Börsenweisheiten haben einen besonderen Charme. Sie verdichten komplexe betriebswirtschaftliche Zusammenhänge zu einem einzigen, eingängigen Satz. Man kann sie sich merken, weitergeben und im Zweifel sogar zustimmend nicken – selbst dann, wenn man die Hintergründe nicht im Detail durchdrungen hat. Eine besonders verbreitete Weisheit, die auch ich selbst immer wieder zitiere, lautet: „Gewinn ist Ansichtssache, Cashflow Tatsache.“ Der Satz trifft einen Nerv – auch in der Beratungspraxis. Viele Anleger, aber ebenso Aufsichtsräte, Kreditgeber oder Analysten haben erlebt, dass ausgewiesene Gewinne erstaunlich wenig über die tatsächliche wirtschaftliche Lage eines Unternehmens verraten. Gesellschaften mit ordentlichen Ergebnissen geraten plötzlich in Liquiditätsschwierigkeiten. Andere Unternehmen zeigen...
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Der Abschlussprüfer wird von der Hauptversammlung gewählt – so sieht es die Corporate-Governance-Routine vor. Doch was passiert, wenn der gewählte Prüfer das Mandat nicht annimmt? Bei Cherry musste schließlich ein Gericht entscheiden. Ein seltener Vorgang, der mehr Fragen aufwirft, als er beantwortet. Vom gewählten Prüfer zur gerichtlichen Bestellung Am 11. November 2025 teilte die Cherry SE mit, dass der von der Hauptversammlung gewählte Abschlussprüfer RSM Ebner Stolz für das Geschäftsjahr 2025 nicht zur Verfügung steht. Die Gesellschaft kündigte daraufhin an, die gerichtliche Bestellung eines neuen Abschlussprüfers zu beantragen und Gespräche mit anderen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften zu führen. Am 21. Januar 2026 wurde...
Jahre nach der Greensill-Insolvenz verhängt die APAS ein Prüfungsverbot gegen zwei beteiligte Wirtschaftsprüfer. Der Fall zeigt, dass Pflichtverstöße in der Abschlussprüfung Konsequenzen haben können – wirft aber zugleich die Frage auf, ob die Prüferaufsicht personell stark genug ist, um künftige Risiken frühzeitig zu erkennen. Was hinter dem Prüfungsverbot steckt Zwei Wirtschaftsprüfer der Prüferfirma RSM Ebner Stolz dürfen für eine bestimmte Zeit keine gesetzlich vorgeschriebenen Abschlussprüfungen bei Unternehmen von öffentlichem Interesse durchführen. Hintergrund ist die Insolvenz der Greensill Bank im Jahr 2021 sowie ein langes Aufsichtsverfahren der APAS, das Anfang 2026 mit Sanktionen abgeschlossen wurde. Die Aufsicht bemängelte unter anderem, dass...
Warum ausgerechnet Volkswagen 2025 mit 6 Mrd. € Liquidität überrascht – und weshalb das kein Grund zur Entwarnung sein muss. Volkswagen hatte für 2025 im Automotive-Bereich mit einem Netto-Cashflow nahe null gerechnet. Nun stehen vorläufig rund 6 Mrd. € im Raum – deutlich mehr Liquidität als erwartet. Klingt nach einer guten Nachricht. Oder nach einem Warnsignal mit System. Cashflow-Überraschung mit Beigeschmack – was ist passiert? Die Abweichung ist erheblich: Noch im Herbst 2025 ging der Konzern von einem Netto-Cashflow um die Nulllinie aus. Tatsächlich wurden vorläufig rund 6 Mrd. € erreicht, während die Nettoliquidität auf über 34 Mrd. € stieg...
Wirecard ist bald sechs Jahre her – doch echte Entwarnung sieht anders aus. Während der deutsche Kapitalmarkt weiterhin um Vertrauen ringt, steht ausgerechnet die Abschlussprüferaufsicht (APAS) erneut im Fokus: Ende Januar berichtete die FAZ, dass der Behörde Stellen gestrichen werden könnten. Das wäre mehr als nur eine interne Personalfrage – es wäre ein schlechtes Signal an Anleger, Prüfer und den Markt insgesamt. Ein Blick in den Maschinenraum der APAS Im Jahresbericht 2024 auf Seite 4 informierte die APAS über ihre Personalsituation wie folgt: „Die Personalsituation der APAS ist weiterhin von Knappheit geprägt. Seit ihrer Gründung konnten bislangnie auch nur annähernd...
Die Konzern-GuV der Vivanco Gruppe GmbH (vormals: Vivanco Gruppe AG) für 2023 zeigt auf den ersten Blick nur einen kleinen Verlust – doch hinter den Zahlen steckt ein Schönrechnungs-Trick mit latenten Steuern. Die BaFin hat den Ansatz kritisiert. Ich erkläre, was genau passiert ist und warum für Anleger am Ende nur der Cashflow zählt. Was die BaFin moniert hat In der Konzern-GuV für 2023 sieht der Verlust auf den ersten Blick besser aus, als er tatsächlich war. Die ausgewiesenen 3,4 Mio. Euro lagen um 2,6 Mio. Euro zu niedrig. Der Grund: Auf steuerliche Verlustvorträge wurden aktive latente Steuern von 2,0...
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