Gewinn oder Verlust? – Wie Benko sein Immobilienimperium den Banken präsentiert

Im letzten Jahr sorgte der österreichische Unternehmer René Benko in Deutschland mit der Forderung nach Staatshilfen für Galeria Karstadt Kaufhof für Schlagzeilen. Nun weist eine seine Immobilien-Gesellschaft Signa Prime für das letzte Jahr einen hohen Verlust aus. Aus einer Präsentation für Banken, die dem Handelsblatt vorliegt, geht noch einiges andere hervor.

Ein Blick in die Zahlen des Immobilienriesen

Ende Juli hat das Handelsblatt von einer hohen Wertberichtigung der Signa Prime, einer Immobiliengesellschaft von René Benko berichtet. Die Neubewertung der Immobilien führte schlussendlich auch zu einem Nettoverlust in Höhe von 1 Mrd. €. Laut der Unterlagen, die dem Handelsblatt vorliegen, wurde das Immobilienimperium um 1,2 Mrd. € niedriger angesetzt. Damit wurde das Portfolio um sechs Prozent abgewertet, den es wird laut dem Handelsblatt auf 20,4 Mrd. € beziffert.

Doch das ist noch nicht alles: Das Handelsblatt berichtet über stille Reserven des Immobilienportfolios, die nach den Unterlagen zufolge bei Signa Prime zu einem Nettogewinn in Höhe von 90 Mio. € geführt hätten.

Trotz des Verlustes ist das Eigenkapital mit 6,8 Mrd. € stabil geblieben, denn im August 2022 konnte eine Kapitalerhöhung in Höhe von 750 Mio. € platziert werden. So heißt es nach dem Handelsblatt in Signa-Kreisen.

Eine kurze Stellungnahme

Was mir beim Lesen des Artikels im Handelsblatt auffällt? Das Unternehmen möchte nichts sagen, das Handelsblatt zitiert aus erhaltenen (Bank-)Unterlagen…Zur Erinnerung: Im letzten Jahr sorgte Benko mit der Forderung weiterer Staatshilfen für die angeschlagene Kaufhauskette Galeria Karstadt Kaufhof für Schlagzeilen. Die Kette gehört wie auch das Immobilien-Unternehmen Signa Prime auch zur Signa Holding. Auch diese glänzt nicht unbedingt mit Transparenz.

Warum die Transparenz so wichtig ist? Für Galeria Karstadt Kaufhof wurden im letzten Jahr knapp 240 Mio. € Staatshilfe gefordert. Da würde ich mir als Steuerzahlerin schon etwas mehr Transparenz wünschen. Denn schlussendlich ist die Frage, ob damit tatsächlich Arbeitsplätze erhalten werden oder nur ein Zombie-Unternehmen weiter am Leben erhalten wird.

Worüber das Handelsblatt nicht berichtet? Die Liquiditätslage des Immobilienriesen. Denn abgesehen von der Bewertung der Immobilien stellt sich für Banken auch die Frage, wie es um die Liquidität des Unternehmens steht, wenn Prolongationen von Krediten anstehen. Warum im Handelsblatt dazu nichts steht? Ich vermute, dass die Unterlagen dazu wenig bis gar nichts enthalten.

Fazit

Dazu passt wieder die amerikanische Börsenweisheit „Gewinn ist Ansichtssache, Cashflow Tatsache“. Auch die Bank mit den Informationen über stille Reserven beeindruckt werden soll: Schlussendlich stellt sich für diese auch die Frage, ob ausreichende liquide Mittel zur Bedienung der Kredite vorhanden sind. Denn bekanntlich ist die Liquidität deutlich robuster als der Gewinn hinsichtlich des Aufhübschens von Zahlen.

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