Update Causa Adler – Dreistellige Millionenbeträge zu „attraktiven“ Konditionen verschafft dem verschuldeten Konzern etwas Luft

Bei dem Immobilien-Konzern Adler ist es schon lange sehr unruhig. Vor dem Wochenende (25.11.2022) gab es ausnahmsweise eine positive Meldung aus Investorensicht: Die existenzbedrohende Lage, so hat es der Verwaltungsratschef Kirsten ausgedrückt, konnte abgewendet werden. Darüber lässt sich sicherlich streiten. Doch feststeht: Adler hat etwas Zeit gewonnen. Der Beitrag gibt einen kurzen Überblick über die aktuellen Ereignisse.

Neue Fremdfinanzierung gesichert

Adler hat sich mit einigen seiner Gläubiger geeinigt. Der Konzern erhält zur Stabilisierung etwas Kleingeld.  Bis zu 937,5 Mio. €, um genau zu sein. Attraktiv ist das Darlehen allemal: Schlappe 12,5 % Zinsen werden fällig, das Darlehen läuft bis Ende Juni 2025. Ach ja, die Verzinsung ist endfällig. Wofür Adler das Kleingeld benötigt? Um alte Finanzverbindlichkeiten zu refinanzieren. Und die Bedingungen? Neben den bereits genannten attraktiven Zinsen muss Adler ein positives Sanierungsgutachten vorlegen.

Sie merken meinen Sarkasmus. Na, mal ehrlich: Neue Schulden werden aufgenommen, um alte Schulden zurückzubezahlen. Die Probleme von Adler werden dadurch bei weitem nicht gelöst. Ganz davon abgesehen, dass der Zinssatz ganz schön hoch ist. Stimmt, wir befinden uns seit diesem Jahr in der Zinswende. Dennoch zeigt der hohe Zinssatz das Risiko aus Sicht der Gläubiger.

Warum werden an solche Darlehen nicht noch weitere Bedingungen geknüpft? Wie aus dem KPMG-Gutachten der Sonderuntersuchung, das im April veröffentlicht wurde, ans Licht kam: Es liegt der Verdacht nahe, dass nahestehende Personen durch hohe Beraterrechnungen hohe Summen aus dem Konzern geschleust haben. Kann diese Party denn nun einfach weitergehen? Dann verschieben sich die Probleme einfach nur in die Zukunft.

Wie die Abschlüsse der letzten Jahre gezeigt haben: Mit der Vermietung und den Projektentwicklungen hat Adler kein Geld verdient – ganz im Gegenteil. Die hohen Gewinne hatten bis ins Jahr 2020 auf den Wertsteigerungen der Immobilien basiert. Selbst eine Stagnation der Preise würde somit also die Party beenden.

Fristverlängerung bei Anleihen

Adler kann einen weiteren großen Erfolg verzeichnen: Mit den Anleihegläubigern wurde eine Fristverlängerung vereinbart. Als Trost würde eine Erhöhung des Zinssatzes um 2,75 %-Punkte vereinbart. Auch die Zinszahlung wird bis zum 31. Juli 2025 aufgeschoben. Als Dankeschön an die Anleihegläubiger hat Adler für die Vorlage des Geschäftsberichtes 2022 bis zum 31. Dezember 2023 Zeit. Zudem sollen die Aktionäre keine Dividende erhalten. Die Fälligkeit der Anleihe, die Ende Juli 2024 fällig werden sollte, wird um etwa ein Jahr nach hinten geschoben. Der Betrag? Es geht um schlappe 400 Mio. €.

Kurz gesagt: Es wird teurer für Adler, Zinsen und Tilgung müssen erst deutlich später geleistet werden als ursprünglich vereinbart. Vorerst schont dies die Liquidität, langfristige Probleme werden dadurch jedoch nicht gelöst. Die gewonnene Zeit erkauft sich Adler recht teuer. Doch angesichts des Versagungsvermerkes für 2021, der laufenden Bafin-Prüfungen mit besorgniserregenden Teil-Fehlerfeststellungen und der KPMG-Bericht vom April 2022, haben bei den Gläubigern sicherlich für einige schlaflose Nächte gesorgt.

Wirtschaftsprüfer verzweifelt gesucht

Neben diesen beiden Erfolgsmeldungen musste Adler jedoch auch zugeben, dass sich einfach kein Wirtschaftsprüfer für den Abschluss 2022 finden lässt. Welche Überraschung bei den Ereignissen der letzten Monate. Ganz abgesehen davon sind die Erwartungen auch hoch. Trotz des Versagungsvermerkes für 2021 von KPMG und den unschönen Fakten zu den Immobilienwerten, geht Adler davon aus, dass für das laufende Geschäftsjahr ein uneingeschränktes Testat erreicht werden kann. So zumindest die Aussagen von Kirsten in der Presse: Für 2022 wird ein uneingeschränktes Testat angestrebt.

Wie geht es nun weiter? Adler hat das Amtsgericht Berlin gebeten, gerichtlich einen Wirtschaftsprüfer zu bestellen. Denn so ist das Verfahren, wenn sich keine Prüfungsgesellschaft „freiwillig“ meldet. Für einen Konzern dieser Größenordnung sicherlich vor allem eines: Peinlich. Doch keineswegs überraschend.

Im Fall Adler bleibt es weiterhin spannend. Ich halte Sie auf dem Laufenden.

Lesen Sie hierzu auch:
Pressemitteilung v. 25.11.2022 (adler-group.com)

 

 

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