Autor: Dr. Carola Rinker
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Vor Kurzem ist mir bei einem Unternehmen aus der Immobilienbranche eine Änderung aufgefallen, die auf den ersten Blick recht technisch wirkt: Die Konzernrechnungslegung wurde von IFRS auf HGB umgestellt. Der Anlass war nachvollziehbar. Bilanzanalytisch ist der Vorgang dennoch bemerkenswert, denn gerade bei Immobilienunternehmen verändert sich mit dem Wechsel des Rechnungslegungsregimes eine zentrale Größe: die Bewertung des Immobilienvermögens. Das ist besonders interessant in einer Phase, in der Immobilienwerte und Finanzierungskosten ohnehin genau beobachtet werden müssen. Schauen wir uns das Ganze etwas genauer an. IAS 40: Marktwertänderungen werden unmittelbar sichtbar Bei als Finanzinvestition gehaltenen Immobilien erlaubt IAS 40 nach der erstmaligen Erfassung...
Ab dem 1. Januar 2027 gilt IFRS 18 „Darstellung und Angaben im Abschluss“. Der neue Standard ersetzt IAS 1 und bringt vor allem für die Gewinn- und Verlustrechnung Veränderungen mit sich. Ziel ist eine stärker strukturierte und besser vergleichbare Darstellung der Unternehmensleistung. Doch sorgt eine neue Struktur automatisch für mehr Vergleichbarkeit? Warum überhaupt ein neuer Standard? Bislang lässt IAS 1 Unternehmen vergleichsweise viel Spielraum bei der Darstellung ihrer Gewinn- und Verlustrechnung. Zwar sind bestimmte Positionen vorgeschrieben, zentrale Zwischensummen wie ein operatives Ergebnis sind jedoch nicht einheitlich definiert. Das zeigt sich in der Praxis beispielsweise beim EBIT oder beim operativen Ergebnis....
Warum auch Verluste bei Immobilienkonzernen einen zweiten Blick verdienen Im letzten Beitrag ging es um steigende Immobilienwerte: Am Beispiel Vonovia zeigte sich, wie Bewertungsgewinne das Ergebnis kräftig erhöhen können, ohne gleichzeitig Geld in die Kasse zu bringen. Doch die Logik funktioniert auch in die andere Richtung. Das zeigt aktuell die Deutsche Konsum Real Estate AG (DKR): Die Immobilienwerte sinken, das Unternehmen schreibt rote Zahlen – und dennoch entwickelt sich der operative Cashflow positiv. Wenn sinkende Immobilienwerte den Verlust treiben Bei Immobilienkonzernen kann nicht nur ein steigender Gewinn wesentlich durch die Bewertung des Immobilienbestands geprägt sein. Die gleiche Mechanik funktioniert auch...
Steigende Immobilienwerte sorgen bei Immobilienkonzernen wieder für Rückenwind in der Gewinn- und Verlustrechnung. Das zeigt aktuell das Beispiel Vonovia. Doch Bewertungsgewinne sind noch keine Liquidität – und gerade in einer kapitalintensiven Branche lohnt zusätzlich der Blick auf die tatsächlich gezahlten Zinsen. Die Immobilienwerte steigen wieder Die gestiegenen Zinsen hatten Immobilienkonzerne in den vergangenen Jahren gleich mehrfach belastet: Die Finanzierung wurde teurer, gleichzeitig führten sinkende Immobilienwerte teilweise zu erheblichen Bewertungsverlusten. Nun dreht sich das Bild zumindest teilweise wieder – steigende Immobilienwerte sorgen wieder für Bewertungsgewinne und treiben damit die Konzernergebnisse nach oben. Das zeigt aktuell Vonovia. Im ersten Halbjahr 2026 erzielte...
Warum eine wertvolle Immobilie noch lange keinen wertvollen Unternehmensanteil macht Eine Immobilie kann Millionen wert sein – und der Anteil an der Gesellschaft, der sie gehört, kann trotzdem kaum etwas wert sein. Was zunächst widersprüchlich klingt, lässt sich mit einem Blick auf die Bilanz schnell erklären. Denn Vermögenswert, Unternehmenswert und Anteilswert sind drei verschiedene Dinge. Gerade bei stark fremdfinanzierten Unternehmen kann dieser Unterschied gewaltig sein. Millionen auf der Aktivseite – also alles bestens? Immobilien im dreistelligen Millionenbereich, wertvolle Beteiligungen oder ein großer Maschinenpark: Wer solche Positionen auf der Aktivseite einer Bilanz entdeckt, könnte zunächst meinen, ein Unternehmen verfüge über erhebliche...
