Serie Bilanzskandale: Warum sich auch die Compliance damit beschäftigen sollte

Die Grenze zwischen Bilanzfälschung und Bilanzkosmetik sind teilweise fließend. Bei der Betrachtung einzelner Praxisfälle von Bilanzfälschung wird jedoch deutlich: Bei den großen Bilanzskandalen wurde die Grauzone zwischen Legalität und Illegalität eindeutig überschritten.

Insbesondere bei einer Abschwächung der Konjunktur – wie dies derzeit der Fall ist – besteht der Anreiz, den Ermessensspielraum auszunutzen. So kann die derzeitige Lage des Unternehmens etwas aufgehübscht werden mit Hilfe der „Tablette“ Bilanzkosmetik. Es ist nachvollziehbar, dass Unternehmen das Optimum herausholen möchten.

Derzeitige Lage ist Nährboden für Manipulationen

Aus Sicht der Compliance sollte das Ziel verfolgt werden, möglichst weit entfernt von der Grauzone zu agieren und damit im sicheren und legalen Bereich zu landen. Durch die derzeitige Situation wie Brexit, zunehmende Handelsbarrieren, Eintrübung der Konjunktur, geraten Unternehmen zunehmend unter Druck. Dazu kommen auch noch die Herausforderungen der Digitalisierung. Viele Unternehmen fragen sich auch, womit sie in zehn Jahren ihren Gewinn erwirtschaften werden. Leider sind diese Tatsachen ein fruchtbarer Nährboden sowohl für Bilanzkosmetik als auch für Bilanzfälschung.

Was die Compliance tun sollte

Unternehmen mit einer personell gut ausgestatteten Compliance-Abteilung sollten bei ihren derzeitigen Aufgaben ein besonderes Augenmerk auf ihre derzeitige Struktur haben. So ist beispielsweise entscheidend, dass einzelne Mitarbeiter bei Vermutung eines Vergehens dies nicht nur melden können, sondern auch ernst genommen werden.

In der Praxis war dies bei einem Mitarbeiter nicht der Fall, obwohl er stichhaltige Hinweise liefern konnte. Problematisch war der Vorgang deswegen, da auch eine weitere Meldung an entsprechender externer Stelle unbeachtet blieb. Als der Fall aufgedeckt wurde, erfreuten sich die Ermittler über den aussagewilligen Mitarbeiter, der nun endlich angehört und ernst genommen wurde.

Soweit sollte es erst gar nicht kommen: Je höher die Gefahr der Aufdeckung, desto eher bestehen Chancen, dem Anreiz einer Manipulation entgegenzuwirken.. Zusätzlich dazu sollten bestehende Sanktionsregelungen auch wirksam genutzt werden. Somit tragen Mitarbeiter eher an einer Aufklärung bei, da ihr Beitrag wahrgenommen wird.

Insbesondere bei Führungspositionen im Rechnungswesen sollte daher bereits bei der Personalauswahl ein besonderes Augenmerk auf die Bewerber gelegt werden. Auch die Zwangslage der Mitarbeiter, die auf Anweisung ihrer Vorgesetzten, die Luftbuchungen tätigen, sollte auch Beachtung finden. Dies kann beispielsweise durch auffallend hohe Gehälter für Mitwisser im Vergleich zu den Kollegen auffallen. Was so manch einer vielleicht vergisst: In strukturschwächeren Regionen fürchtet sich der Mitarbeiter nicht nur vor dem Verlust des Arbeitsplatzes. Einen anderen Arbeitgeber zu finden wird schwierig, sodass die Angst vor einer längeren Arbeitslosigkeit besteht.

Lesen Sie Anfang November, wie Unternehmen mögliche Anreize für Manipulationen durch einzelne Mitarbeiter verringern können.

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