Willkommen im Zeitalter der Belegvorhaltepflicht

Die Digitalisierung hält auch mit großen Schritten im Steuerrecht Einzug. Dies auch der Grund, warum seit Anfang des Jahres statt der bisherigen Belegvorlagepflicht nun nur noch eine Belegvorhaltepflicht existiert. 

Aufgrund des Gesetzes zur Modernisierung des Besteuerungsverfahrens müssen ab dem 1.1.2018 für den Veranlagungszeitraum 2017 die Belege nicht mehr mit der Einkommensteuererklärung ans Finanzamt übermittelt werden. Durch diese Regelung soll der digitale Prozess beim Einreichen der Einkommensteuererklärung auf elektronischem Wege nicht behindert werden.

Wie der Name jedoch schon sagt, müssen die Belege zu Nachweiszwecken immer noch vorgehalten, also aufbewahrt werden, da sie insbesondere auch vom Finanzamt bei Bedarf angefordert werden können. Sicherlich ein zu begrüßende Fortschritt, jedoch bleibt abzuwarten, in welchem Umfang zukünftig noch Belege seitens des Finanzamtes angefordert werden. Immerhin erhält man auch heute noch die Nachfrage, wo denn die Einnahmen Überschussrechnung ist.

Darüber hinaus ist jedoch besonders interessant, dass bei einer freiwilligen Belegeinreichung dies dazu führen kann, dass die Veranlagung aus dem maschinellen Verfahren rausfällt und daraufhin wieder eine personelle Bearbeitung der Steuererklärung stattfindet.

6 Gedanken zu “Willkommen im Zeitalter der Belegvorhaltepflicht

  1. Steuerbescheinigungen fallen sicherlich nicht unter den Begriff “Belege”. Man kann wohl davon ausgehen, dass diese, zumal wenn es sich um höhere Beträge handelt, beim FA einzureichen sind.
    Eine Klarstellung durch die Finanzverwaltung wäre wünschenswert.

  2. Wem hilft diese Belevorhaltepflicht?
    Soweit ich als Steuerberaterin die ESt-Erklärung erstelle, benötige ich sämtlich Nachweise des Mandanten. Das heißt ich sehe die Belege durch und ordne diese den Einkunftsarten (Werbungskosten) zu.
    Welche Erleichterung besteht durch die Belegvorhaltepflicht? Für mich gar keine! Im Gegenteil. Sollte ich die Belege nicht dem Finanzamt mit einreichen und dem Mandanten zurückgeben (mit dem Hinweis, dass diese “vorgehalten” werden müssen), kann ich davon ausgehen, dass entweder diese Belege verloren gehen, oder in versch. Akten zurücksortiert werden. Wenn nun das Finanzamt eine Rückfrage hat und Belege anfordert, haben wir als Steuerberater die doppelte Arbeit.
    Mein Fazit: Die Belege werden vollumfänglich wie bisher dem FA eingereicht.

    • Ich stimme Frau Hartmann zu, die Wahrscheinlichkeit das die Belege vortan in der Kanzlei verbleiben müßen oder aber beim Mandanten verloren gehen, ist sehr hoch.
      Was sich theoretisch erstmal gut anhört wird in der Praxis zu Mehrabreit führen.

    • Genau so sieht es aus: doppelte bis dreifache Arbeit für uns! Vereinfachung nur für die Finanzverwaltung. In der Vergangenheit sollten Belege schon nur noch auf Anforderung eingereicht werden, was aber auch regelmäßig (bei teilweise gleichbleibenden Sachverhalten, gleichen Einnahmen/ Werbungskosten etc. über Jahre) passierte. So fasse ich jede St-Erklärung 2-3x an. Allein zwischen Weihnachten und Neujahr flatterten mir hier 4 Schreiben mit umfangreichen Beleganforderungen ins Haus, bei 0815-Fällen. Bei Erstellung der St.erklärung habe ich alles direkt geordnet beisammen und kanns dem Amt direkt mitschicken. So wird’s auch erst mal weiter gemacht bis sich was ändern sollte…

  3. Ich werde nach wie vor alle relevanten Belege der ESt-Erklärung beifügen. Im eigenen Büro aufzubewahren wäre reinster Wahnsinn, man erstickt ja im Papierwust. So wie es bislang lief, erhält der Mandant seine Unterlagen mit Anschreiben vom FA zurück und ist selbst für die Aufbewahrung verantwortlich.
    Hinter dieser Verfahrensweise vermute ich eine weitere Entlastung der MA des Finanzamts, ist irgendwie verständlich, aber es kann nicht auf andere Dienstleister abgewälzt. werden. Ist jedenfalls meine Meinung.

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