Autor: Dr. Carola Rinker
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Die Story klingt nach Zukunft: KI-Infrastruktur, große Rechenkapazitäten und strategische Transformation – und mittendrin die Northern Data Group, die genau auf dieses Zukunftsfeld setzt. Dabei geht es vereinfacht gesagt um spezialisierte Hochleistungs-Chips, die enorme Datenmengen parallel verarbeiten können und damit das Rückgrat moderner KI-Anwendungen bilden. Doch ein Blick in den Geschäftsbericht zeigt schnell: Die Realität ist deutlich weniger glänzend. Zwischen Umsatzrückgang, Milliardenverlusten und schrumpfender Liquidität stellt sich die Frage, ob hier gerade ein Champion entsteht – oder ein Risikoinvestment eskaliert. Die Fakten: Wachstum rückwärts, Verluste vorwärts Northern Data hat im Geschäftsjahr 2025 operativ deutlich an Boden verloren. Der Umsatz ist...
Warum ausgelagerte Pensionen keine verschwundenen Risiken sind Bilanzthemen begegnen einem nicht immer dort, wo man sie erwartet. Manchmal stehen sie nicht im Anhang eines Geschäftsberichts oder in einem neuen Rechnungslegungsstandard, sondern in der Wirtschaftspresse. Dort war zuletzt über einen Trend zu lesen, der zunächst sehr technisch klingt: Unternehmen geben ihre Pensionsverpflichtungen an spezialisierte Anbieter ab – sogenannte Pension Buyouts. Auf den ersten Blick wirkt das wie eine organisatorische Lösung für ein komplexes Personalthema. Bei näherem Hinsehen zeigt sich jedoch, dass dahinter vor allem ein bilanzpolitisch hochinteressanter Vorgang steckt. Denn wenn Unternehmen Pensionen „abgeben“, geht es selten nur um Verwaltung. Es...
Bei Gerresheimer reißt der Nachrichtenstrom seit Monaten nicht ab. Nun kommt eine weitere Entwicklung hinzu, die für Anleger ein Warnsignal sein dürfte. Ein kurzer Rückblick Bereits im vergangenen Jahr geriet der Verpackungsspezialist für Pharma- und Medizinprodukte zunehmend unter Druck. Mehrere negative Meldungen sorgten für Unsicherheit bei Investoren. Zunächst musste das Unternehmen seine Prognose senken. Grund waren unter anderem schwächere Nachfrage in einzelnen Geschäftsfeldern sowie ein schwierigeres Marktumfeld. Hinzu kamen Untersuchungen der Finanzaufsicht BaFin. Die Behörde prüft die Zwischenabschlüsse des Unternehmens und untersucht unter anderem, ob Umsätze möglicherweise zu früh erfasst wurden. Auch operativ blieb die Lage angespannt: Der Aktienkurs geriet...
Warum die BaFin-Prüfung bei Gerresheimer größere Fragen aufwirft. Die BaFin weitet ihre Bilanzprüfung bei Gerresheimer deutlich aus. Was mit der Prüfung einzelner Umsätze begann, betrifft inzwischen Leasingverbindlichkeiten, aktivierte Entwicklungskosten, mögliche Wertminderungen und sogar die Risikoberichterstattung. Der Fall zeigt exemplarisch, wie schnell aus technischen Bilanzierungsfragen ein grundlegendes Glaubwürdigkeitsproblem entstehen kann. Was passiert ist Beim Verpackungshersteller Gerresheimer spitzt sich die Bilanzaffäre weiter zu. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat angekündigt, ihre bereits laufende Prüfung des Konzernabschlusses 2023/2024 erheblich auszuweiten und zusätzlich den Halbjahresbericht 2024/2025 einzubeziehen. Ausgangspunkt der Untersuchung waren sogenannte Bill-and-Hold-Umsätze. Dabei werden Umsätze bilanziert, obwohl die Ware noch nicht ausgeliefert wurde....
Die neuen Zahlen der Volkswagen AG zeigen einen deutlichen Gewinneinbruch. Doch wer nur auf das Ergebnis schaut, greift zu kurz. Ein Blick in den Geschäftsbericht zeigt: Hinter den Zahlen stehen nicht nur Sondereffekte – sondern auch interessante Entwicklungen bei den Forschungs- und Entwicklungskosten. Der Ergebniseinbruch hat mehrere Ursachen Beim Umsatz scheint zunächst alles im Rahmen. Die Umsatzerlöse gingen lediglich um 0,8 % zurück, während die Kosten der Umsatzerlöse um rund 2 % gestiegen sind. Die eigentliche Überraschung zeigt sich jedoch beim Ergebnis. Das operative Ergebnis fällt von 19 Mrd. € auf 9 Mrd. € – und damit fast um die...
