Lehren aus Wirecard (14): Hat der Aufsichtsrat wegen der Erfolgsbeteiligung gepennt?

Streit um Posten, Mandatsniederlegungen und was wir daraus lernen sollten


Wieso wurde der Wirecard-Skandal nicht früher aufgedeckt? Was war denn eigentlich mit dem Aufsichtsrat? Dies sind einige der Fragen, die mir in den letzten Monaten immer häufiger gestellt wurden. Hat der Aufsichtsrat geschlafen? Ja, zumindest der Vorsitzende Matthias Wulf auf der letzten Hauptversammlung. So steht es in dem Buch „Die Wirecard Story“, das sich auf Augenzeugen beruft.

Auch ich war einer der anwesenden Aktionäre auf dieser historischen Hauptversammlung. Um die Show mit eigenen Augen zu sehen, hatte ich mir nämlich einige Monate zuvor zwei Aktien gekauft. Diese halte ich übrigens immer noch. Mittlerweile reicht es nicht einmal mehr für eine Kugel Eis. Sehr agil hat der damalige Vorsitzende des Aufsichtsrates Matthias Wulf auf mich jedoch keinesfalls gewirkt. Durch die Wahl von Thomas Eichelmann in den Aufsichtsrat gab es Hoffnung, dass sich das ein oder andere Thema bessern könnte. Denn er dürfte angesichts seines Werdegangs und Alters an einem guten Ruf interessiert sein. Dies gilt ebenso für die zwei Damen, die in den letzten Jahren bereits nach weniger als zwei Jahren das Mandat niedergelegt hatten.

 Mandatsniederlegungen zweier Aufsichtsrätinnen: Kritik unerwünscht?

Auch von außen betrachtet gab es im Aufsichtsrat einige Unruhe: Die Mandatsniederlegung von Quintana-Plaza in diesem Jahr wurde zuerst durch die Aktualisierung ihres LinkedIn-Profils bekannt. Dies entspricht nicht unbedingt der Form von Kommunikation, die man sich von einem DAX-Konzern verspricht, denn damals war Wirecard noch in der ersten Börsenliga vertreten. Ihre kritischen Nachfragen sind offenbar nicht auf offene Ohren gestoßen.

Auch eine Vorgängerin, Tina Kleingarn, legte das Mandat nach kurzer Zeit nieder. Nach den Meldungen ist auch hier möglich, dass sie ihre Arbeit als Aufsichtsrätin sehr ernst nahm – so wie man es auch erwarten würde.

Die Mitglieder des Aufsichtsrates waren sich offenbar auch nicht ganz grün: Dies lässt sich aus den Erläuterungen der Autoren in dem Buch „Die Wirecard Story“ schließen. Das Problem? Durch die Rangeleien um den Posten der Stellvertretung für den Aufsichtsratsvorsitzenden konnte der Vorstand so einige kritische Nachfragen und Anforderung von Dokumenten aussitzen.

Erfolgsabhängige Vergütung

Für seine Kontroll- und Beratungsaufgabe wurde der Aufsichtsrat finanziell ausreichend entschädigt. Anders als bei manch anderem Unternehmen können die Aufsichtsräte von Wirecard sich nicht über eine geringe Bezahlung für viele Sitzungen beklagen. Ein weiteres Bonbon war die Erfolgsbeteiligung, der aufgrund des massiv (erfundenen) Wachstums des Konzerns zu einer sehr attraktiven Vergütung führte.

Auch erhielt der langjährige Vorsitzende Wulf ein Dispodarlehen der Wirecard Bank in Höhe von 200.000 EUR. Bei einer Aufsichtsratsvergütung von ca. 411.000 EUR für seine Tätigkeit ist es durchaus attraktiv, das Mandat zu halten. Dies gilt insbesondere im Hinblick darauf, dass mehr als die Hälfte der Vergütung aus einem Bonus besteht. Dies setzt klare Fehlanreize. Damals sitzt Wulf mit seinen beiden langjährigen Aufsichtsratskollegen Klestil und Henseler auch im Aufsichtsrat der Wirecard Bank. Ob es solche Verstrickungen künftig geben darf, sollte an anderer Stelle noch diskutiert werden.

Doch es zeigt sich: Eine derart hohe und vor allem erfolgsabhängige Vergütung setzt erhebliche Fehlanreize. Da bleibt möglicherweise das zu kritische Nachfragen aus, wenn Umsatz und Gewinn immer weiter ansteigen. Insbesondere dann, wenn die eigenen Brötchen hauptsächlich aus diesem Mandat bezahlt werden.

Literaturempfehlung:
„Die Wirecard Story“, Bergermann/Ter Haseborg, S. 201ff.

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