Transparenz Fehlanzeige – die Angabe zum Goodwill in den Halbjahresfinanzberichten des DAX

Nur ein Drittel der DAX-Konzerne geben den Buchwert des Goodwills im Halbjahresfinanzbericht an. Auch wenn die Halbjahresberichte nicht so detailliert sein müssen wie der Geschäftsbericht für das gesamte Geschäftsjahr: Wie meine Studienergebnisse gezeigt haben, ist der Anteil des Goodwills am Eigenkapital bzw. Vermögen der DAX-Konzerne erschreckend hoch.

Goodwill-Abschreibungen im Halbjahresbericht?

Bei den Unternehmen, die den Buchwert des Goodwills zum 30.6.2020 angeben, liegt dieser bei durchschnittlich knapp 60 % des Eigenkapitals. Abschreibungen des Goodwills sind immer noch die Ausnahme statt der Regel: Lediglich vier Unternehmen geben an, dass der Goodwill wertgemindert war und dementsprechend eine außerplanmäßige Abschreibung vorgenommen wurde.

HeidelbergCement ist ein Sonderfall: Hier werden zwar massive Goodwill-Abschreibungen im Umfang von 2,7 Mrd. EUR vorgenommen. Allerdings gab es auch einen Wechsel im Vorstand. Dann sind Goodwill-Abschreibungen keine Ausnahme, wie schon vor Jahren in empirischen Untersuchungen festgestellt wurde.

Offengelegte Informationen zum Goodwill

Die Corona-Pandemie wird von einigen Unternehmen als sog. Triggering Event eingeordnet. Die Folge? Durchführung eines Werthaltigkeitstests des Goodwills. Wertminderungen wurden jedoch nicht festgestellt. Gründe? Der Effekt wurde als lediglich vorübergehend eingestuft. Wir werden sehen, ob sich dies bestätigt.

Die derzeitige Zunahme der Infektionszahlen lässt jedenfalls nicht so viel Optimismus zu. Der Sommer und die Sonne haben die aktuelle Corona-Lage möglicherweise in den Hintergrund gedrängt.

Im Halbjahresfinanzbericht von HeidelbergCement finden sich jedenfalls ausführliche Erläuterungen, wie die Goodwill-Abschreibungen in Höhe von insgesamt 2,7 Mrd. EUR zustande kommen. Die Abschreibungen erfolgten weltweit, denn schließlich wütet das Corona-Virus nicht nur in Europa. Die Gründe für die Wertminderungen in den einzelnen Ländern werden bei HeidelbergCement einzeln dargestellt. So waren u.a. eine sinkende Ergebnisentwicklung und eine Anpassung der Marktrisikoprämie Gründe für die außerplanmäßigen Abschreibungen des Goodwills.

Wir werden sehen, ob auch andere DAX-Konzerne bei der Vorlage der nächsten Berichte zu ähnlichen Auffassungen wie HeidelbergCement kommen werden. Auch ohne einen Wechsel des Vorstands.

Lesen Sie dazu auch:

Rinker (2020): Unterjähriger Werthaltigkeitstest beim Goodwill in der Corona-Pandemie – Praktische Umsetzung in den Halbjahresfinanzberichten des DAX (erscheint in der PiR- Ausgabe 10/2020)


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