Serie „Bilanzskandale“: Warum immer wieder Bilanzen gefälscht werden

Beim Fälschen von Bilanzen gibt es zwei „Möglichkeiten“: Der Gewinn soll nach oben oder nach unten gepusht werden. Um dieses Ziel zu erreichen, werden die legalen Möglichkeiten der Bilanzkosmetik überschritten. Warum ärmer, warum reicher rechnen? Betrachten wir die Motive dafür genauer. Weiterlesen

Serie „Bilanzskandale“: Täterprofil eines Bilanzfälschers

Bilanzmanipulationen. Fälle aufgedeckter Skandale. In Deutschland, Europa und weltweit. Doch wer steckt hinter den Skandalen? Wie verläuft die „Karriere“ eines Bilanzfälschers? Fragen, die nicht nur die Ermittler interessieren.

Die Fälle der Vergangenheit haben gezeigt: Die meisten Delikte werden vom Vorstandsvorsitzenden oder dem Finanzvorstand eines Unternehmens begangen. Auch wenn in vielen Fällen die erwischten Täter angeben, alleine gehandelt zu haben – dies ist eher unwahrscheinlich. Denn wie schrieb vor einigen Jahren einer meiner Studierenden nach einer Vorlesung, in der ich über die größten Fälle erzählt hatte: „Bilanzfälschung ist aufwendig.“ Ja, das stimmt, denn es muss sozusagen „doppelt gefälscht“ werden. Je tiefer der Sumpf der Manipulationen wird, desto zeitintensiver wird die Angelegenheit. So wurden in der Vergangenheit nicht nur fingierte Rechnungen erstellt, Kontoauszüge gefälscht, sondern hat sich bei einer Betriebsprüfung die Anzahl von Maschinen durch Tricks bei einer Vorführung erhöht. Weiterlesen

Serie „Bilanzskandale“: 490 Liter Milch für einen Kubaner pro Jahr

Skandal aus dem EU-Ausland

490 Liter Milch pro Kubaner? Und das jährlich? Ja. Zumindest laut der gefälschten Zahlen des italienischen Nahrungsmittelherstellers Parmalat. Das ergibt ca. 1,3 Liter pro Tag. Auch bei einem hohen Milchkonsum für eine ganze Insel nicht realistisch. Auch hier wurden einige Warnzeichen jahrelang von Kontrollorganen nicht wahrgenommen.

Parmalat wurde 1961 in Italien gegründet und war in den ersten Jahrzehnten ein solides Unternehmen. Der Tetra-Pak für die Milch führte wenige Jahre nach der Gründung zu einem deutlichen Umsatzanstieg. Bis Ende der 80er-Jahre war das Unternehmen solide finanziert und hatte transparente Strukturen.

Durch Zukäufe und Neugründungen wuchs der Konzern zu einem immer undurchsichtiger werdenden Riesen an. Neben zahlreichen Offshore-Briefkastenfirmen wurden mehrere tausend Schwarzgeldkonten eingerichtet. Parmalat führte sozusagen ein „Doppelleben“. Neben einer „offiziellen“ doppelten Buchführung, gab es noch eine zweite, „inoffizielle“ Version.

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Spekulationsblasen gibt es immer wieder: Immobilien, Eisenbahnen und Tulpen

Verhindert Gier den kritischen Blick auf Tatsachen?

Wachstum. Sehr hohes Wachstum. Viel Geld verdienen ohne viel zu arbeiten? Wer von Ihnen würde dazu Nein sagen. Klingt zu schön, um wahr zu sein. Dies ist es meistens auch. Dies zeigen einige Beispiele der Geschichte. Im 17. Jahrhundert waren Tulpenzwiebeln ein begehrtes Spekulationsobjekt in Amsterdam. Sollten Sie den Film „Tulpenfieber“ noch nicht gesehen haben: Es lohnt sich. Die Gier der Menschen und das Platzen der Blase werden dem Zuschauer so lebhaft nahegebracht.

Im Jahr 1893 wiederholt sich eine derartige Blase: Diesmal traf es die Börse in den USA, genauer gesagt Eisenbahn-Aktien. Der Börsencrash führte zu einer Wirtschaftskrise. Weiterlesen

Serie „Bilanzskandale“: Wir können alles. Auch Bilanzen fälschen.

Baden-Württemberg – Land der Bilanzfälscher?

So schlimm? Nun ja. Der größte Fall der deutschen Wirtschaftsgeschichte ereignete sich in Baden-Württemberg. Stichwort: Flowtex. Einer der größeren Skandale der letzten Jahre: Leuchtmittelhersteller Hess AG. Sitz? In Baden-Württemberg. Beim aktuellen Bilanzskandal von Steinhoff  – Stichwort Poco – ist das Ländle nicht beteiligt.

Keine Top 3 Liste, die ein Bundesland anführen will. Als gebürtige Badenerin beschämt mich dies. Woran liegt’s? Der Baden-Württemberger ist ein fleißiger, baut sich sein Häuschen und lebt bescheiden. Sind wir bei den Bilanzen lockerer als die feierwütigen Rheinländer? In Bezug auf Lockerheit könnten wir von diesen noch so einiges lernen. Baden-Württemberg hat viele Unternehmen. Vor allem im Raum Stuttgart und im Schwarzwald gibt es große, erfolgreiche Mittelständler. Meine These: Je mehr Unternehmen es gibt, desto eher ist auch eines dabei, bei dem die Zahlen frisiert werden. Hoffen wir, es gibt keine weiteren Skandale.

