Too big to fail – ade in Zeiten disruptiver Geschäftsmodelle?

Insolvenz des Zwischenbuchhändlers KNV

Die Insolvenz des Zwischenbuchhändlers KNV mit Sitz in Stuttgart lässt die Branche aufhorchen. KNV ist der wichtigste Buchlogistiker im deutschsprachigen Raum. Zumindest nach derzeitigem Stand. Das Unternehmen liefert flächendeckt und über Nacht Bücher. Buchhändler fürchten nun Lieferengpässe.

Hohe Verluste in den Jahren 2014 – 2016

Gilt die Regel „too big to fail” in Zeiten der Digitalisierung, in denen sich immer mehr Unternehmen vor disruptiven Geschäftsmodellen fürchten, nicht mehr? Blicken wir in die Jahresabschlüsse des schwäbischen Unternehmens. Diese offenbaren: Selbst der wichtigste Buchlogistiker verbrennt Geld. Und das schon eine ganze Weile.

Im letzten veröffentlichen Jahresabschluss von 2016 im Bundesanzeiger finden sich Verluste. Ein aktuellerer Jahresabschluss aus dem Jahr 2017 wurde noch nicht im Bundesanzeiger veröffentlicht. 2016 erzielte der Konzern einen Fehlbetrag in Höhe von 11 Mio. EUR. In den beiden Jahren davor war es deutlich mehr: 2015 betrug der Verlust 41 Mio. EUR, im Jahr 2014 39 Mio. EUR. Da fällt der abgeschriebene Geschäfts- oder Firmenwert im Jahr 2015 in Höhe von ca. 5 Mio. EUR kaum ins Gewicht. Das Eigenkapital ist 2016 noch vorhanden, immerhin 65 Mio. EUR werden in der Bilanz aufgezeigt.

Schauen wir uns die Umsatzerlöse genauer an: Auch diese sind 2016 um ca. 7 % zurückgegangen. Kein sonderlich erschreckender Wert. Wenn man jedoch bedenkt, dass dazu nun auch die Mieterträge des Konzerns zählen zeigt dies deutlich: Offenbar lässt sich mit dem eigentlichen Zweck des Unternehmens kein Geld mehr verdienen. Und man bedenke: Das Unternehmen sitzt in Stuttgart. Die Schwaben sind als eher sparsam bekannt.

Informationen im Jahresabschluss 2016

Umstrukturierungen und Unternehmensverkäufe werden im Jahresabschluss 2016 beschrieben. Das Unternehmen befindet sich also schon eine Weile dabei, an der Profitabilität und Zukunftsfähigkeit des Konzerns zu arbeiten. Vergeblich?

Selbst der eingeleitete Personalabbau, der zu deutlich geringeren Personalaufwendungen im Jahr 2016 im Vergleich zum Vorjahr führt, reicht für eine Deckung der Kosten nicht aus. Dies gilt ebenso für die Reduzierung der Doppelstrukturen durch die Zusammenlegung aller operativen Standorte nach Erfurt. Die hohen Beratungskosten in Höhe von ca. 2,5 Mio. EUR zeigen, wie intensiv der Konzern an einer Restrukturierung arbeitet. Und das nicht erst seit kurzem.

Wie die Lage des Unternehmens 2017 aussieht, ist noch nicht aus dem Bundesanzeiger ersichtlich. Dies zeigt die alte Problematik der Abschlüsse: Sie sind immer veraltet. Inzwischen wäre selbst ein veröffentlichter Jahresabschluss von 2017 nicht mehr aktuell.

Liquide Mittel sind laut dem Jahresabschluss 2016 noch ausreichend vorhanden. Aber diese Information ist zum heutigen Zeitpunkt sehr veraltet. Die Abschreibungen in Höhe von ca. 20 Mio. EUR belasten lediglich den Gewinn, nicht den Cashflow.

Lesen Sie dazu auch:

Mehr Drama geht nicht – Analyse zur KNV-Insolvenz von Torsten Casimir
(www.boersenblatt.net, zuletzt abgerufen am 19.02.2019)

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