Prüferverbot nach Greensill – Signal der Stärke oder Warnzeichen?

Jahre nach der Greensill-Insolvenz verhängt die APAS ein Prüfungsverbot gegen zwei beteiligte Wirtschaftsprüfer. Der Fall zeigt, dass Pflichtverstöße in der Abschlussprüfung Konsequenzen haben können – wirft aber zugleich die Frage auf, ob die Prüferaufsicht personell stark genug ist, um künftige Risiken frühzeitig zu erkennen.

Was hinter dem Prüfungsverbot steckt

Zwei Wirtschaftsprüfer der Prüferfirma RSM Ebner Stolz dürfen für eine bestimmte Zeit keine gesetzlich vorgeschriebenen Abschlussprüfungen bei Unternehmen von öffentlichem Interesse durchführen. Hintergrund ist die Insolvenz der Greensill Bank im Jahr 2021 sowie ein langes Aufsichtsverfahren der APAS, das Anfang 2026 mit Sanktionen abgeschlossen wurde. Die Aufsicht bemängelte unter anderem, dass der Bestätigungsvermerk zur Greensill-Bilanz 2019 nicht den Anforderungen von Handelsgesetzbuch und EU-Prüfungsregeln entsprach.

Wichtig dabei: Das Prüfungsverbot richtet sich nur gegen die beiden Prüfer persönlich – nicht gegen die gesamte Prüfungsgesellschaft. Die Maßnahmen sind zeitlich befristet, wobei in einem Fall noch eine endgültige Entscheidung aussteht. Insgesamt zeigt der Vorgang, wie ernst die Aufsicht mögliche Pflichtverstöße nimmt, insbesondere weil seit dem Greensill-Zusammenbruch 2021 das Vertrauen in Abschlussprüfungen besonders sensibel ist.

Und mein Senf dazu

Der Fall Greensill zeigt einmal mehr, wie wichtig eine wirksame Prüferaufsicht für das Vertrauen in Rechnungslegung und Kapitalmarkt ist. Umso bedauerlicher wirkt es, dass ausgerechnet die APAS weiterhin unter Personalknappheit leidet und sogar über Kürzungen gesprochen wird. Prävention entsteht nicht erst im Skandal, sondern durch konsequente Aufsicht davor – auch wenn ihre Wirkung oft unsichtbar bleibt. Wird hier geschwächt, steigt das Risiko späterer Vertrauensverluste mit potenziell erheblichen finanziellen und reputativen Folgen.

Der Blick nach vorn ist deshalb entscheidend: Der nächste Skandal wird kommen – nur Zeitpunkt und Auslöser sind offen. Ob der Kapitalmarkt dann widerstandsfähiger ist als zu Wirecard- oder Greensill-Zeiten, hängt auch davon ab, wie ernst Prävention heute genommen wird. Eine starke Prüferaufsicht kostet Geld. Eine schwache kann sehr viel teurer werden.


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Ein Beitrag von:

  • Dr. Carola Rinker

    • Vertretungsprofessorin an der DHBW Lörrach im Studiengang BWL (Finanzdienstleistungen)
    • Diplom-Volkswirtin
    • Fachbuchautorin und Referentin mit dem Schwerpunkt Bilanzanalyse, Bilanzkosmetik und Bilanzforensik
    • Sachverständige im Parlamentarischen Untersuchungsausschuss des Deutschen Bundestages zum Wirecard-Skandal
    • Anhörung im Finanzausschuss zum Finanzmarktintegritätsstärkungsgesetz (FISG)
    • Besuchen Sie mein Profil auf LinkedIn

    Warum blogge ich hier?
    Aus Interesse an den Themen. Aus Spaß. Aus Netzwerk-Gründen. Als Ergänzung zu meiner Arbeit als Unternehmensberaterin und meinen Lehrveranstaltungen ist das Bloggen wunderbar geeignet. Ein Blog bietet die Möglichkeit, sich in einzelne Themen zu vertiefen – und sich anschließend mit Lesern darüber auszutauschen. Da jedes Jahr neue Jahresabschlüsse von Unternehmen vorgelegt werden und sich die Regeln der Bilanzierung ständig ändern, wird mir der Stoff nie ausgehen.

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