Steuerberater und die Betriebswirtschaft – warum wird dieses Geschäftsfeld vernachlässigt?

Selbstwahrnehmung und die Realitäten…

„Steuerberater sind die kompetenten Partner des Mittelstands, auch in betriebswirtschaftlichen Fragen“ und „…eine optimale steuerliche Lösung ohne betriebswirtschaftliche Beratung ist kaum vorstellbar“ – sagen BStBK und DStV.

Schaut man sich aber die Entwicklung der Umsätze der Kanzleien aus betriebswirtschaftlicher Beratung dazu an, so ist der Umsatzanteil von gerade Mal von 2 % auf 4,2 % gestiegen (Quelle: Umfragen der  Bundessteuerberaterkammer Stax 2012/Stax 2015).

Der gestiegene Umsatzanteil ist sicher noch kein Erfolg, sondern eher ein kleiner Schritt. Unternehmerisch gesehen bedeutet das auch, dass die Kanzleien eine Marktchance weitgehend ignorieren.

Der Berufsstand ist noch in einer komfortablen Position, denn er ist mit seinen „steuerrechtlichen Aufgaben“ gut beschäftigt. Da bleibt nicht viel Zeit für weitere Beratungsaufgaben, auch wenn Mandanten schon mal danach fragen. Das Geschäftsmodell könnte vereinfacht gesagt heißen: „halt mir das Finanzamt vom Leibe!“.

Schaut man in die Zukunft, dann verändern sich die Rahmenbedingungen für den Berufsstand dramatisch! Vorbehaltsaufgaben und Geschäftsfelder verändern sich oder fallen im Zuge der Digitalisierung einfach weg. Stichworte sind hier E-Government, Digitalisierung und rückläufige Mandantenzahlen durch verschärften Wettbewerb. Ein Grund mehr neue Betätigungsfelder zu entdecken und auszubauen – eben die Betriebswirtschaftliche Beratung. Sie ist ohnehin schon jetzt für eine ganzheitliche Beratung unverzichtbar, auch wenn sie keine Vorbehaltsaufgabe ist.

Der Steuerberater hat die meisten Daten für die betriebswirtschaftliche Beratung, verfügt aufgrund seiner Ausbildung und Erfahrung über das notwendige Know-how und er genießt auch das Vertrauen seiner Mandanten. Eine ideale Basis für den Steuerberater, um ein erfolgversprechendes Geschäftsfeld auf- und auszubauen!

Das führt zwangsläufig zu der Frage: Warum bieten so wenige Kanzleien eine unterjährige betriebswirtschaftliche Begleitung an? Hierzu zähle ich nicht  das Versenden der BWA an den Mandanten, auch wenn sie in bestimmten Zeitabständen besprochen wird. Auch nicht „Betriebswirtschaft on Demand“. Ich spreche hier von einer unterjährigen, laufenden Begleitung im Alltag.

Das Geschäftsfeld „Betriebswirtschaftliche Beratung für KMU im Mittelstand“

Die Zielgruppe „kleinerer Mittelstand mit < 10 Mitarbeitern“ sollte man hinsichtlich ihrer Bedeutung nicht unterschätzen, denn er ist mit mehr als drei Millionen Unternehmen (Statista 2015) auch ein „attraktives Geschäftsfeld“ mit einem guten Umsatzpotenzial.

Welche Werkzeuge gibt es denn da für eine betriebswirtschaftliche Begleitung? Standard ist die gute alte BWA, 1966 entwickelt von der Datev, und sie hält sich tapfer! Oder eher hartnäckig … Und sie hat ja auch ihre Fans.

Dann gibt es noch den Jahresabschluss. Der kommt zwar gerade bei kleineren Unternehmen  meist ein bis zwei Jahre später „auf dem Tisch“. Das hat mal jemand mit „Autofahren bei ständigen Blick in den Rückspiegel“ verglichen. Nicht ungefährlich

Für eine Steuerberatungskanzlei bietet sich in erster Linie eine „am Rechnungswesen orientierte betriebswirtschaftliche Beratung“ an, mit Erfolgs- und Finanzplanung und einem externen Controlling.

