Serie Beurteilung der Arbeit des Abschlussprüfers – Best-of der Qualitätsindikatoren

Es gibt eine Vielzahl von Indikatoren, die für die Beurteilung der Arbeit des Abschlussprüfers entwickelt wurden. Die Herausforderungen bestehen darin, die Indikatoren präzise messbar zu machen. Denn nur dann kann auch tatsächlich eine Beurteilung der Arbeit des Abschlussprüfers erfolgen. Auch werden erste Erfahrungen zeigen, welche Schwierigkeiten sich bei der Umsetzung in der Praxis ergeben.

Die entscheidende Frage bei den Indikatoren zur Qualitätsbeurteilung ist, ob diese sich auf die Prüfungsgesellschaft oder das Prüfungsteam bezieht. So ist davon auszugehen, dass es zwischen diesen beiden Größen Wechselwirkungen geben wird. Auch hier wird die Praxis erst noch zeigen, welche Vorgehensweise aussagekräftig sein wird.

Einteilung der Qualitätsindikatoren

Die Grundstruktur der Indikatoren verschiedener Kriterienkataloge geht in der Regel prozessorientiert vor. So gibt es die folgenden Kategorien, in die die Kriterien eingeteilt werden:

  1. Input-orientierte Qualitätskriterien
  2. Prozessual-orientierte Qualitätskriterien
  3. Output-orientierte Qualitätskriterien

Eine weitere Kategorie ist das Prüfungsumfeld. Auf diese wird in diesem Beitrag jedoch nicht näher eingegangen.

In der Kategorie Input-orientierte Qualitätskriterien werden beispielsweise die folgenden Kriterien herangezogen:

  • Kompetenz bzw. Erfahrung des Prüfungsteams
  • Einbindung des verantwortlichen Prüfungspartners
  • Verfügbarkeit des Prüfungsteams
  • Branchenkenntnisse
  • Arbeitsbelastung des Prüfungsteams
  • Unabhängigkeit
  • Nutzung digitale Prüfungstools

Diese Kriterien scheinen auf den ersten Blick sehr einleuchtend zu sein. Es stellt sich allerdings die Frage, inwieweit diese Kriterien gemessen werden können. Genauer gesagt stellt sich die Frage, welche Arbeitsbelastung des Prüfungsteams noch als „im Rahmen“ befunden werden kann. Es ist bekannt, dass während der Busy Season die Arbeitsbelastung von Wirtschaftsprüfern besonders hoch ist. Dieses Beispiel macht bereits deutlich, welche Herausforderungen die Beurteilung der Arbeit des Abschlussprüfers mit sich bringt. Denn neben der Festlegung von Grenzen, müssen die entsprechenden Daten auch verfügbar sein. Eine Best-Practice der Operationalisierung wird sich hier erst noch herauskristallisieren.

Als Kriterien der prozessual-orientierten Qualitätsindikatoren können beispielsweise die folgenden herangezogen werden:

  • Prüfungsplanung
  • Prüfungsschwerpunkte
  • Fraud-Prüfung
  • Prüfung Kontrollsysteme
  • Qualitätssicherung der Prüfungsgesellschaft

Auch hier ergibt sich die Problematik der Operationalisierung. Bei einer Fraud-Prüfung stellt sich beispielsweise die Frage, welche Kriterien für die Durchführung erfüllt sein müssen. Es wäre nicht zielführend, wenn bei jeder Abschlussprüfung auch eine separate Fraud-Prüfung erfolgen müsste. Dies würde nicht nur alle Unternehmen unter Generalverdacht stellen, sondern trotz höherer Kosten vermutlich nur in seltenen Fällen den gewünschten Mehrwert an Informationen liefern. Daher sollten dafür Kriterien festgelegt werden, in welchen Fällen der Abschlussprüfer eine Fraud-Prüfung durchführen muss. Zudem stellt sich die Frage, inwieweit der Prüfungsausschuss einen Bericht über die Beurteilung der Qualität des Abschlussprüfers verfassen muss. Die Frage, die sich daran anschließt, betrifft die Veröffentlichung dieses Berichtes. Auch darüber sollte noch diskutiert werden.

Bei den Output-orientierten Qualitätskriterien kann der Prüfungsausschuss zum Beispiel die folgenden Kriterien heranziehen:

  • Ausmaß an Bilanzpolitik
  • Prüfungsbericht
  • Inspektionen Wirtschaftsprüferkammer
  • Testat

Hier stellen sich die gleichen Herausforderungen wie bei den anderen beiden Kategorien bereits beschrieben. Eines ist sicher: Es gibt noch einiges zu diskutieren. Damit diese Diskussionen nicht zu theoretisch werden, bedarf es der Zusammenarbeit mit der Praxis. Die ersten Praxiserfahrungen können hilfreich sein, die Operationalisierbarkeit der Kriterien zu erreichen. Darüber hinaus sind noch einige Fragen zu klären, damit die Mehrarbeit des Prüfungsausschusses nicht nur einen Bericht für die Ablage produziert.

Lesen Sie Mitte Oktober, welche Erkenntnisse es bereits aus empirischen Studien gibt.

 

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