Serie „Bilanzkosmetik“: Karriereende für die geschönten Kennzahlen?

So. Nun wie versprochen zum IASB. Das Board möchte die Karriere der geschönten Kennzahlen ändern. So zumindest der Plan. So weit so gut. Und wie sieht der Zeitplan aus? Ja, vielleicht etwas kleinkariert. Solche Projekte sind auch nicht ohne. Aber dazu später noch einmal.

Im Herbst letzten Jahres wurde das Thema des Wildwuchses der Kennzahlen bei IASB diskutiert. Laut Aussage des IASB-Chefs Hans Hoogervorst soll die Karriere der geschönten Kennzahlen beendet werden. Das Gremium möchte aktiv werden, damit die bisher von den Unternehmen selbst festgelegten Definitionen klar geregelt werden. Mal ganz ehrlich: Wo kommen wir denn dahin, wen sich jeder die Begriffe so definiert, wie er sie gerade gebrauchen kann?

Seitens des IASBs wird geprüft, ob bestimmte Begriffe wie beispielsweise EBIT oder operativer Gewinn definiert werden sollen. Interessant: Solche doch für Investoren wichtigen Kennzahlen kann ein Unternehmen frei nach Belieben definieren?

Das ist nicht so harmlos wie der Name, unter dem das Projekt läuft: Better Communication. Doch dabei handelt es sich doch um mehr als nur ein Kommunikationsproblem, oder? Ich will mich nicht weiter über Better Communication auslassen. Dazu finden Sie eine Pro-Contra-Betrachtung in der Zeitschrift „Praxis der Internationalen Rechnungslegung“ (PiR 12/2016 Seite 351).

Die Überlegungen seitens des IABS stehen noch ganz am Anfang. Nun, dann läuft die Karriere der Kennzahlen wohl noch etwas weiter. Die Unternehmen wird das keinesfalls stören. Denn schließlich profitieren sie davon – zumindest noch. Erst wenn sie am Kapitalmarkt „bestraft“ werden, reagieren sie „freiwillig“.

Wie war das noch mit der Vergleichbarkeit? Die Abschlussadressaten müssen ebenfalls die Abschlüsse verschiedener Unternehmen vergleichen können, um die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage der Unternehmen sowie deren Veränderungen beurteilen zu können. So steht es in Paragraph 39 des Rahmenkonzeptes. Mit dem Kennzahlen-Wildwuchs wird aber doch genau diese Vergleichbarkeit für die Adressaten erschwert bzw. erst gar nicht möglich. Stört das den niemand? Offensichtlich nicht so sehr, als dass jemand schnell aktiv werden würde.

Also liebes Gremium: Her mit dem Zeitplan und los geht’s! Auch wenn ich zugeben muss: Sich selbst mit einem Zeitplan zu zwingen, ein Projekt endlich abzuschließen bzw. anzugehen ist leichter als es in einem großen internationalen Team ist. Danach habt ihr Zeit, euch mit einem weiteren Thema auseinanderzusetzen: Der Luft in den Bilanzen. Lesen Sie dazu mehr Anfang Juni.

Lesen Sie hierzu auch:

Haaker/Freiberg, Better Communication?, PiR 12/2016 S. 351

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