Steigende Darlehenszinsen: Was dies für den Jahresabschluss von Bauträgern bedeutet

Steigende Zinsen, Lieferengpässe bei Rohstoffen, Verzögerung der Fertigstellung von Bauprojekten, Stornierung der Folge von Bauprojekten aufgrund der enorm gestiegenen Kosten. Bauträger stehen derzeit vor einigen Herausforderungen. Damit sind sie nicht alleine, das stimmt. Doch wirken sich auch schon Veränderungen bei einem Projekt mitunter nicht unerheblich auf den Jahresabschluss aus.

Insbesondere bei der Verbuchung der Darlehenszinsen zeigt sich, ob ein Bauträger eher konservativ oder eher progressiv bilanziert. Durch die steigenden Zinsen ist die Zwischenfinanzierung der laufenden Bauprojekte seit diesem Jahr nun deutlich teurer geworden. Gleichzeitig führen Verzögerungen bei der Fertigstellung der Projekte dazu, dass die Zwischenfinanzierung länger benötigt, wird als ursprünglich geplant. Es lohnt sich daher, genauer hinzuschauen. Weiterlesen

Verschärfung der Marktkonzentration am Prüfermarkt : Reformen nach dem Wirecard-Skandal gescheitert?

EY verliert Prüfungsmandate. Als Prüfer des ehemaligen Zahlungsdienstleisters Wirecard keinesfalls verwunderlich, auch ohne Staatseingriffe und Reformen. Denn welcher Aufsichtsrat will der Hauptversammlung noch EY als Prüfer vorschlagen? Und mal ehrlich: Was hätte dieser davon? Nur Ärger mit den Aktionären. Und wenn durch die Rotationspflicht eine neue Prüfungsgesellschaft gesucht werden muss, gibt es immerhin noch zwei andere der Big4, denn diese haben immer noch die Marktmacht und prüfen einen Großteil der größten börsennotierten Unternehmen.

Die schwierige Suche nach einem Prüfer

Doch in manchen Fällen ist die Suche noch eingeschränkter, denn durch die strikte Trennung von Prüfung und Beratung kann es sein, dass ein Unternehmen eine der Big4 als Beratungsunternehmen mit großen Aufträgen versorgt. Diese Gesellschaft kann natürlich dann auch nicht als Abschlussprüfer angefragt werden. Abgesehen davon ist die Beratung auch lukrativer als die Prüfung – und weniger risikobehaftet. Und aus unternehmerischer Sicht absolut nachvollziehbar: Warum soll ich eine risikobehaftete Dienstleistung (Abschlussprüfung) mit einer geringeren Marge gegenüber einer weniger risikobehafteten Dienstleistung (Beratung) mit einer deutlich höheren Marge bevorzugen? Schließlich muss ich am Ende Gewinn erwirtschaften, um langfristig am Markt bestehen zu können.

Die Folgen einer schärferen Rotationspflicht

Was hat sich seit dem Wirecard-Skandal getan? Die Rotationspflicht wurde verschärft. Seither müssen alle Unternehmen von öffentlichem Interesse – unabhängig von der Branche – nach zehn Jahren den Abschlussprüfer wechseln. Davor gab es die Möglichkeit einer einmaligen Verlängerung um zehn Jahre, wenn das Unternehmen weder eine Bank noch eine Versicherung war.

Wurde durch die strengere Rotationspflicht das Ziel erreicht? Keineswegs. Anstelle von mehr Vielfalt und Unabhängigkeit, hat sich die Marktkonzentration verschärft. Das war auch zu erwarten. Leider kam die Bundestagswahl im Herbst 2021 dazwischen: Die Reformen nach dem Wirecard-Skandal mussten im Sommer 2021 schnell durch den Bundestag gebracht werden. Die Zeit für umfangreichere Diskussionen fehlte. Und jetzt ist der Druck nicht mehr so hoch wie direkt nach dem Zusammenbruch Wirecards im Sommer 202, das sich etwas ändern muss.

Und nun?

Verschärfung der Haftung, strengere Rotationspflichten und keine Diskussion über die Frage einer Honorarordnung für Abschlussprüfer. Die Reform ist so noch nicht zu Ende. Ob eine Honorarordnung die Probleme lösen mag, steht auf einem anderen Stern. Doch sollte es zumindest Diskussionen darüber geben. Ansonsten wird sich die Marktkonzentration weiter verschärfen. Und vielleicht ist Adler dann nicht das einzige börsennotierte Unternehmen, dass bei der Suche nach einem Abschlussprüfer das Gericht um Hilfe bitten muss. Auch ohne ein Hoch-Risikomandant zu sein.

