Serie Bilanzskandale: Weiterhin Unruhe bei der Adler Group – Bilanzkosmetik durch Wertsteigerung der Immobilien sorgt nicht mehr für einen Gewinn

Kurze Analyse der aktuellen Lage und des Quartalsberichtes

Bei dem SDAX-Konzern kehrt weiterhin keine Ruhe ein: In den letzten Wochen gab es zunehmend Informationen in der lokalen Presse, in der über fehlendes Vorankommen prestigeträchtiger Projekte u.a. in Hamburg, Berlin und Düsseldorf berichtet wurde. Mit der Hansestadt Hamburg hat Adler nun auch Stress: Die Stadt prüft, inwieweit sie handeln kann, damit auf dem Holsteiner Quartier irgendwann auch tatsächlich Wohnungen gebaut werden.

Bundesweit häufen sich nach einem Bericht in der NZZ auch die Klagen über stockende Projekte. Die Staatsanwaltschaft bereits Ermittlungen aufgenommen. Die Ergebnisse des ersten Quartals 2022 sind keinesfalls so erfreulich, wie dies in der Pressemitteilung vom 30. Mai 2022 beschrieben wird.

Wären diese Turbulenzen noch nicht ausreichend genug, hat auch KPMG mitgeteilt, nicht mehr als Abschlussprüfer zur Verfügung zu stehen. Bis zur anstehenden Hauptversammlung am 29. Juni 2022 hat das Unternehmen also noch eine weitere Hausaufgabe: Die Suche nach einem neuen Abschlussprüfer. Welche Prüfungsgesellschaft möchte sich einen derartig riskanten Mandanten ins Haus holen? Wir werden sehen.

Weiterhin anhaltende Wertsteigerung der Immobilien

Sind die Ergebnisse des Quartalsberichtes überraschend? Keineswegs. Abgesehen vielleicht von der weiterhin hohen Wertsteigerung der immer weniger werdenden Immobilien. Doch dazu muss man sagen: Die Anzahl der Immobilien hat sich deutlich reduziert, was sich in den deutlich gesunkenen Umsätzen zeigt. Diese sind von 384 Mio. € im ersten Quartal 2021 auf 129 Mio. € im ersten Quartal 2022 gesunken. Die Wertsteigerung der noch vorhandenen Immobilien lag immer noch bei knapp 70 Mio. € – und das trotz der steigenden Zinsen seit Jahresbeginn. Doch dieses Mittel der Bilanzkosmetik reicht nicht mehr aus, um aus einem Gewinn einen Verlust zu zaubern. Im ersten Quartal 2021 hatte dieser legale Trick noch geklappt.

Wie kann es sein, dass die Immobilienwerte immer weiter in die Höhe schießen? Gute Frage. Den dies war auch einer der Punkte, bei denen ist zwischen dem KPMG-Gutachten und dem nicht testierten Geschäftsbericht 2021 doch nicht unbeachtliche Differenzen gegeben hatte. Eine dreistellige Millionen-Summe ist auch für Adler kein Kleinbetrag. Darüber hatte ich bereits in meinem letzten Beitrag berichtet.

Wir dürfen gespannt sein, wie dieser Streit weitergehen wird. Inwieweit die Aktionäre dagegen vorgehen werden, wird sich auf der bald anstehenden Hauptversammlung Ende Juni zeigen.

Erdrückende Zinslast

Die Zinslast ist erdrückend für den Immobilienkonzern: Im ersten Quartal wurden 75 Mio. € als Finanzaufwendungen erfasst – eine hohe Belastung im Verhältnis zu den Umsatzerlösen. Und diese verringern auch die Liquidität des Unternehmens. Immerhin wurden laut der Kapitalflussrechnung Zinsen in Höhe von ca. 51 Mio. € im ersten Quartal bezahlt.

Neben dem Verlust im ersten Quartal 2022 ist auch die Liquidität in einer erheblichen Schieflage: Der operative Cashflow ist mit ca. 71 Mio. € negativ – es wird also Geld verbrannt. Anstelle von Investitionen werden Immobilien veräußert, um die Schulden zurückzahlen zu können. Da ist die Frage: Reichen die Verkäufe aus, um die Schulden massiv abzubauen? Allein die Schuldenlast ist ja schon erdrückend.

Ganz abgesehen davon: Die zunehmenden Klagen werfen auch die Frage nach der Bildung von Rückstellungen auf. Für diese Frage bleibt zwar noch etwas Zeit, doch das Vertrauen in den SDAX-Konzern wird dadurch sicherlich nicht gestärkt. Davon abgesehen belasten Rückstellungen nicht nur den Gewinn, sondern auch die ohnehin dürftige Liquidität des Konzerns.

Fazit:

Aus meiner Sicht als Bilanzexpertin ein spannender Fall. Für Aktionäre und Anleihegläubiger jedoch sehr erschreckend, doch – ehrlich gesagt – keine Überraschung.

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