Nachhaltigkeitsbericht: Nicht mehr als eine Image-Broschüre?

Das Thema Nachhaltigkeit hat neben der Digitalisierung einen festen Platz in unserem Sprachgebrauch gewonnen. Plötzlich erscheint jedes Unternehmen in irgendeiner Art und Weise nachhaltig zu sein. Und so erscheinen zunehmend Nachhaltigkeitsberichte. Da liegt doch die Vermutung nahe, dass bei dieser Gelegenheit mehr oder weniger umfänglich Image-Pflege betrieben wird. Unter einem schönen Begriff, der natürlich mit Anglizismen angereicht wird:  CSR. Corporate Social Responsibility. Übersetzung und Definition schwierig – außer, man steckt tiefer in der Materie.

Und diese Materie hat es durchaus in sich. Bei den Recherchen für diesen Beitrag bin ich auf folgende Punkte gestoßen: Es gibt eine CSR-Berichtspflicht (Umsetzungsgesetz). Hier kam mir sinnbildlich der Gedanke auf: „machen müssen wir es, aber beim „wie“ haben wir „Spielraum“. Was das aber angeht, so muss die Freiheit wohl doch nicht grenzenlos sein, denn neben der Berichtspflicht existiert ein Rating von Nachhaltigkeitsberichten durch das IÖW.

Also: wer es ernst nimmt und authentisch berichtet – und dazu zählt auch, was nicht erreicht wurde – kann zumindest ausschließen, dass sein Nachhaltigkeitsbericht in den Stapel der Imagebroschüren landet.

Und nun stelle ich folgenden Bezug her: Anleger schauen, so viel halte ich für sicher, zunehmend auf die Nachhaltigkeit der Unternehmen. Fehlverhalten bestrafen sie mit Entzug des Vertrauens oder gar des Kapitals. Hat dies mit der Finanzkrise zu tun? Oder vielleicht mit dem zunehmenden Umweltbewusstsein? Nachhaltigkeit bedeutet nicht nur Umwelt und Klimawandel, sondern beispielsweise auch das Thema Personal und Lieferantenketten.

Erste Studien zeigen: Unternehmen mit überdurchschnittlichen Nachhaltigkeitsleistungen können durch Offenlegung Analysten und Anlegern ihr Geschäftsmodell überzeugend darstellen. Nachhaltigkeitsbestrebungen werden von Anlegern als positiv bewertet. Eine Investition in die Nachhaltigkeitsberichterstattung scheint sich für börsennotierte Unternehmen zu lohnen. Einige Studien weisen die Wertrelevanz von Nachhaltigkeitsinformationen nach: Sie weisen einen positiven Zusammenhang zwischen Nachhaltigkeitsberichterstattung und dem Aktienkurs nach. Es gibt aber auch einige Studien, die keinen statistisch signifikanten Zusammenhang feststellen können. Also: Der Zusammenhang zwischen Nachhaltigkeitsinformationen und dem Aktienkurs wird überschätzt.

Zahlt sich Transparenz also aus? Meistens schon. Um die Frage mit einem klaren Ja oder Nein zu beantworten, bedarf es aber noch weiterer empirischer Untersuchungen. Denn auch wenn Nachhaltigkeit heutzutage als Voraussetzung für wirtschaftlichen Erfolg gilt: Sie wird bisher kaum als Teil der Finanzmarktkommunikation wahrgenommen. Dies geschieht vielleicht erst dann, wenn u.a. die Kosten der Umweltverschmutzung internalisiert werden. Denn dann wirkt sich fehlende Nachhaltigkeit direkt auf den wirtschaftlichen Erfolg aus. Bis dahin ist aber noch einiges zu tun.

Weitere Informationen:

Lesen Sie zu diesem Thema auch meine Beiträge hier im NWB Experten-Blog:

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