Fachkräftemangel in der Wirtschaftsprüfung: Zusätzlicher Imageverlust durch Wirecard-Bilanzskandal?

Als Wirtschaftsprüfer hat man derzeit vermutlich keinen leichten Stand. Denn im Fall von Wirecard steht nicht nur die Bafin unter Beschuss. Durch die zahlreichen Beiträge und Diskussionen über die Verfehlungen von EY beim größten Bilanzskandal der deutschen Nachkriegsgeschichte steht der Berufsstand derzeit unter keinem guten Stern.

Diese aktuellen Ereignisse werden das Nachwuchsproblem sicherlich weiter verschärfen: So wird sich der ein oder andere Studienabgänger überlegen, sich auf den harten Weg der Examensvorbereitung zu bewegen. In einem Beitrag aus dem Jahr 2015 weist die Zeitung „Welt“ auf die hohen Durchfallquoten zwischen 40 und 50 Prozent hin. Auch dies ist sicherlich ein weiterer Aspekt, der viele Studienabsolventen abschreckt.

Insbesondere der Imageverlust der Wirtschaftsprüfer wird bei Studienabsolventen im privaten Umfeld sicherlich auch zu kritischen Nachfragen führen, ob sie dieses Ziel wirklich verfolgen wollen. Wenn ich dies höre, erinnere ich mich an meinen Studienabschluss: Am Tag des Rücktrittes des damaligen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hatte ich meine Diplomarbeit abgegeben. Es war der 1. März 2011. Mein Plan? Ich wollte danach extern promovieren. Also sprich, meine Brötchen außerhalb der Uni verdienen und damit meine Promotion zu finanzieren. Leider war dies kein geeigneter Zeitpunkt, was meinen Weg daher besonders steinig gemacht hat. So ähnlich mag es möglicherweise derzeit dem ein oder anderen Berufseinsteiger gehen, der sich gerade auf das Wirtschaftsprüferexamen vorbereitet.

Fakten: Altersstruktur der Berufsträger

Das Nachwuchsproblem der Branche wird besonders an den Zahlen der Wirtschaftsprüferkammer deutlich: Laut der Mitgliederstatistik der Wirtschaftsprüferkammer vom Juli 2020 sind ca. 30 % der Berufsträger 60 Jahre und älter. Auch wenn aufgrund des demografischen Wandels der Renteneintritt immer später sein wird, sind diese Zahlen alarmierend denn lediglich 38 % der Wirtschaftsprüfer sind jünger als 50.

Offensichtlich kommen nicht ausreichend junge Berufsträger nach. Seit 2012 liegt die Anzahl der Wirtschaftsprüfer bei zwischen 14.000 und 15.000. Die Statistik der Wirtschaftsprüferkammer zeigt die nackten Fakten: Lediglich 2.150 Wirtschaftsprüfer sind jünger als 40 Jahre alt. Nun kann man den langen Ausbildungsweg entgegenhalten. Das stimmt, denn nach einem mehrjährigen Studium muss nach einigen Jahren Berufserfahrung das anspruchsvolle Examen zum Wirtschaftsprüfer abgelegt werden. Dennoch zeigt die Altersstruktur einen deutlichen Rückgang der absoluten Jahre der jüngeren Absolventen im Vergleich zu den älteren.

Zukunftssorgen der Abschlussprüfung

Das Nachwuchsproblem ist nicht die einzige Sorge der Abschlussprüfer. Durch den Wirecard-Skandal leidet das Image von Abschlussprüfern derzeit erheblich. Dieser Skandal wurde zum Anlass genommen, einige Reformen anzustoßen. Derzeit wird der Gesetzesentwurf des Finanzmarktintegritätsstärkungsgesetz (FISG) vom 16. Dezember 2020 diskutiert. Unabhängig davon, welche Regelungen im Einzelnen geändert werden: Diese werden sicherlich erheblich Auswirkungen auf die Wirtschaftsprüfungsgesellschaften haben. Und damit auch auf den Berufsstand der Wirtschaftsprüfer.

Es stellt sich die Frage, wie die Negativ-Welle beendet werden kann und der Beruf für junge Studienabsolventen wieder attraktiver wird. Eine Antwort darauf ist nicht einfach. Vielleicht braucht es aber auch noch einige Zeit, bis sich die Bemühungen der letzten Jahre in den Zahlen widerspiegeln. Denn anders als noch in den Diplom-Studiengängen kann nun ein Masterstudium mit dem Wirtschaftsprüferexamen kombiniert werden. Der Wirecard-Skandal und die Diskussionen um die Verfehlungen von EY tragen leider nicht zu einem positiven Image des Berufsstandes bei.

Quellen:

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