In seinem Beitrag im Handelsblatt schlägt Bert Fröndhoff als Lösung für mehr Vielfalt am Prüfermarkt Joint Audits bzw. Shared Audits vor. Dieses Thema hatte ich bereits vor zwei Jahren in einem Beitrag in der Zeitschrift WP Praxis diskutiert.

Lesen Sie dazu auch:
Rinker (2021), Reform der Abschlussprüfung – Joint Audit als Lösungsmöglichkeit zur Qualitätssicherung? – Analyse des Status quo und künftige Entwicklungen, WP Praxis, Heft 12/2021, Seite 410-413

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Update Causa Adler: Die verzweifelte Suche nach einem Abschlussprüfer – brauchen wir eine „harte“ Reform?

Kaum hat das neue Jahr richtig begonnen, geht es bei Adler wieder richtig rund. Zur Erinnerung: Freiwillig hatte sich keine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft auf die Ausschreibung von Adler beworben. Der Immobilien-Konzern sah sich gezwungen, das Gericht um Hilfe zu bitten. Das Amtsgericht-Charlottenburg bestellte KPMG als Prüfer. Doch diese haben abgelehnt. Und nun?

Ein Blick zurück

Spannend. Schließlich hatte KPMG sich im letzten Jahr geweigert, weiterhin die Bücher von Adler zu prüfen. Bei der traumhaften Zusammenarbeit mit dem Mandanten keineswegs verwunderlich, denn schließlich war Adler bei der Vorgabe von Unterlagen nicht kooperativ. Dazu kommt noch die Ankündigung des Verwaltungsratschefs, dass für 2022 ein uneingeschränktes Testat angestrebt werde. Und in diesem Jahr ist deutlich mehr Zeit, einen testierten Abschluss vorzulegen, denn nicht mehr der 30. April wie im letzten Jahr, sondern der 31. Dezember ist dieses Jahr die finale Frist. Dass die Zeit knapp ist, um alle vom Prüfer geforderten Unterlagen diesem zur Verfügung zu stellen, wird also dieses Jahr nicht mehr durchgehen. Weiterlesen

Aufgehübschte Bilanzen – Wie durch Schuldenerlass ein steuerfreier Gewinn entsteht

Versteckte Staatshilfen an Galeria Karstadt Kaufhof

Ende Oktober 2022 hat Galeria Karstadt Kaufhof Insolvenz in Eigenverwaltung angemeldet. Doch hat die Kaufhauskette im Jahresabschluss 2019/2020 einen Gewinn von fast zwei Milliarden Euro ausgewiesen. Ja, Sie haben richtig gelesen. Und dieser ist auch noch steuerfrei. Warum das immer noch aktuell ist? Schließlich liest man derzeit wieder mehr Berichte über die Insolvenz von Unternehmen. Und bekanntlich kann man an konkreten Praxisbeispielen ein Thema anschaulicher darstellen.

Wie der steuerfreie Gewinn gezaubert wird

Dieser steuerfreie Gewinn wird als sog. Sanierungsgewinn bezeichnet. Wie er entsteht? Wenn ein insolventes Unternehmen Schulden hat und die Gläubiger auf ihre Forderungen verzichten. Buchhalterisch wird der Schuldenerlass unter den sonstigen betrieblichen Erträgen verbucht und erhöht somit den Gewinn. Auf der anderen Seite verringern sich die Verbindlichkeiten des Unternehmens.

Und dieser Gewinn ist steuerfrei? Ja, aber nur unter bestimmten Voraussetzungen. Doch diese sind automatisch erfüllt, wenn das Unternehmen einen Sanierungsplan hat. Steuerzahlungen würden die Liquidität des ohnehin finanziell angeschlagenen Unternehmens belasten, das stimmt. Die Regelung mit der Steuerfreiheit wurde immer mal wieder geändert. Mal waren Sanierungsgewinne steuerfrei, mal nicht. Weiterlesen

TSE-Pflicht für – zunächst nicht aufrüstbare – Registrierkassen seit 01.01.2023

Seit nunmehr einigen Jahren sind die Vorgaben für elektronische Kassensysteme und Registrierkassen deutlich verschärft worden. Der im Jahr 2016 eingeführte § 146a AO und die Kassensicherungsverordnung aus dem Jahr 2017 zogen nach der Inkraftsetzung der Bonpflicht weitere umfassende technische Änderungen für Kassensysteme nach sich.

