Beschaffungsrisiko bei Volkswagen im Lagebericht

Der Volkswagen-Konzern hält uns seit einiger Zeit atemlos auf Trab. Die schier endlose Geschichte um die Abgasmanipulationen wurden schon in früheren Blogs aus bilanzieller Sicht problematisiert. Nun hat sich mit dem Streit um die Belieferung mit Sitzbezügen und vor allem Getriebegehäusen eine neue Baustelle aufgetan. Diesmal steht Volkswagen vordergründig als Opfer da, wobei die Gegenpartei sich wohl wegen einer aufgelösten Entwicklungsbeziehung benachteiligt fühlt. Gerade war zu lesen, die Streitparteien hätten sich geeinigt. Mir ist bei dem ganzen Vorgang durch den Kopf gegangen, wie Volkswagen mit dem Risiko aus der Beziehung zu Lieferanten in der Berichterstattung umgegangen ist. Weiterlesen

Hoffnung bei fehlerhafter Feststellung des Einlagekontos

Bereits vor einiger Zeit hatte ich die (kaum vorhandenen) Möglichkeiten zur Berichtigung eines fehlerhaft festgestellten Einlagekontos dargestellt (siehe „Der Fluch des steuerlichen Einlagekontos“). Anlass zur Hoffnung gibt nun ein Urteil des FG Köln vom 07.04.2016 (13 K 37/15). Vereinfacht ging es um folgenden Sachverhalt: Die gesonderte Feststellung des Einlagekontos gemäß § 27 Abs. 2 KStG war fehlerhaft, ist jedoch zunächst unter dem Vorbehalt der Nachprüfung ergangen. Irgendwann wurde der Vorbehalt aufgehoben, der materielle Fehler jedoch nicht korrigiert. Ein Einspruch erfolgte nicht. Erst nach einiger Zeit ist dem Berater der Fehler aufgefallen und er beantragte eine Änderung nach § 129 AO.

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Kinderwunsch? Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Steuerberater

Tja, die lieben Kleinen. Sehen süß aus, machen aber (steuerlich) nur Ärger. Über das Thema Adoptionskosten beispielsweise hatten wir hier im Blog schon mehrfach berichtet. Ein anderer Klassiker ist das Thema Elterngeld. Auch hier gibt es unerfreuliche Neuigkeiten. Weiterlesen

Prozessautomation in der Steuerkanzlei – wohin geht die Reise?

Die Digitalisierung schreitet auch in den Steuerkanzleien weiter fort. Immer mehr Prozesse werden automatisiert erledigt. Zum einen Teil sind Steuerberater und ihre Mitarbeiter Getriebene der Entwicklung (Stichwort „E-Bilanz“), zum anderen Teil treiben sie die Entwicklung selbst voran (Stichwort „Unternehmen online“). Doch wohin geht die Reise? Werden wir alle eines Tages arbeitslos? Weiterlesen

Was ist der Unterschied zwischen einer Frittenbude und unserem Staat?

Es gibt keinen. Naja, fast keinen. Zumindest im Hinblick auf die Bilanzierung. Unsere Finanzminister des Bundes und der Länder sowie die Kommunen müssten eigentlich Geld für zukünftige Ausgaben zurücklegen. So wie es auch jedes Unternehmen in Deutschland tun muss, das bilanzierungspflichtig ist.

Laut Aussage des Finanzwissenschaftlers Bernd Raffelhüschen bilanziert der Staat wie eine Frittenbude. So werden beispielsweise Wohltaten verteilt und die Kalkulation erfolgt lediglich ein paar Jahre im Voraus. Dass die Gesellschaft über ihre Verhältnisse lebt, scheint niemanden zu stören. Naja. Meine Generation schon. Denn wir müssen das alles mal bezahlen, irgendwann in der Zukunft. Nur leider sind wir die Minderheit bei den Wählern. Absolut betrachtet. Und wenn wir keine Lust haben, gehen wir einfach nicht zur Wahl. Es ändert sich ja sowieso nichts.

Raffelhüschen. Endlich kehrt ein Forscher den Dreck unter dem Teppich hervor. Während meines Studiums an der Uni Freiburg hatte ich bei Herrn Raffelhüschen die ein oder andere Vorlesung. Er hatte schon immer kein Blatt vor den Mund genommen. Mit Anzug und Krawatte kenne ich ihn nur aus den Medien. Mit Jeans und seinem „Leuchtturm-Pulli“ kam er immer in die Vorlesungen und hat damals das Wachstumsbeschleunigungsgesetz kritisiert. Aber nun zur Staatsverschuldung.

Offiziell betragen die Staatsschulden „lediglich“ ca. 2,2 Billionen EUR. Raffelhüschen vergleicht die Staatsschulden mit einem Eisberg. Der Teil, der unter der Wasseroberfläche ist: Er ist nicht sichtbar. Das sind die nicht offiziell ausgewiesenen Staatsschulden. Das sind beispielsweise nicht abgedeckte Kosten für spätere Pensionen, zunehmende Kosten für Pflege von Kranken und älteren Menschen. Ach, und die staatliche Grundsicherung im Alter gehört auch dazu.

