Serie Risiko Bilanz – wo man genauer hinschauen sollte: Hohe Verschuldung und Auslauf der Zinsbindung in Zeiten der Zinswende

Geld kostet wieder etwas. Teilweise richtig viel. Vor allem dann, wenn ein Unternehmen ohnehin bereits hoch verschuldet ist. Läuft die Zinsbindung bei Bankdarlehen im nächsten Jahr aus, werden die Konditionen sicherlich deutlich über den bisherigen liegen.

Das Risiko für Unternehmen? Steigende Zinssätze belasten die Liquidität. Das Risiko steigender Zinsen wird bei vielen Unternehmen sicherlich im Risikobericht aufgegriffen. Doch die Frage ist hier, ob dies ausreichend war und inwieweit steigende Zinsen einkalkuliert wurden. Überraschend ist sicherlich das Tempo des Zinsanstiegs seit dem letzten Jahr. Dass die Zinsen jedoch nicht dauerhaft auf einem derartig niedrigen Niveau bleiben können, ist keine Überraschung. Es hat in der Vergangenheit sicherlich dazu geführt, dass das ein oder andere Unternehmen „leichter“ Geld aufgenommen hat. Getreu nach dem Motto: Geld kostet nichts.

Wo man im Abschluss genauer hinschauen sollte

Das Problem eines Jahres- oder Konzernabschlusses? Bis er vorliegt, ist einige Zeit ins Land gegangen. Und wie schnell sich die Lage eines Unternehmens innerhalb weniger Wochen ändern kann, haben die letzten Jahre seit Pandemie-Beginn deutlich gezeigt.

Diese Tatsache erschwert daher die Analyse der vorliegenden Abschlüsse. Wie schnell anstehende Kreditprolongationen zu Schwierigkeiten in diesem Jahr geführt haben, zeigt der aktuelle Fall der Immobiliengruppe Signa.

Was dies für die Analyse bedeutet? Auch wenn die Aufwendungen für Zinsen aus Bankdarlehen, Anleihen und Co. im Jahr 2022 im Vergleich zum Vorjahr noch nicht massiv gestiegen sein sollten: Die entscheidende Frage ist, wann die Zinsbindung bei Bankdarlehen ausläuft bzw. die Rückzahlung fälliger Anleihen ansteht.

Zu bedenken gibt es auch: Die Tilgung hat keine Auswirkungen auf den Gewinn, belastet aber die Liquidität. Lediglich die Zinsen verringern den Gewinn und damit die Steuerlast eines Unternehmens.

Allein der Blick in die GuV reicht daher nicht aus: Dort finden sich nur die Zinsaufwendungen. Für weitere Details dazu lohnt sich ein Blick in den Anhang des Jahresabschlusses. Denn dort finden sich genauere Informationen dazu, wie sich die Zinsaufwendungen zusammensetzen. In der Kapitalflussrechnung erhält man außerdem eine Information darüber, wie hoch die gezahlten Zinsen im laufenden Geschäftsjahr waren.

Und das reicht? Nein. Denn die Frage für die künftige Höhe der Zinsen ist mitunter auch entscheidend, wann die Rückzahlung der Darlehen oder Anleihen ansteht. Dazu liefert der Anhang beispielsweise bei der Übersicht der Fristigkeit der Verbindlichkeiten einen Eindruck. Kurz gesagt: Wenn – wie bei der Signa Holding – die Schulden sprunghaft in die Höhe schießen, sollte man genauer hinschauen. Innerhalb sind dort die Schulden von 634 Mio. Euro auf knapp 2 Mrd. Euro angestiegen. Die gezahlten Zinsen haben sich ebenso deutlich erhöht: Sie haben sich fast vervierfacht. Und man bedenke: Das sind die Zahlen des Jahres 2022.

Man kann vermuten, dass im Jahr 2023 noch einmal mit einem deutlichen Anstieg gerechnet werden muss. Die Berichterstattung der letzten Wochen hat gezeigt, wie ernst die Lage inzwischen für die Immobiliengruppe ist.

Ein kurzes Fazit

Niedrige Zinsaufwendungen im letzten Abschluss bedeuten nicht, dass alles in Butter ist. Entscheidend ist gerade bei hoch verschuldeten Unternehmen die Frage, wann die Zinsbindung ausläuft bzw. die Rückzahlung der Anleihen ansteht.

Ein kritischer Blick ist besonders bei hoher Verschuldung in Kombination mit sinkenden Umsatzerlösen aufgrund der aktuellen wirtschaftlichen Lage ratsam. Denn dann stellt sich die Frage, zu welchen Konditionen die Kredite verlängert werden können und wie dies die Liquidität des Unternehmens weiter belasten wird.

Die fetten Jahre sind vorbei – es profitieren die Unternehmen, die solide aufgestellt sind und trotz des billigen Geldes sich rechtzeitig auf steigende Zinsen vorbereitet haben.

Lesen Sie hierzu auch meinen Beitrag:

Signa Holding – Warum der Verlust „nur“ eine halbe Milliarde beträgt

 

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