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Update „Bilanzdelikte“: Steinhoff-Krimi langweiliger als Bürgermeisterwahlkampf in Freiburg

Kaum Berichte über Hauptversammlung nach Aufdeckung des Bilanzskandals

Hauptversammlung bei Steinhoff. Wen interessiert´s? Niemanden? Zumindest in den deutschen Medien wurde kaum über die Hauptversammlung des Konzerns am 20. April 2018 berichtet. Das Unternehmen sitzt aus steuerlichen Gründen in den Niederlanden. Große Teile befinden sich in Südafrika. Liegt es daran?

Ich hatte mir mehr Informationen über die Hauptversammlung und die Diskussionen erwartet. Pustekuchen. Tote Hose. Da läuft beim Wahlkampf der Bürgermeisterwahl hier in Freiburg deutlich mehr. Der einzige Unterschied ist jedoch, dass der Freiburg-Krimi um die Frage ob der amtierende Bürgermeister Dieter Salomon im Amt bestätigt wird oder ein junger Sindelfinger diesen ablöst am Sonntagabend diese Woche endet.

Laut einer Meldung des Handelsblattes war der Unmut der anwesenden Investoren und Anwälte deutlich zu spüren. Unmut genug? Ansichtssache. Ich hätte mehr erwartet in den Medien. Aber vielleicht liegt es daran, dass noch keine genaueren Aussagen gemacht werden können? Denn mangels detaillierterer Informationen können die Anleger auch noch keine Entscheidung treffen. Weiterlesen

Update „Bilanzdelikte“: Befeuert ein Börsengang Bilanzfälschung?

Nächste Folge “Bilanzfälschung bei Steinhoff”

Heute ist es soweit. Die Hauptversammlung des Steinhoff-Konzerns findet in Amsterdam statt. Noch läuft mein Google-Alert nicht heiß. Informationen lassen auf sich warten. Die Frage, die immer wieder gestellt wird: Wie kommt es zur Bilanzfälschung? Was führt dazu, dass Führungskräfte und Vorstände die Zahlen frisieren und Bilanzkosmetik alleine nicht mehr ausreicht? Bilanzkosmetik ist nicht verboten. Dies ist wie der Blick nach einer langen Nacht am Morgen in den Spiegel: Man hilft etwas nach, damit es „schöner“ aussieht. So ist dies bei Bilanzkosmetik der Fall. Weiterlesen

Verspäteter Aprilscherz? – Wert des Immobilienportfolios bei Steinhoff schmilzt wie ein Eis in der Sonne

Schon wieder eine Fortsetzung zum Tatort der Serie „Steinhoff“? Ja, da haben Sie Recht. Aber die Schlagzahl der neuen Meldungen im Bilanzskandal um Steinhoff hat sich in den letzten drei Monaten deutlich erhöht. Laut einer Nachricht des Handelsblattes vom 4. April 2018 wurden die Immobilien der Tochtergesellschaft Hemisphere International mit einem überhöhten Wert angesetzt. Genauer gesagt: 1,1 Milliarden Euro lösen sich in Luft aus. Verspäteter Aprilscherz? Leider nicht. Was könnte man denn ansonsten mit einer Milliarde anfangen? Sich den Fußballspieler Neymar kaufen – wie es Pari Saint-Germain letzten Sommer getan hat – und eine Weile seinen Gehalt bezahlen. Eine kurze Weile zumindest. Für den Bau des Berliner Flughafens reicht es jedoch bei Weitem nicht. Weiterlesen

Neue Folge im Steinhoff-Krimi: Leider nicht so planbar wie der Tatort am Sonntagabend

Sonntagabend. 20.15 Uhr. Zu dieser Zeit sitzen zahlreiche Menschen in Deutschland vor dem Fernseher und schauen „Tatort“. Auf den Tatort ist Verlass: Nach 90 Minuten ist der Fall gelöst. Meistens mit klarem Ende. Doch was hat dies mit dem Konzern Steinhoff zu tun? Nicht viel. Denn beim aktuellen Bilanzskandal zeigt sich: Das Ende des Bilanzfälschungs-Krimis bei dem Möbelkonzern Steinhoff ist offen. Bereits seit mehreren Monaten läuft der Krimi. Ende: Ungewiss. Die Tatort-Zuschauer müssen sich umgewöhnen.

Im Gegensatz zum Tatort ist auch ungewiss, wann die Fortsetzung des Krimis folgt. Beim Tatort ist dies klar. Und an diesem Oster-Wochenende gibt es eine Doppelfolge. Bei Steinhoff nur eine kurze. Weiterlesen

Aufsichtsrat aktuell: Aufsichtsrats-Rücktritte bei Steinhoff nach Aufdeckung der Bilanzfälschung

Diskussion über Kontrollmöglichkeiten der Aufsichtsräte erforderlich

Die Meldung der Nordwest Zeitung von heute Morgen stimmt mich nachdenklich. Aufsichtsräte ziehen sich mit sofortiger Wirkung aus dem Aufsichtsgremium zurück. Vorzeitig. Denn die Maximaldauer würde bei einem auf der nächsten Hauptversammlung ohnehin enden. Die Nordwest Zeitung nennt den 20. April als Datum der Hauptversammlung. Bei mir steht noch der 12. März im Kalender. Gut. Vielleicht herrscht bis April mehr Klarheit.

Warum ziehen sich gerade jetzt die Aufsichtsratsmitglieder zurück? Machen sie sich Vorwürfe? Haben sie etwas geahnt? War es eine Aufsicht aus der Ferne, sodass Fehlentwicklungen nicht gesehen werde konnten? Fragen über Fragen. Im April sollen sechs neue Aufsichtsratsmitglieder gewählt werden. Einige der Aufsichtsräte kandidieren offenbar erneut. Was ist ihnen vorwerfbar? Selbst die Wirtschaftsprüfer hatten die Jahresabschlüsse testiert. Weiterlesen