Virtuelle Hauptversammlungen als New Normal? – Lehren aus den letzten drei Pandemie-Jahren

Gehen wir zurück in den Sommer 2019. In diesem Jahr fanden letztmals alle Hauptversammlungen als Präsenzveranstaltung statt. Wer hätte gedacht, dass die nächsten drei Jahre fast alle Hauptversammlungen virtuell stattfinden. Kritisch zu sehen ist aus Anlegersicht die Einschränkung der Aktionärsrechte beim virtuellen HV-Format.

Wird es auch in der Zukunft kaum mehr Präsenz-Hauptversammlungen geben? Denn kürzlich hat die Bundesregierung ein Gesetz beschlossen, dass Unternehmen auch nach der Pandemie die virtuelle Durchführung der Hauptversammlung ermöglicht.

Ich muss zugeben: Meine HV-Erfahrung beruht hauptsächlich auf virtuellen Hauptversammlungen. Und gerade deswegen möchte ich meine Erfahrungen aus den letzten drei Jahren zum Anlass nehmen, um ein paar Überlegungen zur virtuellen HV zu platzieren, denn nicht nur Aktionäre können kritische Fragen stellen, auch Unternehmen können sich auf einer virtuellen Hauptversammlung präsentieren. Letzteres gelingt an der ein oder anderen Stelle besser oder schlechter.

Zuhörende mitnehmen

Bei der Teilnahme an einer virtuellen Hauptversammlung fühlt sich dies manchmal ein bisschen an wie „fernsehen“. Die Fragen hat man im Voraus schon eingereicht, man hört sich die Rede des Vorstands mit vielen Präsentationsfolien an und kann keine Rückfragen stellen. Insbesondere bei einer längeren Hauptversammlung ist dies teilweise sehr anstrengend.

Wie kann es Unternehmen gelingen, die Aktionäre besser anzusprechen? Hier ein paar Überlegungen. Bei der Hauptversammlung der TAKKT AG war beispielsweise Maria Zesch, Vorstandsvorsitzende des Unternehmens, nicht hinter einem Rednerpult versteckt. Ihre Rede wurde nicht durch eine Menge vollgeschriebener Präsentationsfolien, sondern durch eingeblendete Stichpunkte und Grafiken untermauert. Dies war zum Zuhören sehr erfrischend.

Das absolute Gegenextrem sind Vorstandsreden, bei denen keinerlei Schaubilder die Umsatzzahlen zeigen. Da bekommt man den Eindruck, dass die Hauptversammlung als eine reine Pflichtveranstaltung ohne Interesse an den Aktionären abgehalten wird.

Pausen informativ nutzen

Auch bei einer virtuellen Hauptversammlung gibt es immer wieder kleine Pausen. Einige Unternehmen nutzen diese sinnvoll, um Aktionäre zu informieren. So wurden bei einigen Unternehmen Werbekampagnen gezeigt oder auch Bilder des Baus eines neuen Werkes, worüber in der Hauptversammlung berichtet wurde.

Ich habe es sogar einmal erlebt, dass Mitarbeiter des Unternehmens aus verschiedenen Niederlassungen weltweit musiziert hatten. Sicherlich ein Video, das nicht über die Entwicklungen des Unternehmens berichtet. Für die Mitarbeiter war dies bestimmt ein schönes Zeichen der Wertschätzung – was in Zeiten des Fachkräftemangels nicht unterschätzt werden sollte.

Fragemöglichkeit der Aktionäre

Um die Fragen an das Unternehmen zu platzieren, gab es bei einigen Unternehmen die Möglichkeit, ein Video-Statement einzureichen. Ich muss leider zugeben, dass ich diese Möglichkeit nicht ausprobiert habe. Dies lag nicht an der fehlenden technischen Unterstützung, sondern schlicht und ergreifend an der fehlenden Zeit. Dies ist übrigens auch einer der Kritikpunkte, die man gerade in diesem Jahr vermehrt gehört hat: Viele Hauptversammlungen finden zeitgleich statt. Auch bei einem virtuellen Format kann man nicht gleichzeitig zwei virtuelle Hauptversammlungen verfolgen.

Fazit:

Auch im virtuellen Format gibt es die Möglichkeit, die Aktionäre aktiver mitzunehmen als dies bei vielen Hauptversammlungen noch der Fall ist. Dazu braucht es nicht nur den Mut, etwas auszuprobieren, sondern auch die notwendige Selbstkritik.

Lesen Sie hierzu auch:

Virtuelle Hauptversammlungen künftig dauerhaft möglich
(https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2022/kw27-de-virtuelle-hauptversammlung-902468)

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