Es besteht etwa seit dem 01.01.2020 die Pflicht, jedes eingesetzte elektronische Aufzeichnungssystem i.S.d. § 146a Abs. 1 Satz 1 AO i.V. mit § 1 Satz 1 KassenSichV sowie die damit zu führenden digitalen Aufzeichnungen durch eine zertifizierte technische Sicherheitseinrichtung (TSE) zu schützen (§ 146a Abs. 1 Satz 2 AO). Da es bei der Erarbeitung der entsprechenden technischen Sicherheitsstandards durch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik zu Verzögerungen kam und entsprechende Sicherheitsmodule nicht rechtzeitig am Markt verfügbar waren, hatte das BMF eine Nichtbeanstandungsregelung (bis zum 30. September 2020) getroffen. Besonderheiten ergaben sich darüber hinaus für solche Kassensysteme, die nach dem 25.11.2010, aber vor dem 01.01.2020 angeschafft wurden.

Sonderregelung läuft aus

Solche Kassensysteme, die nach dem 25.11.2010, aber vor dem 01.01.2020 angeschafft wurden und wegen ihrer Bauart nicht mit einer zertifizierten technischen Sicherheitseinrichtung (TSE) aufrüstbar waren, dürften zunächst bis zum 31.12.2022 benutzt werden. Seit dem 01.01.2023 haben auch diese den Anforderungen der Kassensicherungsverordnung zu genügen. Ferner verliert das Zertifikat der durch die D-Trust GmbH vertriebene „D-TRUST TSE Version 1.0“ nach dem 07.01.2023 seine Gültigkeit. Elektronische Kassen, die mit dieser Technischen Sicherheitseinrichtung abgesichert sind, erfüllen daher ab dem 08.01.2023 nicht mehr die gesetzlichen Anforderungen. Allerdings hat das BMF bereits reagiert und verlautbart, dass entsprechende Systeme bis zum 31.07.2023 genutzt werden dürfen, wenn die Weiterverwendung gegenüber dem Finanzamt angezeigt wird.

Ordnung der Kassensysteme bleibt wichtiges Thema – auch in Betriebsprüfungen

Die deutlichen Verschärfungen im Hinblick auf die Kassenführung und Kassenausrüstung haben Kassenbetreiber in ihren täglichen Betriebsprozessen deutlich gefordert und dazu geführt, dass viele Nachrüstungen erforderlich waren. Der Gesetzgeber hatte mit seinen Verschärfungen in den letzten Jahren massiv auf die Manipulationsanfälligkeit von Aufzeichnungen reagiert und verfolgte hier ein klares Ziel, nämlich die Eindämmung des Betruges mit Kassensystemen. Neben den formal zu erfüllenden Pflichten ist insbesondere das Instrument der Kassennachschau gem. § 146b Abs. 1 Satz 1 AO für viele Geschäftsbetreiber ein Graus, kann diese doch außerhalb einer Außenprüfung und inmitten der üblichen Geschäfts- und Arbeitszeiten ohne vorherige Ankündigung durchgeführt werden.

Das Thema Kassensysteme dürfte uns somit auch in diesem Jahr weiter (in vielen Konstellationen) begleiten.

Weitere Informationen:
BMF v. 13.10.2022 – IV A 4 – S 0319/20/10002: 009 BStBl 2022 I S. 1436

Update Adler Group – Weihnachtsgeschenk fällt für Adler leider aus

Adler scheitert mit Sanierungsplan bei der Gläubigerversammlung

Der Optimismus von Adler ist fast schon beeindruckend. Kurz vor Weihnachten fand die Gläubigerversammlung statt, die eigentlich den Befreiungsschlag geben sollte. Doch dem ist leider nicht so. Wie so oft, erweckt die Pressemitteilung von Adler jedoch meines Erachtens nach einen sehr positiven Eindruck der Niederlage.

Bevor ich auf die Details eingehe, eine kleine, aber feine Nebensache. Im Newsletter des Finance Magazins vom 21. Dezember fällt die Überschrift ins Auge: „Adler scheitert vorerst mit Sanierungsplan“. Klingt wenig erfreulich. Die Überschrift der Pressemitteilung von Adler vom 20. Dezember 2022 drückt es deutlich neutraler aus: „Adler Group S.A. gibt Ergebnis der Gläubigerabstimmungen bekannt“.

Warum ich dies erwähne? Nach dem Titel des Beitrags auf Finance online, weiß ich, worauf ich achten muss. Doch beim Lesen der Pressemitteilung stoße ich auf einige Aussagen, deren Inhalt im Vergleich zur Einschätzung von Finance für mich ziemlich verwirrend ist. Weiterlesen

Alle Jahre wieder – Prüfungsschwerpunkte der ESMA für 2023

Wie jedes Jahr im November veröffentlicht die europäische Wertpapieraufsichtsbehörde ESMA die Prüfungsschwerpunkte für das kommende Jahr. Diese werden seit dem letzten Jahr von der Bafin um eigene Prüfungsschwerpunkte ergänzt, da die Bilanzkontrolle seit dem 1.1.2022 als Folge des Wirecard-Skandals im einstufigen System nun alleine durch die Bafin erfolgt.

