APAS, DPR und Co: Der Stress mit dem Goodwill geht erst los

Die Party könnte wegen Corona bald vorbei sein

Der Goodwill ist ein Dauerbrenner – vor allem in diesem Jahr: Während der Diskussion der Wiedereinführung der planmäßigen Abschreibung des Goodwills hat Corona für Ärger gesorgt, denn je schlimmer die Wirtschaftskrise wird, desto eher drohen außerplanmäßige Abschreibungen des Goodwills, zumindest nach IFRS. Die Bilanzen der DAX-Konzerne wurden seit 2004 ordentlich aufgepumpt: Wegfall der planmäßigen Abschreibung des Goodwills, langanhaltende Niedrigzinsphase und Shopping von Unternehmen.

Goodwill immer wieder auf der Agenda

Der Goodwill steht immer wieder auf der Agenda bei der Prüfung: So ist er nicht nur einer der häufigsten Key Audit Matters bei den Abschlussprüfungen. Auch die APAS (Abschlussprüferaufsichtsstelle) und die DPR (Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung) haben die Werthaltigkeit des Goodwills immer wieder als Prüfungsschwerpunkt festgelegt. So auch in diesem Jahr.

Im Zuge des Bilanzskandals des (Noch-)DAX-Konzerns Wirecard ist auch die APAS in die Kritik geraten. Anders als die DPR ist die APAS eine staatliche Institution und kein privater Verein. Die Behörde ist allerdings noch sehr jung und befindet sich erst im Aufbau. EY hat nun Stress mit der APAS, denn sie ist sozusagen der Prüfer der Abschlussprüfer.

Die Bilanzpolizei (DPR) hat seit ihrer Gründung jährlich einen Tätigkeitsbericht veröffentlicht. Daraus wird ersichtlich: Die meisten Fehler werden bei der Bilanzierung und Bewertung des Goodwills gemacht. Bereits Anfang dieses Jahres hatte Bastei Lübbe Stress mit der Bilanzpolizei und musste entsprechende Korrekturen vornehmen. Fälle wie bei Axel Springer gibt es eher selten. Das Verlagshaus hatte gegen die Fehlerfeststellung der Bilanzpolizei geklagt und Recht bekommen.

Was den Unternehmen droht

Für viele Unternehmen ist die Corona-Krise ein sog. Triggering Event, dass einen Werthaltigkeitstest erforderlich macht. Wenn mit einer langanhaltenden Wirtschaftskrise gerechnet werden muss, sind außerplanmäßige Abschreibungen immer wahrscheinlicher. Je höher die Abschreibungen, desto mehr Luft wird aus den Bilanzen gelassen. Desto geringer der Gewinn bzw. desto höher der Verlust. Es könnte übel werden, sehr übel. Die langanhaltende Niedrigzinspolitik, die die Shopping-Touren von Unternehmen günstig gemacht haben, haben in den letzten Jahren einen weiteren Schub gegeben.

Abmilderung möglich? Ja, durch die Wiedereinführung der planmäßigen Abschreibung. Da das Thema bei der APAS und bei der DPR in diesem Jahr auf der Agenda steht, zeigt sich: Die Sorgen sind vorhanden. Nicht nur bei der Bilanzpolizei als privatem Verein, auch die staatliche Behörde will sich die Werthaltigkeit des Goodwills näher anschauen.

Fazit:

Die Party ist vermutlich bald vorbei. Wir sollten uns für den Morgen danach rüsten.

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