Fortsetzung der einstufigen Bilanzkontrolle: Was die Bafin bereits getan hat und noch tun sollte (Teil 2)

Was ist denn nun eigentlich mit den Lehren aus Wirecard? Man liest gar nichts mehr. Diese Frage wird mir oft gestellt, da ich mich nicht nur mit Wirecard, sondern auch den Gesetzesreformen intensiver beschäftigt habe. Auch der Finanzausschuss im Bundestag hatte mich zu den Reformen gehört. In der Sitzung war auch der neue Präsident Mark Brason anwesend.

Sicherlich ist es an der ein oder anderen Stelle etwas „ruhiger“ geworden. Man könnte auch sagen: Das Tempo der Meldungen, für die sich die breite Masse interessiert, ist gesunken. Nun geht es vielmehr um langfristige Veränderungen und Reformen. Doch es passiert sicherlich auch vieles eher im Hintergrund und wird nicht so wahrgenommen wie die ersten Meldungen, dass bei Wirecard 1,9 Mrd. EUR „fehlen“ würden.

Ich bin weiterhin „dran“ und verfolge, wie die Versprechungen und Gesetzesreformen umgesetzt werden. Auch bei mir ist das Tempo wieder auf einem normaleren Niveau angekommen. Solche Gesetzesreformen benötigen Zeit, wie auch die Neuaufstellung der Bafin und die Umsetzung dessen.

Neuaufstellung des Hinweisgebersystems bei der Bafin

Sie kennen sicherlich alle die Nachricht, die bei Wirecard durch die Presse ging: Ein Englisch sprechender Hinweisgeber zu Wirecard wurde mangels Englischkenntnissen abgewimmelt. Wie die Erfahrung zeigt, werden viele Bilanzskandale durch Hinweisgeber aufgedeckt. Dies hat sicherlich mitunter auch dazu geführt, dass das Hinweisgebersystem der Bafin im vergangenen Jahr neu aufgestellt wurde.

Die Bafin hat die sog. Market Contact Group neu geschaffen und dort ein Hinweisgebersystem angesiedelt. Auf der Website werden auch explizit Journalisten angesprochen, die sich bei entsprechenden Auffälligkeiten an die Bafin wenden können. Dies hat sicherlich mit der Geschichte des Finanzjournalisten Dan McCrum zu tun, der von Wirecard beschattet wurde. Ich hatte an verschiedenen Stellen schon genauer darüber berichtet, weswegen ich an dieser Stelle darauf verzichten möchte. Denn ich war einer der wenigen, die in der nicht-öffentlichen Sitzung des Untersuchungsausschusses im Bundestag am 5. November 2020 live bei den Erzählungen von Dan McCrum über seine Geschichte mit Wirecard berichtet hat.

Ich wünsche mir ausdrücklich, dass die Neuaufstellung des Hinweisgebersystems sich auch in der Praxis bewähren wird und kein Journalist das gleiche wie Dan McCrum erleben wird müssen. Demnächst erscheint dazu auch sein Buch, auf das ich bereits seit mehreren Monaten sehnsüchtig warte.

Was ist mit den ehemaligen Mitarbeitern der DPR?

Leider veröffentlicht die Bafin keine genaueren Informationen über die Aufteilung bzw. Integration der ehemaligen Mitarbeiter der DPR auf die einzelnen Referate. Dies würde für Transparenz sorgen. Darüber hinaus wäre es für Außenstehende interessant zu wissen, wie viele Jahre die Mitarbeiter im Durchschnitt bei der DPR gearbeitet haben. Dieser Erfahrungsschatz ist für den Aufbau des einstufigen Systems und die ersten Prüfungen sicherlich sehr wertvoll.

Ob die ehemaligen DPR-Mitarbeiter alle zur Bafin gewechselt sind und sich ihr Dienstsitz bereits nach Frankfurt zur Bafin verlagert hat, finden sich keine eindeutigen Informationen im Journal der Bafin vom Dezember 2021.

Weitere Wünsche an die Bafin

Bereits Ende letzten Jahres wurden die Prüfungsschwerpunkte für dieses Jahr veröffentlicht. Es ist davon auszugehen, dass dies auch künftig der Fall sein wird. Aus Unternehmenssicht wäre es wünschenswert, wenn die Bafin die Vorgehensweise der DPR auch in der Zukunft so umsetzen wird.

Anders als in der Vergangenheit kann die Bafin bereits bei der Anordnung einer Prüfung diese Information veröffentlichen. Entscheidend ist dabei, dass ein öffentliches Interesse besteht. Da hierzu noch keine Erfahrungswerte vorliegen, folgender Wunsch: Die Bafin sollte hier – sobald dies möglich ist – einige Kriterien für diese Entscheidung offenlegen. Denn nur dann ist die Einschätzung einer solchen Information möglich. Die Bafin hat mehr Biss versprochen, der Druck der Kapitalmärkte ist groß. Darüber hinaus muss das Vertrauen internationaler Investoren erst wieder mühsam aufgebaut werden, denn Wirecard hat dieses innerhalb kürzester Zeit zerstört.

Fazit:

Es bleibt noch einiges zu tun. Erste praktische Erfahrungen werden zeigen, ob und an welchen Stellen bei der Bilanzkontrolle noch nachgebessert werden muss. Die Pandemie und die damit verbundenen Auswirkungen auf die Jahresabschlüsse der Unternehmen führen darüber hinaus zu weiteren Herausforderungen für die Abschlussprüfung und die Bilanzkontrolle. Kurzum: Es bleibt spannend!

Weitere Informationen:


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