Risiko eingetreten – Corona lässt Risikoberichte nicht kalt

Gefahr pandemischer Erkrankungen im Risikobericht der Deutschen Lufthansa


Im Risikobericht der Deutschen Lufthansa tauchen „pandemische Erkrankungen“ als qualitatives Risiko auf. Bedeutungsgrad im Geschäftsbericht 2019? Kritisch. Ausprägungsform? Sehr hoch. Veränderung im Vergleich zum Vorjahr? Steigend. Ein Blick in den Geschäftsbericht 2018 verrät: Wesentlicher Bedeutungsgrad, hohes Risiko und keine Veränderung zu 2017 waren damals noch die Stichworte.

Die aktuellen dynamischen Entwicklungen im Zuge der Ausbreitung des Corona-Virus zeigen: Unternehmen, die vor wenigen Monaten noch hohe Gewinne erwirtschafteten, kämpfen nun ums nackte Überleben. Anstelle von Umsatz- und Gewinnsteigerungen, stehen Themen wie Rettungspakete mit Staatsbeteiligung ganz oben auf der Agenda.

Risikobericht Lufthansa: Hinweise auf Pandemie-Gefahr bereits 2018

Zu den Gefahren pandemischer Erkrankungen finden sich in den Geschäftsberichten 2018 und 2019 die folgenden Ausführungen – die man vor einem Jahr möglicherweise noch als „übertrieben“ hätte einstufen können:

„Weltweit bestehen Risiken durch die Übertragung von Infektionserregern vom Tier zum Menschen, von Mensch zu Mensch sowie auf anderen Wegen. Durch epidemische, pandemische oder sonstige Ausbreitungsmuster wie Bioterrorismus drohen hohe Krankheitsraten in verschiedenen Ländern, Regionen oder Kontinenten. Dies kann kurz-, mittel- und langfristig dazu führen, dass das Fluggastaufkommen im Luftverkehr aus Angst vor Ansteckung drastisch sinkt. Ferner ist es möglich, dass Mitarbeiter aus Angst vor Ansteckung nicht bereit sind, in betroffene Länder zu fliegen, und Mitarbeiter vor Ort diese Länder verlassen wollen. Durch hohe Krankheitsraten der Mitarbeiter kann der operative Betrieb gefährdet sein. Ebenso können behördliche Reiserestriktionen aus Angst vor der Einschleppung von Krankheitserregern zu operativen Einschränkungen führen.

 Die Lufthansa Group prüft permanent Informationen der Weltgesundheitsorganisation (WHO), des amerikanischen und europäischen Centers of Disease Control, des deutschen Robert-Koch-Instituts und weiterer Institutionen, um epidemische oder pandemische Gefährdungen bestmöglich frühzeitig aufdecken zu können. Mitarbeiter werden intensiv informiert, Risikogruppen erhalten persönliche Schutzausrüstung und in der gesamten Lufthansa Group werden jährlich präventive Impfkampagnen gegen Influenza angeboten.“

Was sich im Risikobericht 2019 geändert hat

Mit den Erfahrungen der letzten Wochen liest sich dieser Text schon gleich ganz anders. Interessant ist allerdings: In den letzten beiden Jahren war der Inhalt im Risikobericht zur Gefahr pandemischer Erkrankungen nahezu identisch. Im Geschäftsbericht 2019 folgte jedoch noch die folgende Ergänzung mit dem Bezug zum Corona-Virus:

„Die Lufthansa Group hat die wirtschaftlichen Folgen der Ausbreitung des Coronavirus in ihrer Finanzprognose abgebildet. Die weitere Verbreitung des Virus und die Reaktion der Konsumenten darauf, insbesondere hinsichtlich ihrer Nachfrage nach Flugreisen, sind allerdings nicht final abschätzbar. Es besteht somit das Risiko, dass die wirtschaftlichen Auswirkungen der Virusausbreitung schwerwiegender sind als prognostiziert.“

Wie schwerwiegend die Auswirkung der Ausbreitung des Corona-Virus sind, zeigt sich derzeit zumindest annäherungsweise: Die Existenz der Fluglinie ist in Gefahr. Bei der Berichterstattung von Risiken werden nicht nur Investoren, sondern auch andere Stakeholder künftig sicherlich genauer hinschauen.

Lesen Sie hierzu auch meinen Beitrag:

Risikoberichterstattung zur Corona-Pandemie: Trendwende weg von Boilerplates zu unternehmensrelevanten Angaben? (erscheint in StuB 12/2020)

 

Ein Kommentar zu “Risiko eingetreten – Corona lässt Risikoberichte nicht kalt

  1. Bei dieser Risiko-Prognose ist eine betriebswirtschaftliche Rücklagenbildung durchaus erforderlich. Dies sollteauch in den vierteljährlichen Geschäftsberichten erkennbar sein, auch für die Kapitalanleger.

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