Was ist der Unterschied zwischen einer Frittenbude und unserem Staat?

Es gibt keinen. Naja, fast keinen. Zumindest im Hinblick auf die Bilanzierung. Unsere Finanzminister des Bundes und der Länder sowie die Kommunen müssten eigentlich Geld für zukünftige Ausgaben zurücklegen. So wie es auch jedes Unternehmen in Deutschland tun muss, das bilanzierungspflichtig ist.

Laut Aussage des Finanzwissenschaftlers Bernd Raffelhüschen bilanziert der Staat wie eine Frittenbude. So werden beispielsweise Wohltaten verteilt und die Kalkulation erfolgt lediglich ein paar Jahre im Voraus. Dass die Gesellschaft über ihre Verhältnisse lebt, scheint niemanden zu stören. Naja. Meine Generation schon. Denn wir müssen das alles mal bezahlen, irgendwann in der Zukunft. Nur leider sind wir die Minderheit bei den Wählern. Absolut betrachtet. Und wenn wir keine Lust haben, gehen wir einfach nicht zur Wahl. Es ändert sich ja sowieso nichts.

Raffelhüschen. Endlich kehrt ein Forscher den Dreck unter dem Teppich hervor. Während meines Studiums an der Uni Freiburg hatte ich bei Herrn Raffelhüschen die ein oder andere Vorlesung. Er hatte schon immer kein Blatt vor den Mund genommen. Mit Anzug und Krawatte kenne ich ihn nur aus den Medien. Mit Jeans und seinem „Leuchtturm-Pulli“ kam er immer in die Vorlesungen und hat damals das Wachstumsbeschleunigungsgesetz kritisiert. Aber nun zur Staatsverschuldung.

Offiziell betragen die Staatsschulden „lediglich“ ca. 2,2 Billionen EUR. Raffelhüschen vergleicht die Staatsschulden mit einem Eisberg. Der Teil, der unter der Wasseroberfläche ist: Er ist nicht sichtbar. Das sind die nicht offiziell ausgewiesenen Staatsschulden. Das sind beispielsweise nicht abgedeckte Kosten für spätere Pensionen, zunehmende Kosten für Pflege von Kranken und älteren Menschen. Ach, und die staatliche Grundsicherung im Alter gehört auch dazu.

Wen interessiert’s? Na, meine Generation. Hoffe ich zumindest. Laut einer Berechnung des Freiburger Forschungszentrums Generationenverträge und der Stiftung Marktwirtschaft betragen die Staatsschulden „unter Wasser“ ca. vier Billionen EUR. Puh, ganz schön viel. Das macht eine Gesamtverschuldung von circa 137 % des Bruttoinlandsproduktes. Oh, gut das wir fleißig konsumieren. Denn nur dann wächst das BIP. Der nächste Schwindel. Andere Baustelle. Nun wieder zurück zur Staatsverschuldung.

Die Staatsverschuldung ist  im Jahresvergleich um 500 Mio. EUR gesunken, da wir viel in unsere Sozialkassen einzahlen. Ach ja, und die Zinsen sind natürlich auf einem historisch niedrigen Niveau. Gute Zeiten also. Und wie war das? In guten Zeiten sollten Schulden abgebaut werden? Stimmt. Blöd. Können wir das nicht verschieben? Es geht uns doch gerade so gut.

Fazit: Weg mit der roseroten Brille und rein in die Kritikbrille!

 

 

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