Update Wirecard – Bafin-Zoff mit Exekutivdirektorin durch Gericht geklärt

Der Wirecard-Skandal hat weitere Konsequenzen bei der Bafin nach sich gezogen. Die Exekutivdirektorin musste gehen, so eine Meldung im Handelsblatt von Anfang Oktober. Bei dem Namen musste ich zweimal lesen: Beatrice Freiwald. Stimmt, ich hatte ihre Befragung im Untersuchungsausschuss im Bundestag live mitverfolgt.

Rückblick in den Untersuchungsausschuss

Meine Notizen zu ihren Aussagen sind leider sehr dürftig. Der Grund? Ich nehme an, die Aussagen der Zeugenaussage davor. Denn da wurde Dr. Hannelore Lausch befragt, die für die Bilanzkontrolle zuständig war. Ihre Aussagen haben mich doch etwas erschreckt, um es vorsichtig auszudrücken. Denn sie haben gezeigt: Die zweistufige Bilanzkontrolle war zum damaligen Zeitpunkt eher ein zahnloser Tiger.

Doch nun zurück zu Beatrice Freiwald. Das heiße Thema war hier, dass es vermehrte Handelsaktivitäten von Wirecard-Aktien von Mitarbeitern bei der Bafin gegeben hatte. Geprüft wurden die privaten Wertpapiergeschäfte von Bafin-Mitarbeitern bis zur Causa Wirecard unter der Aufsicht von Frau Freiwald eher lax. Inzwischen hat sich dies geändert.

Wenn man bedenkt, welcher Kritik Wirtschaftsprüfer durch Wirecard ausgesetzt waren und sicherlich immer noch sind, fällt man doch etwas vom Glauben ab. Denn anders als Bafin-Mitarbeiter dürfen diese nur in bestimmten Grenzen mit Aktien handeln – und vor allem nicht von solchen, deren Abschlüsse sie prüfen. Dass ein Kulturwandel bei der Bafin notwendig ist, erkannte offenbar auch Beatrice Freiwald. Diese Aussage hatte ich mir in der etwa dreistündigen Befragung am späten Nachmittag dann doch notiert. Zu dem Kulturwandel zählt nun auch der Austausch einzelner Führungskräfte, wie sich hier zeigt.

Auch bei den Meldungen von Whistleblowern in Bezug auf Wirecard zeigte Frau Freiwald nicht den entsprechenden Eifer, diesen auch nachzugehen. Inzwischen ist das Hinweisgebersystem verbessert worden. Journalisten werden sogar direkt angesprochen, Hinweise zu melden. Da zeigen sich die Lehren daraus, dass die Bafin anstelle von Wirecard den Journalisten Dan McCrum und seine Kollegin Stefania Palma angezeigt hatten.

Und nun?

Warum dauerte die Trennung von Frau Freiwald so lange? Wie das Handelsblatt berichtete, gab es offenbar monatelange juristische Auseinandersetzungen zwischen den beiden Parteien. Wie so oft bei Wirecard: Fehler haben immer die anderen gemacht. Die ehemalige Exekutivdirektorin wehrte sich gegen ihre angekündigte Entlassung. Doch dies wurde vom Verwaltungsgericht Berlin im August dieses Jahres abgelehnt. Begründet wurde dies unter anderem mit der Umorganisation der Bafin, um das verlorene Vertrauen in die Qualität der Aufsicht wieder herstellen zu können. Dafür braucht es neue Gesichter an der Führungsspitze, keine Frage.

Da die ehemalige Exekutivdirektorin Beamtin auf Lebenszeit ist, wird sie nun anderweitig eingesetzt. Nach Aussagen des Handelsblattes wollte sich die Bafin zum künftigen Tätigkeitsfeld jedoch nicht äußern.

Fazit

Bedauerlich, dass es kaum eine Führungskraft gibt, die Fehler eingesteht und dazu steht. Dazu brauchen wir auch eine andere Fehlerkultur – und dies nicht nur bei der Bafin.

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