Die neue Kleinbetragsrechnung

Meinen Unmut über die Anhebung des Schwellenwertes für Kleinbetragsrechnungen hatte ich hier an anderer Stelle schon kundgetan. Nun hat der Gesetzgeber sogar noch 25 % draufgepackt. Worauf gilt es in der Praxis jetzt zu achten?

RechnungDer neue Grenzwert von 250 Euro ist ein Bruttowert. Auf die Vorsteuerabzugsberechtigung des Empfängers kommt es daher nicht an. Der Grenzwert ist starr – auch bei geringen Überschreitungen besteht per se kein Grund für eine Billigkeitsmaßnahme. Stichtag für die Neuregelung ist der 1. Januar 2017. Maßgeblich ist das Datum der Rechnungsausstellung.

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Insolvenz der Solarworld AG: Rächt sich die Forschungsträgheit des Unternehmens?

Kaum geforscht, aber dafür eine hohe Dividende an die Aktionäre ausgezahlt

Die SolarWorld AG hat Insolvenz angemeldet. Eine unschöne Sache. Seither wird in den Medien darüber diskutiert, wer denn der „Schuldige“ ist. Die Solarindustrie hatte vor einigen Jahren noch von hohen Subventionen profitiert. Hat daher der Drang nach Innovationen nachgelassen? Zumindest wird dies dem Vorstand vorgeworfen. Andererseits kritisierte dieser, dass die Dumpingpreise chinesischer Hersteller von Solarzellen zu einer Wettbewerbsverzerrung führten und das Unternehmen daher in Schwierigkeiten geriet. Weiterlesen

Halb-schwarz ist ganz Schwarz

Der BGH hat ein neues Urteil zur Schwarzarbeit erlassen (vom 16.3.2017 – VII ZR 197/16).

Der Kläger – ein Rechtsanwalt – begehrte erfolglos Rückzahlung des Werklohns aus einer teilweisen Schwarzgeldvereinbarung.

Ein Handwerk bot diesem Rechtsanwalt die Entfernung und die Verlegung eines neuen Teppichbodens in dessen Privathaus an. Die Rechnung wurde vereinbarungsgemäß jedoch auf ein vermietetes Objekt ausgestellt. In der Folge traten Mängel auf. Die Einzelheiten waren streitig. Ein Teil des Geldes wurde „ohne Rechnung“ gezahlt, also „schwarz“.

Der BGH hat hierzu entschieden, dass wegen der behaupteten Mängel weder ein Schadensersatzanspruch aus Gewährleistung noch ein Anspruch auf Rückzahlung des Werklohns bestehe. Die „Ohne – Rechnung – Abrede“, die sich nur auf einen Teil des vereinbarten Werklohns bezogen hat und über den anderen Teil sich lediglich auf eine fingierte Rechnung bezogen, führt zur Nichtigkeit des gesamten Vertrages.

Mit anderen Worten:

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Vorweggenommene Erbfolge unter Vorbehaltsnießbrauch: Unterstellung der Einkunftserzielungsabsicht

Bei einer auf Dauer angelegten Vermietung wird die Einkunftserzielungsabsicht grundsätzlich und typisierend unterstellt. Raum für eine Überschussprognose ist daher in solchen Fällen nicht mehr. Fraglich ist jedoch, wann eine solche auf Dauer angelegte Vermietung besteht.  Weiterlesen

Korrektur der zumutbaren Belastung durch den BFH – was nun?

Matthias Trinks hat die Auswirkungen der BFH Entscheidung zu der neuen Berechnung der zumutbaren Belastung bei den außergewöhnlichen Belastungen erläutert. Auch wenn nicht jeder betroffen ist, so gibt es genügend Fälle, die zu einer Korrektur des ESt-Bescheides führen würden. Nur dazu muss man tätig werden. In welchen Fällen und wer bitte? Weiterlesen

Anspruch auf Überlassung von Kalkulationsgrundlagen des Betriebsprüfers

Hinzuschätzungen in Betriebsprüfungen sind häufig nicht oder nur schwer nachzuvollziehen. Leider kommt es jedoch vor, dass der Betriebsprüfer seine Kalkulationsunterlagen nicht (vollkommen) preisgeben möchte. Dazu hat er aber kein Recht, wie der BFH aktuell (erneut) klargestellt hat.  Weiterlesen

Neue Risiken für Unternehmen: Hackerangriff legt Wirtschaft seit Freitag lahm

Was bedeutet dies für die Risikoberichterstattung?