Wenig überraschend sind die Themen, die für die Prüfungen im nächsten Jahr im Fokus stehen sollen:

  • Berücksichtigung der Auswirkungen des russischen Einmarsches in die Ukraine sowie allgemein des derzeit herausfordernden makroökonomischen Umfelds.
  • Berücksichtigung und Abbildung klimabezogener Sachverhalte in der Finanzberichterstattung.
  • Implementierung des IFRS 17 „Versicherungsverträge“.

Das Thema Klima ist nun endlich auch hier angekommen – es wird auch dringend Zeit. Betrachten wir die Themen im Einzelnen etwas genauer. Weiterlesen

Watchmaster – Millionenraub als Grund für Insolvenz?

Einblick in die veröffentlichten Bilanzen offenbaren „Gewinndiebstahl“

Sie haben die Meldung vielleicht auch gelesen: Der Onlinehändler Watchmaster, der mit gebrauchten Uhren handelt, hat Insolvenz angemeldet. Der Grund? Es wurden Uhren im Wert von mehreren Millionen Euro gestohlen. Doch bereits in der Vergangenheit sahen die Bilanzen alles andere als rosig aus.

Ein Blick in den Bundesanzeiger verrät: Die letzte veröffentlichte Bilanz stammt aus dem Jahr 2020. Nicht verwunderlich, denn für die Veröffentlichung der Zahlen von 2021 hat das Start-up bis Ende dieses Jahres Zeit. Als Onlinehändler war Watchmaster jedenfalls nicht vom Lockdown während der Pandemie betroffen. Ich würde eher annehmen, dass Watchmaster davon profitiert hat wie auch viele andere Onlinehändler während dieser Zeit.

Einblicke in den Lagebericht

Zu den Marktgegebenheiten ein kleiner Auszug aus dem Lagebericht 2020: Weiterlesen

Update Causa Adler: Ende der Party

Sinkende Immobilien-Preise bescheren Adler hohe Verluste

Endlich. Die Quartalsmitteilung der Adler Group zeigt nun deutlich die Auswirkungen der aufgeblähten IFRS-Bilanzen eines Immobilien-Konzerns. Oder anders ausgedrückt: Die Party der Wertsteigerungen ist zu Ende. Jetzt wird der Luftballon nicht mehr aufgeblasen, sondern die Luft entweicht – und zwar en masse. Was genau es damit auf sich hat? Schauen wir uns die Quartalsmitteilung zum 30.09.2022 etwas genauer an.

Wieso Adler einen Verlust von 925 Mio. € ausweist

Ein Vergleich einiger Zahlen liefert interessante Erkenntnisse. Anders als noch im Vorjahr hat Adler nun erstmals keine dreistelligen Millionenbeträge mehr als Wertsteigerungen der Immobilien ausgewiesen. Ganz im Gegenteil: Während in den ersten drei Quartalen 2021 noch eine Wertsteigerung in Höhe von 571 Mio. € ausgewiesen wurde, zeigen die Zahlen für den Vergleichszeitraum 2022 einen Verlust in Höhe von 370 Mio. €. Kurzum: Die aktuellen Werte der Immobilien in der Bilanz mussten nach unten (!) korrigiert werden. Weiterlesen

Goodwill bleibt als tickende Zeitbombe in den Bilanzen – IASB-Entscheidung liegt vor

Die Wiedereinführung der planmäßigen Abschreibung des Goodwills nach IFRS war lange diskutiert worden. Der Beginn der Pandemie hatte die Entscheidung verzögert. Es wurde viel hin und her diskutiert, doch nun steht es fest: Es bleibt bei der derzeitigen Regelung. Der Goodwill nach IFRS wird also weiterhin nicht planmäßig abgeschrieben, sondern nur außerplanmäßig. Die Entscheidung hat das IASB in der Sitzung im November gefällt.

In den letzten Jahren habe ich mehrere Studien zum Goodwill in den Bilanzen der Index-Unternehmen gemacht. Die Erkenntnisse? Erschreckend! Der Anteil des Goodwills macht nicht nur einen Großteil des Gesamtvermögens aus. Es gibt auch Unternehmen, bei denen der Goodwill größer ist als das Eigenkapital.

Hintergründe der Entscheidung

Worauf beruht diese Entscheidung? Das IASB hat die Rückmeldungen der Interessensgruppen ausgewertet. Bei den Studienergebnissen zum Goodwill nicht verwunderlich, dass die Sorge vor der Rückkehr zur planmäßigen Abschreibung groß war, denn schließlich profitieren viele Interessensgruppen von geringen Goodwill-Abschreibungen, die den Gewinn des Unternehmens schonen. Weiterlesen