Update Bilanzdelikte: Banken müssen Forderungen gegenüber Steinhoff-Konzern abschreiben

Aggressiver Expansionskurs durch Niedrigzinspolitik und gestiegene Risikobereitschaft der Banken befeuert?

Endlich? Der Bilanzskandal um den Steinhoff-Konzern hat es in die Tagesschau geschafft. Die BayernLB musste bereits Forderungen in Höhe von 60 Mio. EUR für vergebene Kredite abschreiben. Insgesamt wurden an den Konzern Kredite in Höhe von 200 Mio. EUR vergeben. Und die 60 Mio. sind nicht das Ende der Fahnenstange. Auch andere Banken sind betroffen.  Ausfälle in Höhe von mehreren hundert Millionen Euro werden in den Medien genannt. Seit heute Morgen läuft der Google-Alert heiß. Sehr heiß.

Wie konnten in einem solchem Umfang Kredite vergeben werden? Hat niemand genauer hingeschaut? Welche Manipulationen hat das Management vorgenommen, um dies so lange verdecken zu können? Haben die niedrigen Zinsen gelockt? Stehen Banken unter zu großem Druck? Die Niedrigzinspolitik der EZB macht ihnen schon seit Jahren immer mehr zu schaffen. Bankvorstände sind derzeit nicht zu beneiden.

Als kleines Unternehmen müssen bei der Bank zahlreiche Unterlagen vorgelegt werden – der Unternehmer muss sich praktisch „nackt ausziehen“. Existenzgründer erhalten teilweise keine Kredite. Zu hohes Risiko. Summen? Sicherlich in den wenigsten Fällen im zwei- oder gar dreistelligen Millionen-Bereich. Mit den abgeschriebenen Millionen hätten viele Start-ups in Deutschland eine Geldspritze für ihre Idee erhalten können. Aber der Zug ist abgefahren.

Was dieser Fall leider wieder einmal zeigt: Die bisherigen Regelungen und Gesetze können Bilanzfälschung nicht verhindern. Traurig, aber wahr. Was würde Abhilfe schaffen? Schwierig. Einfache Antworten gibt es dazu leider nicht.

Wurde der aggressive Expansionskurs dem Unternehmen zum Verhängnis? Wurden aus diesem Grund Umsätze fingiert und zu hoch ausgewiesen? Wer hätte durch genaueres Hinschauen sehen können, dass etwas nicht stimmt? Es bleibt abzuwarten, was die Untersuchungen ergeben.

Am 12. März steht die Hauptversammlung an. Investoren erwarten sicherlich eine Stellungnahme zu den Vorwürfen zur Bilanzfälschung. Wichtiges Thema wie bei Volkswagen der Dieselskandal? Keineswegs. Laut der Aussage in der Tagesschau-Meldung soll dieses Thema ausgespart werden. Im Ernst? Offenbar. Da geht mir das Messer nicht nur im Sack auf, sondern springt auch gleich heraus. Wozu dann eine Hauptversammlung? Sollen dort nicht auch wesentliche Veränderungen des Unternehmens seit der letzten ordentlichen Hauptversammlung besprochen werden? Warten wir es ab. Zumindest Fragen sollten Investoren beantwortet werden.

Viel zu besprechen gibt es auf der Hauptversammlung auf alle Fälle. Der Jahresabschluss für das abgelaufene Geschäftsjahr liegt noch immer nicht vor, Vorstand und Aufsichtsrat müssen neu gewählt werden. Offenbar soll es ein eigenes Aktionärstreffen geben, bei der die Bilanz vorgelegt werden soll. Unglaublich. Das Messer beginnt zu schreien.

Fazit: Interessante Geschichte. Das erste Mal erlebe ich „live“ einen derart großen Skandal. Aber das ist auch das einzig Erfreuliche an der Geschichte.

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