Wen interessiert’s? Na, meine Generation. Hoffe ich zumindest. Laut einer Berechnung des Freiburger Forschungszentrums Generationenverträge und der Stiftung Marktwirtschaft betragen die Staatsschulden „unter Wasser“ ca. vier Billionen EUR. Puh, ganz schön viel. Das macht eine Gesamtverschuldung von circa 137 % des Bruttoinlandsproduktes. Oh, gut das wir fleißig konsumieren. Denn nur dann wächst das BIP. Der nächste Schwindel. Andere Baustelle. Nun wieder zurück zur Staatsverschuldung.

Die Staatsverschuldung ist  im Jahresvergleich um 500 Mio. EUR gesunken, da wir viel in unsere Sozialkassen einzahlen. Ach ja, und die Zinsen sind natürlich auf einem historisch niedrigen Niveau. Gute Zeiten also. Und wie war das? In guten Zeiten sollten Schulden abgebaut werden? Stimmt. Blöd. Können wir das nicht verschieben? Es geht uns doch gerade so gut.

Fazit: Weg mit der roseroten Brille und rein in die Kritikbrille!

 

 

IFRS 16 – Wann ist er anzuwenden?

Bereits in einem früheren Blog war ich auf die neue Leasingbilanzierung nach IFRS 16 kurz eingegangen. Es bleibt zwar bis zur Erstanwendungspflicht ab dem 1. Januar 2019, vorausgesetzt es kommt zur Übernahme durch die Europäische Union, noch etwas Zeit. Die erheblichen Veränderungen der Leasingnehmerbilanzierung, insbesondere die Abbildung grundsätzlich jedes Leasingverhältnisses entsprechend des Nutzungsrechts (right-of-use) bei gleichzeitiger Passivierung einer Leasingverbindlichkeit, erfordern jedoch eine frühzeitige Beschäftigung. Dies betrifft nicht nur die prozessualen Voraussetzungen im Rechnungswesen, um den Leasingstandard richtig anwenden zu können. Auch die Folgen können erheblich sein, weil wichtige Finanzkennziffern, wie etwa EBIT, EBITDA, ROCE, Eigenkapitalquote, Verschuldungsgrad oder statische Liquiditätskennziffern sich künftig deutlich anders darstellen können. Nachfolgend will ich beginnen, einige Detailfragen zu den Leasingregelungen zu erörtern. Weiterlesen

Freiberuflersozietät: Steuerrisiko bei Partnern ohne Beteiligung an den stillen Reserven

In Freiberuflersozietäten kommt es zuweilen vor, dass Partner aufgenommen werden, die mehr oder weniger nur entsprechend den eigenen Umsätzen am Gewinn der Sozietät beteiligt sind, nicht aber an den stillen Reserven. In diesen Fällen sollte unbedingt das Urteil des BFH vom 03.11.2015 (VIII R 63/13) zur Hand genommen werden, in dem wie folgt entschieden worden ist: „Erhält ein (Schein-)Gesellschafter eine von der Gewinnsituation abhängige, nur nach dem eigenen Umsatz bemessene Vergütung und ist er zudem von einer Teilhabe an den stillen Reserven der Gesellschaft ausgeschlossen, kann wegen des danach nur eingeschränkt bestehenden Mitunternehmerrisikos eine Mitunternehmerstellung nur bejaht werden, wenn eine besonders ausgeprägte Mitunternehmerinitiative vorliegt. Hieran fehlt es jedoch, wenn zwar eine gemeinsame Geschäftsführungsbefugnis besteht, von dieser aber tatsächlich wesentliche Bereiche ausgenommen sind.“ Nun könnte man ja noch damit leben, dass ein Gesellschafter aus der gemeinsamen steuerlichen Gewinnfeststellung ausgeschlossen wird. Allerdings schlägt in diesen Fällen unter Umständen die Abfärbewirkung des § 15 Abs. 3 Nr. 1 EStG erbarmungslos zu:

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Keine Dummensteuer in der EU

Das Finanzgericht Düsseldorf hat (Az: 4 K 488/14 Erb) entschieden, dass bei beschränkter Steuerpflicht im Schenkungs- und Erbschaftsteuerrecht Anspruch auf denselben Freibetrag besteht, wie ihn ein unbeschränkt Steuerpflichtiger erhält. Das gelte ungeachtet der Möglichkeit, zur unbeschränkten Steuerpflicht zu optieren.  Weiterlesen

Wann ist das häusliche Arbeitszimmer tatsächlich erforderlich?

Grundsätzlich entscheidet der Steuerpflichtige, welche Betriebsausgaben oder Werbungskosten erforderlich sind. Insoweit können Aufwendungen bereits steuermindernd berücksichtigt werden, wenn dies der subjektiven Notwendigkeit des Steuerpflichtigen entspricht. Die objektive Betrachtungsweise, also ggfs. auch die Frage nach der Notwendigkeit der Ausgabe, tritt in den Hintergrund, sofern die betriebliche bzw. berufliche Veranlassung gegeben ist. Beim Arbeitszimmer ist dies anders!  Weiterlesen