Der erste Schritt in die betriebswirtschaftliche Beratung des Mandanten ist eine Bestandsaufnahme, die diesem eine strukturierte Information zur aktuellen Situation des Unternehmens gibt. Werkzeuge dazu sind u.a. Bilanz- und SWOT-Analyse.

So sind erste Frühwarnsignale erkennbar und der Mandant wird für eine Begleitung und Unterstützung in der Unternehmensführung durch Lösungen – hier vorzugsweise ein  „Finanz-Controlling“ – sensibilisiert.

In der Beratung bereits erprobte Instrumente für eine „begleitende Beratung“ sind: Ertrags – und Liquiditätsplanung mit Soll – Ist-Vergleich, Quick Test (nach Kralicek, Wien), Jahresabschluss-Analyse um die wichtigsten zu nennen. Ein einfaches Frühwarnsystem mit hohem Nutzen für den Mandanten.

Controlling für KMU‘s

Bei kleinen mittelständischen Unternehmen (KMU’s) wird der Einsatz von  Controlling-Werkzeugen sehr unterschiedlich und oft unvollständig gehandhabt. Zeitmangel hindert den Unternehmer, sich mit dem Thema „Controlling“ intensiv zu befassen. Die Notwendigkeit betrieblicher Steuerungsprozesse ist hier bekannt doch es fehlt es oft an passenden, auf diese Zielgruppe zugeschnittenen Lösungen. Und da häufig beim Unternehmer das betriebswirtschaftliche Wissen fehlt, geht der Nutzen – ohne Begleitung durch den Berater – verloren.

Strategie für KMU`s

Eine Strategie, die alle Details der Unternehmensführung berücksichtigt brauchen Steuerberater und Mandant gleichermaßen. Mit einem ersten Schritt werden die persönlichen und unternehmerischen Ziele festgelegt, denn nur so ist klar wohin das Unternehmen steuert, welches Ziel erreicht werden soll.

Der nächste Schritt ist eine Strategie zu entwickeln mit der die Ziele erreicht werden können. Dann folgt die Planung, denn sie ist das Instrument, mit dem der Erfolg der Strategie gemessen wird.  Das Unternehmen ohne Ziele, Strategie und darauf aufbauender Planung zu führen ist fahrlässig, denn eine Ertrags- und Finanzplanung mit Soll- Ist- Vergleich  ist Grundlage für eine fundierte Zielkontrolle.

Die Liquiditätsplanung als Teil der Finanzplanung stellt sicher, dass Liquiditätsengpässe frühzeitig erkannt werden. Denn das „beste Geschäft“ ist keines, wenn die Liquidität fehlt.

Die Unterstützung der unternehmerischen Entscheidungen im Alltag mit betriebswirtschaftlichen Lösungen bedeutet Nutzen und nochmal Nutzen für den Unternehmer! Als Beispiele seien genannt:

  • die Gefahr von Fehlentscheidungen verringert sich und das Unternehmen lässt sich mit einfachsten Mitteln zielorientiert steuern
  • Rentabilität und Liquidität behält der Unternehmer damit „im Griff“
  • und so entsteht ein exzellentes, einfaches Frühwarnsystem im Unternehmen

Abgebildet werden die Analysen mit einem Report bzw. einem „Krisen-Cockpit“, das den aktuellen und künftigen geplanten Geschäftsverlauf darstellt und kritisch hinterfragt.

Letztendlich ist ein Werkzeug, ein „Finanz – Kennzahlen-System“ verfügbar, mit dem die „finanzielle Mobilität“ und der operative Erfolg des Unternehmens beurteilt werden können.

Wer sind die „Mitbewerber“?

Der Unternehmensberater: Dieser muss sich das Vertrauen seiner Auftraggeber erst einmal verdienen. Er und sein Dienstleistungsangebot sind die naheliegende Lösung, wenn der Steuerberater seinem Mandanten keine unterjährig laufende betriebswirtschaftliche Beratung anbietet. Dann ist für den Steuerberater der „Auftrag weg“.