Key Audit Matters sollen Anlegern zeigen, wo Abschlussprüfer besondere Risiken im Jahresabschluss sehen. In der Praxis liest sich das Ergebnis jedoch häufig erstaunlich beruhigend: Ein Bilanzposten wird als besonders komplex beschrieben – und am Ende heißt es doch, dass die Annahmen des Managements angemessen seien. Die aktuellen Diskussionen um Gerresheimer zeigen, wie interessant diese Prüfungsschwerpunkte sein können. Ein Blick zurück auf den Fall Corestate macht jedoch deutlich: Wenn Wirtschaftsprüfer tatsächlich auf bilanziellen Anpassungen bestehen, wird es schnell ungemütlich und der Abschlussprüfer ist den Mandanten vermutlich los. So zumindest war es bei Corestate, der sich danach einen neuen Abschlussprüfer suchte. Die...
Ein uneingeschränktes Testat gilt für viele Anleger als eine Art Qualitätssiegel für den Jahresabschluss. Doch was bedeutet ein Bestätigungsvermerk tatsächlich – und wo liegen seine Grenzen? Beim Pharma-Verpackungshersteller Gerresheimer zeigt sich gerade, wie schnell ein zuvor geprüfter Bilanzposten plötzlich zum Problem werden kann. Ausgerechnet ein Thema, das der Abschlussprüfer als besonders wichtigen Prüfungsschwerpunkt identifiziert hatte, steht nun im Fokus der Finanzaufsicht. Und plötzlich geht es um eine Wertminderung von bis zu 240 Mio. Euro. Ein uneingeschränktes Testat – und dann? Manchmal lohnt sich ein genauer Blick in den Bestätigungsvermerk eines Abschlussprüfers. Dort stehen oft genau die Themen, die besonders risikobehaftet...
Warum ich meine Einschätzung zur Rechnungslegung bei Gerresheimer korrigiere Wer meine Analysen kennt, weiß: Ich bin in der Regel eher zu kritisch als zu optimistisch. Bei Gerresheimer war es diesmal anders. Vor einigen Monaten habe ich zur Prüfungseinleitung geschrieben, dass Anleger nicht vorschnell in Panik geraten sollten. Rückblickend muss ich sagen: Diese Einordnung war zu optimistisch – und damit ein Irrtum. Denn was zunächst wie ein begrenztes Periodenabgrenzungsthema wirkte, entwickelt sich inzwischen zu einem deutlich breiteren Problem der Rechnungslegung. Umsatzkorrekturen, Bewertungsfragen bei Vorräten, hohe Wertminderungen und schließlich ein verschobener Jahresabschluss zeichnen gemeinsam ein anderes Bild als noch im Herbst. Genau...
Wer trägt die Verantwortung beim Skandal um das Berliner Zahnärzte-Versorgungswerk? 1,1 Milliarden Euro Verlust. Exotische Investments von Start-up bis Garnelenzucht. Und nun eine Schadensersatzforderung von 82 Millionen Euro gegen den Abschlussprüfer. Ist das ein Fall von Prüfungsversagen – oder eine klassische Erwartungslücke? Die Hintergründe Das Versorgungswerk der Zahnärztekammer Berlin (VZB) steuert auf einen der größten Anlage-Skandale deutscher Versorgungseinrichtungen zu. Rund 1,1 Milliarden Euro Verlust stehen im Raum – mehr als die Hälfte des verwalteten Kapitals, nachdem riskante Investments unter anderem in Start-ups, Hotels und eine gescheiterte Garnelenzucht massiv an Wert verloren haben. Bereits im Dezember 2025 berichtete das Handelsblatt ausführlich...
Börsenweisheiten haben einen besonderen Charme. Sie verdichten komplexe betriebswirtschaftliche Zusammenhänge zu einem einzigen, eingängigen Satz. Man kann sie sich merken, weitergeben und im Zweifel sogar zustimmend nicken – selbst dann, wenn man die Hintergründe nicht im Detail durchdrungen hat. Eine besonders verbreitete Weisheit, die auch ich selbst immer wieder zitiere, lautet: „Gewinn ist Ansichtssache, Cashflow Tatsache.“ Der Satz trifft einen Nerv – auch in der Beratungspraxis. Viele Anleger, aber ebenso Aufsichtsräte, Kreditgeber oder Analysten haben erlebt, dass ausgewiesene Gewinne erstaunlich wenig über die tatsächliche wirtschaftliche Lage eines Unternehmens verraten. Gesellschaften mit ordentlichen Ergebnissen geraten plötzlich in Liquiditätsschwierigkeiten. Andere Unternehmen zeigen...
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