Tickende Zeitbombe Goodwill – Es ist nur eine Frage der Zeit…

Der gute alte Goodwill. Ein ewiges Sorgenkind. Die Diskussionen um die Wiedereinführung der planmäßigen Abschreibung nach IFRS sind in vollem Gange. Wieder einmal. Selbst die DPR alias „Bilanzpolizei“ hat das erkannt und die Werthaltigkeit des Goodwills als Prüfungsschwerpunkt für das kommende Jahr festgelegt. Gut so, wie ein Blick in die Geschäftsberichte des DAX für die Saison 2018 schaut. Aber nun der Reihe nach.

Außerplanmäßige Abschreibung des Goodwills ist unsexy

Im DAX sind 30 Unternehmen gelistet. Davon haben im Jahr 2018 lediglich ca. ein Viertel eine außerplanmäßige Abschreibung auf den Goodwill durchgeführt. Studien in der Vergangenheit liefern ähnliche Ergebnisse. Zugeben zu müssen, in der Vergangenheit für einen Unternehmenskauf quasi zu viel gezahlt zu haben: Wenig attraktiv. Denn die Abschreibung muss den Aktionären erklärt werden, schließlich drückt sie den Gewinn. Also dann lieber schauen, dass die Werthaltigkeit gegeben ist und man sich dies sparen kann.

Doch ist der Goodwill denn überhaupt eine Größe in den Bilanzen der DAX-Unternehmen, die gemessen an der Bilanzsumme oder dem Eigenkapital viel ist? Aber ja. Bitte festhalten – eine erhebliche Nummer.

Der Goodwill – eine gewaltige Nummer in der Bilanz

Im Durchschnitt liegt der Anteil des Goodwills an der Bilanzsumme bei den DAX-Konzernen bei ca. 15 %. Das mag auf den ersten Blick nach einer noch einigermaßen überschaubaren Größe klingen. Wenn man aber genauer hinsieht, gibt es hier einige Ausreißer, die den Durchschnitt deutlich anheben: Fresenius, Fresenius Medical Care und SAP teilen sich dabei das Podium. Bei diesen Unternehmen macht der Goodwill immerhin ca. 45 % der Bilanzsumme aus.

Ein solcher Anteil bietet natürlich ein enormes Abschreibungspotenzial. Man bedenke: Die Wirtschaft befindet sich derzeit eher in einer Eintrübung als auf dem Weg nach oben. Die Wiedereinführung der planmäßigen Abschreibung würde die Gewinne glätten und so erhebliche Gewinnschwankungen vermeiden. Die Kaufpreise der Unternehmen wurden in den letzten Jahren durch die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank befeuert: Geld kostet nichts mehr. Shoppen auf Pump findet quasi statt und wird mit aufgeblähten Bilanzen belohnt.

Aufgeblasene Bilanzen: Goodwill hält Eigenkapital hoch

Setzt man den Goodwill in Relation zu Eigenkapital, fällt man fast vom Stuhl: Durchschnittlich knapp 40 Prozent liegt der Anteil des Goodwills am Eigenkapital. Bei ThyssenKrupp und Fresenius ist der Buchwert des Goodwills höher als das bilanzierte Eigenkapital. Wagen wir den Gedankenspaziergang: Bei einer hohen außerplanmäßigen Abschreibung schrumpft das Eigenkapital zusammen – als wenn aus einem Luftballon die Luft entweicht.

Ist das denn alles so schlimm? Nun ja, den Goodwill kann man im Ernstfall nicht veräußern– im Gegensatz beispielsweise zu einem Patent oder einem Markennamen. Der Goodwill ist wie die Bläschen in einer blubbernden Sprudelflasche: Einzelveräußerbarkeit ist Fehlanzeige.

Aus Sicht des Goodwills wird 2020 ein sehr spannendes Jahr: Die Werthaltigkeit des Goodwills ist schließlich einer der Prüfungsschwerpunkte der „Bilanzpolizei“. Den ein oder anderen Zoff wird es sicherlich geben. Wir müssen uns bis dahin nur noch etwas gedulden. Wie derzeit die Kinder beim Warten auf Weihnachten.

Lesen Sie zu diesem Thema meine Beiträge hier im NWB Experten-Blog:

 

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