Mitarbeiter sollen zu Werttreibern werden – Operationalisierung wird Konzerne herausfordern

Schaut man sich die ein oder andere Bilanz an, stellt sich die Frage: Was macht den Wert eines Unternehmens heutzutage aus? Das Know-how der Mitarbeiter und vorhandenes Wissen im Unternehmen tauchen jedenfalls nicht auf. Es ist eher umgekehrt: Weiterbildungen der Mitarbeiter und deren Gehälter tauchen negativ in den Zahlen auf und verringern den Gewinn. Der dadurch entstehende Wertzuwachs bleibt ein unbekanntes Wesen.

Der neue Verein „Value balancing alliance e.V. und der Kampf gegen externe Effekte

Genau dieses unbekannte Wesen möchte der von Konzernen gegründete Verein „Value balancing alliance e.V.“ messbar und vergleichbar machen. Anstelle der Erfassung von Mitarbeitern als Kostenfaktor sollen diese als Werttreiber erfasst werden. Doch nicht nur das: In der Bilanzierung sollen künftig die Auswirkungen auf die Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft abgebildet werden.

Wir Volkswirte sprechen bei CO2-Emissionen von sog. negativen externen Effekten. Die Produktion bzw. der Konsum einer Person beeinflusst eine unbeteiligte dritte Person negativ. Wenn beispielsweise aufgrund geringer Umweltauflagen in China Kleidung kostengünstig produziert werden kann, dies zulasten der Umwelt geht. Wer gewinnt? Langfristig niemand. Es wird Zeit, dass diese Faktoren endlich mitaufgenommen werden. Denn nur wenn die Verschmutzung einen Preis hat und nicht mehr „kostenlos“ zu haben ist, wird sich wirklich nachhaltig etwas verändern.

Internationale Anerkennung für Erfolg entscheidend

Der Weg über die Bilanzierung ist ein Schritt in die richtige Richtung. Das neue Netzwerk möchte vor allem auch langfristig Vereinbarungen mit den Standardsettern der Internationalen Rechnungslegung nach IFRS treffen. Auch hier muss ich ein Lob aussprechen – was in meinen Beiträgen eher Seltenheitswert hat: Nur wenn die Vereinbarungen international gelten, wird dies auch für die großen Konzerne wichtig werden, denn sie müssen nach IFRS bilanzieren.

Bis dieses Ziel jedoch erreicht ist, werden einige Köpfe rauchen und viele Diskussionen geführt werden müssen. Denn die entscheidende Frage ist, wie die Messbarkeit möglich gemacht werden kann. Allein gesetzliche Auflagen für den Umweltschutz werden sicherlich nicht ausreichen, denn dieser ist nur ein Themenfeld für die Werttreiber der heutigen Zeit.

Fazit:

Erfreulich, dass solche Diskussionen zunehmen. Den Verantwortlichen wünsche ich ausreichend Durchhaltevermögen – die derzeitigen Diskussionen zum Klimaschutz sorgen sicherlich für Gehör.

Lesen Sie dazu auch:

Fockenbrock, Daniel (2019): Konzerne gründen Werteallianz, Handelsblatt vom 20.08.2019, S. 21

Stirbt die Bilanz aus?

 

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