Unternehmensgröße macht träge – Umstellung einer digitalen Buchhaltung in großen Unternehmen

Papierrechnung: Ein Begriff, den man in wenigen Jahren hoffentlich erklären muss. Doch der Weg zur digitalen Buchhaltung ist noch weit, zumindest bei einigen Unternehmen. Ich habe es mir zur Aufgabe gemacht, bei jeder Papierrechnung anzurufen und um die Umstellung auf eine digitale Lösung zu bitten. Nicht immer wird mein Wunsch erhört. „Geht leider nicht.“ „Wir überlegen uns derzeit, ob wird bald umstellen sollen.“ „Wir schauen derzeit, wie viele Kunden keine Papierrechnung mehr haben möchten.“ Dies ist nur ein kleiner Auszug aus den Antworten, die ich erhalten habe.

Verständlich – große Unternehmen können nicht so leicht umstellen, denn nicht nur die Prozesse der Rechnungsüberprüfung, Bezahlung und der Freigabe müssen angepasst werden. Vor allem auch die Mitarbeiter benötigen entsprechende Unterstützung, um sich auf die Veränderungen einzustellen. Je größer das Unternehmen, desto umfangreicher und langwieriger ist dieser Prozess. Weiterlesen

Update Bilanzskandale: Steinhoff kann atmen – vorerst

Steinhoff kann atmen. Vorerst. Laut einer Meldung des FINANCE Magazins vom 17. Dezember 2018 haben sich die Gläubiger zur Umschuldung bereit erklärt. Damit werden Schulden in Höhe von 7,7 Milliarden Euro erst Ende 2021 fällig.

Selbst wenn dies dem angeschlagenen Unternehmen etwas Luft verschafft: Die Kuh ist damit noch lange nicht vom Eis. Die Aufklärung des Bilanzskandals zieht sich weiter hin. Noch liegen von pwc, die mit der Untersuchung beauftragt wurden, keine offiziellen Ergebnisse vor, da sich dies verzögert. So wurde vor gut einem Jahr mitgeteilt, dass bis Ende 2018 die ersten Ergebnisse vorliegen sollen.
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Serie „Bilanzskandale“: Gegenmaßnahmen durch Corporate Governance im Bereich des Vorstands

Im Bereich der Corporate Governance gibt es einige Maßnahmen, die dem Fälschen von Bilanzen entgegenwirken können. Die Möglichkeiten einzelner Bereiche des Unternehmens sollen in den folgenden Beiträgen genauer analysiert werden. Der erste Beitrag widmet sich dem Vorstand, denn die Fälle der Vergangenheit haben gezeigt: Der Fisch stinkt oft vom Kopf.

Trifft ein Vorstand Entscheidungen allein, können dadurch Manipulationen der Bilanz länger geheim gehalten werden. Ob die gemeinsame Führung und Findung von Entscheidungen dem jedoch entgegenwirken, ist generell nicht eindeutig zu beantworten. Jedoch kann das Kollegialprinzip bei der Vermeidung von Bilanzskandalen eingesetzt werden, da die gegenseitige Überwachung effizienter ist. Hier muss vor allem auch der Aufsichtsrat darauf achten, ob diese gegenseitige Kontrolle seitens der Vorstandsmitglieder auch wirklich erfolgt. Weiterlesen

Eindeutiger Widmungsakt bei Einlage ins Sonderbetriebsvermögen

Seit Jahrzehnten gab und gibt es unzählige Streitfälle hinsichtlich der Frage, ob Wertpapiere gewillkürtes Betriebs- bzw. Sonderbetriebsvermögen sein können. Diese grundsätzliche Frage soll hier nicht näher erläutert werden. Vielmehr soll das Augenmerk auf eine Entscheidung des FG Köln vom 26.04.2018 (1 K 1896/17; Rev. IV R 17/18) gelenkt werden. Danach bedarf es nämlich – bevor an sich die materiell-rechtliche Frage der Eignung als Betriebsvermögen gestellt wird – zunächst eines klaren und eindeutigen Widmungsaktes bezüglich der Einlage.

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2019: Was ich befürchte – Was ich erwarte

Zum Ende des Jahres möchte ich einen persönlichen Ausblick auf das kommende „Geschäftsjahr“ 2019 geben. Eine spannende Zeit steht uns ins Haus. Die wirklich wichtigen Themen werden dabei nicht von der Rechnungslegung getrieben, sondern führen allenfalls zu Abbildungsfolgen in der Rechnungslegung. Weiterlesen

Aufsichtsrat aktuell: Einrichtung eines Digitalisierungsausschusses im Aufsichtsrat?

Digitalisierung. Disruptive Geschäftsmodelle. Dies sind Themen, die die Aufsichtsräte deutscher Unternehmen zunehmend beschäftigen. Nimmt das Thema so viel Raum ein, dass ein eigener Digitalisierungsausschuss eingerichtet werden sollte? Lassen Sie uns darüber nachdenken.

