Schwacher Aufsichtsrat – Ist der TÜV für die Effizienzprüfung eine Lösung?

Wie insbesondere der Wirecard-Skandal gezeigt hat: Ein kritischer Aufsichtsrat kann in einem Unternehmen einiges bewegen. Dies erfordert jedoch, dass kritische Fragen und Kommentare erwünscht sind. Zudem sollte der Aufsichtsrat das Geschäftsmodell des Unternehmens verstehen und die Zukunft des Unternehmens diskutieren. Der Zeugenbefragung des ehemaligen Aufsichtsratsvorsitzenden Eichelmann war zu entnehmen, dass er dafür sorgen wollte.

Problem der Effizienzprüfung

Die Frage nach der Effizienzprüfung und dem Ergebnis ist auch eine meiner Lieblingsfragen auf den Hauptversammlungen, sei es als Sprecherin der SdK, für meine Kunden oder in der Rolle als Aktionärin. Immer wieder kommt die Antwort: Die Effizienzprüfung hat der Aufsichtsrat selbst durchgeführt. Diese Antwort ist für mich nicht zufriedenstellend, denn gerade bei einem eher schwachen Aufsichtsrat ist vermutlich keine hinreichende Selbstkritik vorhanden, um die Effizienz des Gremiums zu steigern.

Doch was ist, wenn das Gremium sehr schwach besetzt ist? Der Deutsche Corporate Governance Kodex empfiehlt seit zwanzig Jahren zwar die Durchführung einer Effizienzprüfung, doch bei der Methodik haben Unternehmen die Wahl. Und genau diese ist für das Ergebnis der Effizienzprüfung entscheidend. Denn welches Gremium würde bei einer Selbstevaluation zugeben, dass kritische Stimmen eines Mitgliedes nicht erwünscht sind? Dies wage ich zu bezweifeln.

Ist ein TÜV die Lösung?

Wie Wirecard gezeigt hat: Freiwilligkeit ist schön und gut, führt aber leider oft nicht zum gewünschten Ergebnis. Vielleicht lässt sich das Problem mit der Effizienzprüfung nur mit einer Verpflichtung lösen? Denn schließlich hat der Aufsichtsrat eine wichtige Aufgabe – insbesondere in Krisenzeiten wie der Corona-Pandemie und den Herausforderungen, die die digitale Transformation für Unternehmen mit sich bringt.

Brauchen wir also eine Art TÜV für den Aufsichtsrat? Quasi eine regelmäßig durchgeführte Effizienzprüfung durch einen externen Dienstleister, der zu einer Verbesserung der Arbeit des Aufsichtsrates beiträgt? Denn Verbesserungspotenzial gibt es heutzutage vor allem bei der Sitzungsführung des Aufsichtsratsvorsitzenden sowie den Fragen, ob kritische Stimmen erwünscht sind und alle Mitglieder das Geschäftsmodell des Unternehmens verstehen.

In einem geschützten Rahmen gibt ein Mitglied auch eher zu, dass die Präsentationen des Vorstandes an einigen Stellen nicht immer verständlich sind und Nachfragen eher unterbleiben. Denn für eine aussagekräftige Effizienzprüfung ist entscheidend, die Limitierungen des Gremiums zu identifizieren. Nur so kann die Arbeit auch wirklich verbessert werden. Andernfalls ist dies nur eine Effizienzprüfung „der Ordnung halber“ – ohne einen tatsächlichen Mehrwert zu schaffen.

Ein schöner Nebeneffekt: Ein TÜV für die Effizienzprüfung durch einen externen Dienstleister könnte eine vertrauensbildende Maßnahme bei Investoren sein – denn diese muss gerade bei internationalen Investoren nach dem Wirecard-Skandal erst wiedergewonnen werden.

Alle Probleme lösen wird ein Effizienz-TÜV sicherlich nicht, doch er könnte zu mehr Transparenz beitragen.

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