Warum die kritische Grundhaltung des Wirtschaftsprüfers wichtiger denn je wird Künstliche Intelligenz hält Einzug in die Abschlussprüfung. Die großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften investieren derzeit Milliardenbeträge in KI-Systeme und sogenannte KI-Agenten, die künftig einzelne Prüfungshandlungen eigenständig übernehmen sollen. Belege abgleichen, Dokumente auswerten oder Auffälligkeiten identifizieren – vieles, was bislang von Berufseinsteigern erledigt wurde, soll künftig automatisiert erfolgen. Das klingt nach einer Revolution. Tatsächlich verändert sich die Abschlussprüfung grundlegend. Wer daraus jedoch den Schluss zieht, dass der Wirtschaftsprüfer künftig weniger Verantwortung trägt, irrt. Meines Erachtens passiert sogar das Gegenteil. Routinearbeiten werden automatisiert Die Vorteile liegen auf der Hand. KI kann innerhalb weniger Minuten Millionen...
Wer Nachhaltigkeitsberichte liest, gewinnt häufig den Eindruck, Unternehmen befänden sich auf einem nahezu perfekten Transformationspfad. Die CO₂-Emissionen sinken, soziale Projekte werden ausgebaut und Nachhaltigkeitsziele konsequent verfolgt. So einfach ist die Realität jedoch selten. Wie bei der klassischen Finanzberichterstattung stellt sich auch hier die Frage, ob die dargestellten Informationen ein ausgewogenes Bild vermitteln – oder ob vor allem die positiven Aspekte im Vordergrund stehen. Denn Greenwashing beginnt selten mit einer Lüge. Nicht jede Schönfärberei ist eine Lüge Wenn über Greenwashing diskutiert wird, denken viele an bewusst falsche Angaben oder erfundene Nachhaltigkeitsleistungen. Solche Fälle kommen vor. Sie sind jedoch vergleichsweise selten. In...
Was der Fall Delivery Hero über Goodwill und Werthaltigkeit verrät Die Geschichte von Delivery Hero wirkt wie eine klassische Wachstumsgeschichte: rasante Expansion, milliardenschwere Übernahmen und schließlich der Aufstieg in den DAX. Heute steht dagegen die geplante Übernahme durch Uber im Mittelpunkt. Diskutiert wird über Strategie, Managementfehler und den Vertrauensverlust am Kapitalmarkt. Aus Sicht der Rechnungslegung ist jedoch anhand dieses beispielhaften Falls vor allem eine andere Frage spannend: Was verrät der Goodwill über die Entwicklung eines Unternehmens? Der Goodwill bildet Erwartungen ab Kaum ein Bilanzposten wird so häufig missverstanden wie der Geschäfts- oder Firmenwert. Nicht selten wird ein hoher Goodwill pauschal...
Investoren, Banken, Analysten und Aufsichtsräte verlangen zunehmend messbare Nachhaltigkeitsinformationen. Unternehmen reagieren darauf mit einer wachsenden Zahl an ESG-Kennzahlen. Die Entwicklung ist nachvollziehbar. Schließlich lassen sich Kennzahlen leichter vergleichen als Absichtserklärungen. Doch wer Nachhaltigkeitskennzahlen analysiert, sollte nicht bei den ausgewiesenen Werten stehen bleiben. Denn hinter vielen Kennzahlen verbergen sich Annahmen, Schätzungen und methodische Entscheidungen, die erheblichen Einfluss auf die Aussagekraft haben können. Zahlen schaffen Vertrauen Kennzahlen genießen seit jeher einen besonderen Vertrauensvorschuss. Eine Eigenkapitalquote von 40 %, eine EBIT-Marge von 8 % oder ein Cashflow von 500 Mio. € vermitteln auf den ersten Blick Objektivität. Genau deshalb spielen Kennzahlen in der Finanzberichterstattung...
Der neue Ermessensspielraum in der Nachhaltigkeitsberichterstattung Im Jahresabschluss sind Ermessensentscheidungen nichts Neues. Ob Rückstellungen gebildet werden, welche Nutzungsdauer angesetzt wird oder wann eine Wertminderung erforderlich ist, lässt sich nicht immer eindeutig beantworten. Genau deshalb beschäftigen sich Wirtschaftsprüfer, Analysten und Aufsichtsräte seit Jahren mit der Frage, welche Annahmen hinter den Zahlen stehen. Mit der Nachhaltigkeitsberichterstattung nach der CSRD kommt nun ein weiterer Bereich hinzu, der erhebliche Ermessensspielräume eröffnet: die Wesentlichkeitsanalyse. Sie entscheidet darüber, welche Themen im Nachhaltigkeitsbericht ausführlich dargestellt werden – und welche nicht. Der Filter vor dem Bericht Viele Leser konzentrieren sich auf die veröffentlichten Kennzahlen, Ziele und Maßnahmen. Tatsächlich...
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