Die Hausbank: Hier gab bzw. gibt es ja schon erste Versuche, den Bankkunden auch betriebswirtschaftlich zu beraten. Warum nicht, wenn sonst niemand eine passende Beratungslösung anbietet, ist das besser als nichts!

Überlegungen zur Zukunft für Steuerberater und Mandanten gleichermaßen

Ein vorsichtiger Blick nach vorn zeigt, dass die Kanzleien noch viel Geschäft „ungenutzt  liegen lassen“. Controlling-Service für KMU‘s, diese Dienstleistung wird an Bedeutung gewinnen! Ein Lösungsansatz in drei Schritten:

Schritt 1

Es ist gemeinsame Aufgabe von Berater und Hausbank „ihn“, den Unternehmer, vom Nutzen einer unterjährig laufenden betriebswirtschaftlichen Beratung zu überzeugen. Informationen zu Ertrag, Liquidität, Produktivität und Aussagen dazu wo das Unternehmen aktuell steht sind ein einfach zu realisierendes aber wichtiges Frühwarnsystem für jedes Unternehmen.

Und der Nutzen für den Unternehmer liegt auf der Hand:

  • mehr Sicherheit durch betriebswirtschaftliche Unterstützung bei Entscheidungen im Alltag
  • ein einfach zu nutzendes Frühwarnsystem, das kritische Entwicklungen frühzeitig aufzeigt
  • eine Basis für Handlungsempfehlungen, die in Zusammenarbeit mit dem Berater ausgearbeitet und umgesetzt werden

Schritt 2

Ziel ist der monatliche Überblick über die wirtschaftliche Entwicklung des Unternehmens. Und spätestens da muss klar sein, was die BWA nicht leisten kann. Sie gibt Informationen zur Ertragslage, kann aber zu Produktivität und Liquidität keine Aussagen liefern.

Und wie gebucht wurde muss bekannt sein denn auch die BWA kann nur so gut sein ihre Datenbasis. Die wichtigsten Punkte sind hier Bestandsveränderung der Vorräte und Abschreibungen auf das Anlagevermögen. Diese Positionen müssen auch unterjährig gebucht werden, erst dann machen die Aussagen der BWA Sinn.

Schritt 3

Der Unternehmer muss über seinen  „Sparsamkeits- Schatten“ springen und für qualifizierte Beratung mit Nutzen auch etwas bezahlen.

Eine brauchbare Beratungslösung für die Zielgruppe „kleinerer Mittelstand“ sollte folgende Voraussetzungen mitbringen:

  • Einen Preis den auch der kleine Unternehmer bezahlen kann.
  • Reports mit für den Unternehmer verständlichen Aussagen.
  • Der Berater darf den Unternehmer mit den monatlichen Analysen und Reports nicht allein lassen

Zusammenfassung: die skizzierte Lösung hat also die folgenden Zutaten:

  • den  „Unternehmermandanten“ vom Nutzen einer unterjährig laufenden „betriebswirtschaftlichen Unterstützung“ im Alltag überzeugen
  • ein dazu passendes „Beratungstool“ einsetzen
  • Mitarbeiter hierfür ausbilden und qualifizieren
  • zur Erstellung von Analysen und Reports für die Beratung Kooperationen  mit anderen Dienstleistern eingehen

Fazit:

Nein, ich bin nicht zufrieden mit den Informationen, die kleinere Unternehmen unterjährig aktuell zur Verfügung haben. Es gibt noch reichlich Luft nach oben, von dem ein starker und gut informierte Mittelstand, den wir ja alle wollen, profitiert.

Seien wir gespannt, ob sich vielleicht schon etwas getan hat, denn momentan läuft die STAX-Erhebung 2018. Vielleicht reden wir dann nicht mehr über die eingangs erwähnten 4,2 % Umsatzanteil betriebswirtschaftlicher Beratung.

 

 

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