von einigen Unternehmen eine wichtige Rolle spielen. Da die Wirtschaftsprüfer aufgrund des Wirecard-Skandals heftig kritisiert wurden, ist ein steigender Druck zu befürchten. Weiterlesen

Steigende Herausforderungen an die Abschlussprüfer – braucht es einen „Fachprüfer für Nachhaltigkeitsberichte“?

Die Anforderungen an die Abschlussprüfer steigen und steigen. Neben der Digitalisierung spielt auch das Thema Prüfung von Nachhaltigkeitsberichten eine immer größere Rolle. Eine Pflicht zur Prüfung der Nachhaltigkeitsberichte durch den Abschlussprüfer gibt es erst ab 2023 für alle Unternehmen, die einen Nachhaltigkeitsbericht erstellen müssen. Noch ist etwas Zeit. Doch 2023 kommt schneller als man denkt.

Mittlerweile haben auch einige Wirtschaftsprüfer begonnen, hier eine besondere Expertise aufzubauen: Die Prüfung von Nachhaltigkeitsberichten. Bisher ist dies noch freiwillig, wird aber teilweise von Unternehmen genutzt.

Überlegungen zur Fachweiterbildung

Durch die steigenden Anforderungen an den Berufsstand der Wirtschaftsprüfer stelle ich mir immer wieder die Frage, inwieweit weitere Spezialisierungen oder eine Art Fach-Wirtschaftsprüfer erforderlich ist. Weiterlesen

Bilanzkontrolle in der Zukunft – Ende des zweistufigen Systems naht

November – bisher war dies immer der Monat, in dem die Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung (DPR) ihre Prüfungsschwerpunkte für das kommende Jahr veröffentlichte. Doch zumindest für die DPR hat sich diese Aufgabe dieses Jahr erübrigt., denn Sie ist ab dem 1. Januar 2022 Geschichte.

Noch ist unklar, ob auch die Bafin künftig die Prüfungsschwerpunkte vorab veröffentlichen wird. Es ist davon auszugehen, dass die Bafin als „Nachfolgerin“ der DPR die ESMA-Richtlinien ebenfalls umsetzen wird. Die DPR hatte zu den Prüfungsschwerpunkten auf europäischer Ebene immer auch eigene nationale Prüfungsschwerpunkte festgelegt. Es ist derzeit noch abzuwarten, inwieweit die Bafin diese Vorgehensweise künftig fortsetzen wird. Weiterlesen