Ausschüsse werden für Spezialthemen eingerichtet, wie bspw. der Personal-, Nominierungs-, Strategie- und der Prüfungsausschuss. Ist die Digitalisierung ein vergleichbares Spezialthema? Gerade das Thema disruptive Geschäftsmodelle findet heutzutage zunehmend Raum in Diskussionen zur Unternehmensstrategie und der Weiterentwicklung in der Zukunft. Weiterlesen

Serie „Bilanzskandale“: Gegenmaßnahmen – neue Aktionärsrechterichtlinie kommt 2019

Das ist EU: Eine EU-Richtlinie (EU 2017/828) muss in nationales Gesetz umgesetzt werden. Einer der Gründe, warum die Briten die Scheidung zu Ende März 2019 anstreben. „Aktionäre sollen mehr Macht über den Vorstand erhalten“ – „Neue Aktionärsrichtlinie verstärkt Transparenzdruck“ – Diese Schlagzeilen sorgen für die Diskussion der Gesetzesänderung in den Medien. Haben Sie Recht? Schauen wir genauer hin und betrachten einige Änderungen, die die Richtlinie mit sich bringen wird.

Zielsetzung der Richtlinie

Die Änderung zielt darauf ab, dass die Mitwirkung der Aktionäre börsennotierter Gesellschaften in den Unternehmen verbessert werden soll. Da viele Investoren nicht in Deutschland ansässig sind, sollen vor allem auch grenzüberschreitende Informationen erleichtert werden; dies gilt ebenso für die Ausübung der Aktionärsrechte. Ebenso gibt es Veränderungen bei der Regelung zum Mitspracherecht der Aktionäre beim Vorstand als auch beim Aufsichtsrat. Die Transparenz soll bei institutionellen Anlegern, Vermögensverwaltern sowie Stimmrechtsberatern verbessert werden. Weiterlesen

Goodwill – Impairment-only-Ansatz als böser Bube?

Seit vielen Jahren ist die Folgebewertung des Geschäfts- oder Firmenwertes, neudeutsch Goodwill, umstritten. Während nach deutschem Recht unverändert und früher auch nach den IFRS eine planmäßige Abschreibung erforderlich ist bzw. war, gilt in den IFRS heute der sogenannte Impairment-only-Ansatz. Danach wird der Goodwill nicht planmäßig über eine „Nutzungsdauer“ abgeschrieben, sondern muss mindestens einmal jährlich auf seine Werthaltigkeit hin überprüft werden. Ist er nicht mehr werthaltig, muss er außerplanmäßig abgeschrieben werden.

Seit einiger Zeit ist diese Folgebewertung des Goodwills im Rahmen eines sogenannten Post-implementation Reviews in der Diskussion. Der IASB beschäftigte sich hier zuletzt insbesondere mit den Fragen, ob es zusätzlicher Angaben und einer Fortentwicklung und ggf. auch Vereinfachung der Wertermittlungsvorschriften bedarf. Gerade deutsche Kommentatoren stellen immer wieder gerne den Grundansatz als solchen in Frage und treten für die Wiedereinführung der planmäßigen Abschreibung ein. Weiterlesen

Update-Bilanzskandale: Fortsetzung im Hess-Krimi folgt 2019

Gerichtliche Aufarbeitung von Bilanzskandalen zieht sich wie ein Kaugummi

Bilanzskandal bei der Hess AG? Ja, das ist schon ein paar Jahre her. Der Leuchtmittelhersteller hat seinen Sitz im „Bilanzfälscher-Land“ Baden-Württemberg, genauer gesagt in Villingen-Schwenningen im Schwarzwald. Kein schöner Rekord für „mein“ Bundesland. Die Bilanzen wurden manipuliert, um das Unternehmen attraktiv für einen Börsengang zu machen, der auch vollzogen wurde.

Das „Schminksortiment“

Neben fingierten Umsatzerlösen in Form von Scheinrechnungen wurden u.a. auch selbst erstellte Kataloge als Vermögensgegenstände aktiviert, ohne dass diese jedoch die Ansatzkriterien erfüllten. Bestehende Verbindlichkeiten wurden verschleiert und daher zu niedrig ausgewiesen. Kurzum: Die Braut wurde mit illegalen Mitteln aufgehübscht, um sowohl die Vermögens- als auch die Ertragslage besser zu präsentieren. Die Darstellung erfolgte damit nicht nah den tatsächlichen Verhältnissen der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage, wie es das HGB vorschreibt.

2019 steht laut einer Meldung des Schwarzwälder Boten vom 27. November die gerichtliche Aufarbeitung an. Der Termin für die Hauptverhandlung, die am Mannheimer Landgericht erfolgen wird, ist derzeit noch offen. Weiterlesen

Abfindung ausscheidender Gesellschafter in der Bilanz

In einem früheren Beitrag habe ich mich mit der Ermittlung des Abfindungsbetrags für einen aus der Personenhandelsgesellschaft ausscheidenden Gesellschafter befasst. Heute widme ich mich der Abbildung der Barabfindung durch die Personenhandelsgesellschaft in der Bilanz der fortgeführten Gesellschaft. Das Thema ist seit vielen Jahren umstritten und das IDW hat bei der letzten Überarbeitung seines Standards zur Bilanzierung bei Personenhandelsgesellschaften (RS HFA 7 n.F.) eine Modifikation der zuvor vertretenen Auffassung vorgenommen. Weiterlesen