Prozessautomation in der Steuerkanzlei – wohin geht die Reise?

Die Digitalisierung schreitet auch in den Steuerkanzleien weiter fort. Immer mehr Prozesse werden automatisiert erledigt. Zum einen Teil sind Steuerberater und ihre Mitarbeiter Getriebene der Entwicklung (Stichwort „E-Bilanz“), zum anderen Teil treiben sie die Entwicklung selbst voran (Stichwort „Unternehmen online“). Doch wohin geht die Reise? Werden wir alle eines Tages arbeitslos?

Ganz so düster sehe ich die Sache nicht. Hätte man allen Voraussagen aus der Vergangenheit Glauben geschenkt, wären wir schon längst Opfer der Automatisierung und überflüssig. Allerdings beobachte ich in jüngster Zeit, dass sowohl Steuerberater und dem Berufsstand nahe stehende Unternehmen als auch eigentlich branchenfremde Unternehmen an Lösungen arbeiten, die die Digitalisierung von Arbeitsschritten beschleunigen werden. Oft sind die Lösungen aus der blanken Not und ohne vorrangiges kommerzielles Interesse heraus entwickelt worden, einfach weil Steuerkanzleien in bestimmten Regionen kein ausreichend qualifiziertes Personal finden. Teilweise sind aber natürlich auch handfeste wirtschaftliche Interessen mit der Programmentwicklung verbunden. Ich beobachte das Geschehen mit großer Spannung.

So ist mir jüngst von einem Steuerberater ein automatisches Email-Beantwortungssystem vorgestellt worden, das dieser zunächst nur intern und später möglicherweise auch extern einsetzt. Warum jede Email neu schreiben? Warum nicht automatisierte Emails mit bestimmten Datev-Prozessen verknüpfen? Mir wurde auch ein System gezeigt, das „Unternehmen online“ für den „kleinen Mandanten“ herunterbricht und a) mit geringem Aufwand und b) fast selbsterklärend eine digitale Schnittstelle zum Berater schafft. Die Neuanlage eines Mitarbeiters in LODAS könnte demnächst (fast) vollautomatisiert erfolgen. Auch mit iPad-basierten Kassensystem habe ich mich befasst. Es soll Länder geben, in denen diese die herkömmlichen Kassensysteme bereits im großen Stile abgelöst haben (ich spreche hier nicht von den Tablet-basierten Bestellsystemen der Gastronomie) und auch bei Bargeschäften die Buchungen automatisch erzeugen.

Natürlich ist es nicht neu, dass an Lösungen gearbeitet wird, die händische Arbeitsschritte automatisieren. Interessant ist für mich vielmehr, mit welcher Frequenz, Intensität und mit welchem Innovationsvermögen Lösungen wie die genannten neu auf den Markt kommen, die exakt auf die Bedürfnisse eingehen, die vielleicht noch gar nicht bekannt sind. Dabei scheut man sich nicht, Betaversionen einzusetzen. Auch diesbezüglich findet ein Umdenken statt. Denn während die Datev und andere Softwarehäuser selbstverständlich vollständig – weil es traditionell von ihnen nicht anders erwartet wird – ausgetestete Lösungen auf den Markt bringen müssen, gibt es Anbieter, die die Weiterentwicklung sozusagen im laufenden Betrieb vornehmen. Ihre Kunden akzeptieren das. Sie sind schon in einem frühen Stadium an der Entwicklung beteiligt, was sogar motivierend wirkt. Der Status „Testuser“ hat eigentlich schon eher „Premium“-Charakter gewonnen, weil die Möglichkeit geboten wird, aktiv mitzuwirken.

Ich bin jedenfalls gespannt, wo wir in ein paar Jahren stehen. Vielleicht wird meine eingangs gestellt Frage „Wohin geht die Reise?“ auf dem nunmehr 5. Steuerberater-Forum am 15. und 16. September in Düsseldorf beantwortet.  Es geht dieses Mal schwerpunktmäßig um die Digitalisierung der Steuerberatung. Ich freue mich auf neue Impulse. Den Veranstalter möchte hier noch erwähnen – man möge mir etwas Werbung an dieser Stelle nachsehen: es ist der NWB-Verlag.

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