Learnings HV-Saison 2021 – Warum Unternehmen immer noch an der indirekten Methode der Kapitalflussrechnung festhalten

Zu Beginn jeder Hauptversammlungs-Saison lege ich mir in meiner Tätigkeit als Sprecherin der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger und meiner eigenen Aktien ein paar Fragen fest, die ich auf allen Hauptversammlungen stelle. Eine meiner Top-Themen in diesem Jahr war unter anderem die Frage, warum die Kapitalflussrechnung mit der indirekten Methode im Geschäftsbericht veröffentlicht wird.

Die Antworten? Teilweise überraschend.

Worin der Unterschied zwischen den beiden Methoden liegt

Bei der Darstellung der Kapitalflussrechnung haben Unternehmen zwei Möglichkeiten: Entweder sie stellen diese nach der direkten oder der indirekten Methode auf. Der Unterschied der beiden Methoden wird bei der Ermittlung des Cashflows aus der laufenden Geschäftstätigkeit ersichtlich. Bei der direkten Methode werden die Ein- und Auszahlungen dargestellt, um den Cashflow zu ermitteln.

Die indirekte Methode beginnt mit ihrer Berechnung beim Jahresüberschuss und nimmt entsprechende Korrekturen vor, die nicht zahlungswirksam waren. Genau das ist meines Erachtens die Schwierigkeit. In so mancher Kapitalflussrechnungen finden sich Restposten mit „sonstige nicht zahlungswirksame Aufwendungen“. Transparenz? Fehlanzeige. Denn was zu den Restposten zählt, findet man in der Regel nicht im Anhang des Jahresabschlusses erläutert. Dies eröffnet der „kosmetischen Aufhübschung“ der Kapitalflussrechnung alle Türen.

Für Nicht-Bilanzexperten ist meines Erachtens die direkte Methode leichter zu verstehen, denn bei dieser werden „Kundeneinzahlungen“ separat aufgelistet. Um dies zu verstehen, sind keine IFRS-Kenntnisse erforderlich. Die Folge? Vielleicht die ein oder andere Nachfrage eines Aktionärs, warum die Kundeneinzahlungen trotz des steigenden Gewinns so gering sind. Fragen, die sicherlich nicht jeder Vorstand in der Hauptversammlung gerne beantworten möchte.

Warum die indirekte Methode immer noch dominiert

Die Anwendung der indirekten Methode hat allerdings nicht immer der Intransparenz, die aus Anlegersicht unerwünscht ist. Erstaunlich fand ich Antworten wie „Das haben wir schon immer so gemacht.“ Oder „Das machen alle so.“ Verständlicher dagegen „Wir wollen uns mit der Konkurrenz vergleichen. Diese wendet auch die indirekte Methode an.“

Die Vergleichbarkeit ist sicherlich ein gutes Argument: Es ist nur die Frage, ob diese auch in der Tiefe stattfindet. Sofern die Mehrheit der Unternehmen die Kapitalflussrechnung mit Hilfe der direkten Methode darstellt, könnte dies zu einem Umdenken führen. So die Theorie.

Doch in seltenen Fällen gab es auch den Hinweis: Das können wir IT-technisch derzeit noch nicht umsetzen. Leider kann ich das von außen nicht beurteilen. Allerdings stellt sich mir die Frage, wie es sein kann, dass die heutige IT dies noch nicht umsetzen kann. Schließlich wird nicht erst seit einem Jahrzehnt ein Buchungssatz nicht mehr aufs Papier geschrieben, sondern in einer Software erfasst. Ist den Unternehmen der Aufwand diesbezüglich vielleicht zu groß? Ein Unternehmen hatte gesagt, dass jeder Zahlungsvorgang entsprechend kategorisiert werden müsste. Dies ziehe einen größeren zeitlichen Aufwand für das Audit nach sich. Das klingt plausibel. Aber in einer Buchhaltungssoftware kann man doch heutzutage bei den Buchungskonten viele Einstellungen vornehmen, die die Arbeit erleichtern. Ist es denn nicht möglich, dies auch für die Möglichkeiten der Zuordnung der Zahlungen für die Anwendung der direkten Methode der Kapitalflussrechnung möglich? „Intern verwenden wir die direkte Methode“, so die Antwort in einer Hauptversammlung.

Fazit

Ein Thema, das ich weiterverfolgen werde. Im Sinne der Transparenz für die Anleger sollten auch Nicht-IFRS-Experten in der Lage sein, die Kapitalflussrechnung besser zu verstehen. Inwieweit eine technische Umsetzung möglich ist, freue ich mich über Rückmeldungen von Experten und Softwareentwicklern.

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