Hackerangriff weltweit. Sicherlich haben Sie diese Meldung am Freitagabend auch in den Nachrichten gesehen. Ich denke mir nichts weiter dabei, bis ich am Samstag am Stuttgarter Hauptbahnhof stehe: Anstelle der Informationen zu den einzelnen Zügen auf den Bildschirmen steht dort lediglich die Information „Bitte Aushänge beachten“. In Stuttgart war die Deutsche Bahn kreativ. Auf von Hand geschriebenen Aufstellern stehen die Abfahrtszeiten der Züge. Ich fühle mich wie in Havanna, wo immer noch Fahrpläne von Hand an den Bahnhöfen hängen. Als sowohl an den Bahnhöfen in Karlsruhe und Freiburg die digitalen Anzeigen nur auf „Bitte Aushänge beachten“ anzeigen, wird mir das Ausmaß etwas bewusster. Ich fühle mich wie in „You are wanted“, einer Serie von Matthias Schweighöfer, in der die Geschichte eines Mannes erzählt wird, der gehackt wird. Der Film ist also teilweise Wirklichkeit geworden.

Die Risiken unserer vernetzten und digitalisierten Welt liegen also bei Hackerangriffen und Daten. Daten – das sind die Vermögenswerte der Zukunft. Ein Hackerangriff könnte unsere ganze Wirtschaft lahmlegen. Wird darüber seitens der Unternehmen in den Geschäftsberichten ausreichend berichten? Wie die aktuellen Hackerangriffe zeigen, wurde diesen offenbar nicht hinreichend vorgebeugt. Wurde das Risiko als eher gering eingestuft? Waren die Kosten zu hoch? Wie kann es sein, dass große Unternehmen nicht regelmäßig ihre Programme updaten? Fragen über Fragen. Was dieser Angriff zeigt: Wir sind verwundbar. Ein Hacker, der wo auch immer sitzt, kann die Wirtschaft zum Anhalten bringen. So musste beispielsweise Peugeot laut Pressemeldungen die Produktion unterbrechen.

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Disclosure Initiative – Sind Finanzberichte für die Adressaten lesbar?

Verständliche Finanzberichterstattung wird mit höherem Aktienkurs belohnt

Damit Finanzberichte gelesen werden, müssen sie verständlich sein. Klar – was auch sonst? Allerdings stellt eine empirische Studie genau das Gegenteil fest: Börsennotierte Unternehmen in Deutschland, Frankreich und Großbritannien veröffentlichten zwischen 2009 und 2015 Finanzberichte, die als „schwer“ bis „sehr schwer“ lesbar eingestuft wurde. Es besteht offenbar also großer Handlungsbedarf. Denn für Unternehmen ist eine verständliche und auf die Adressaten zugeschnittene Finanzberichterstattung wichtig. Sie kann beispielsweise zu einem Wettbewerbsvorteil gegenüber Konkurrenzunternehmen führen. Weiterlesen

Ist auch Ihr Hobby gemeinnützig?

Die Gemeinnützigkeit ist in Deutschland ein großes Geschäft. Das leuchtet ein – Steuervorteile sind immer gern gesehen. Da muss man nur mal den ADAC oder den DFB fragen. Eine ganze Branche hat sich inzwischen darauf spezialisiert, einem den Status „Gemeinnützigkeit“ zu verschaffen und zu erhalten. Selbst etwa jede zweite Freizeitaktivität dürfte inzwischen steuerlich begünstigt werden.

TischfußballIch erinnere mich noch gut in das Jahr 2010 zurück.  Damals hatte ein Finanzgericht entschieden, dass ein Kickerverein gemeinnützig sei. Das fand ich damals schon kurios. In der vergangenen Woche nun veröffentlichte der Bundesfinanzhof eine gleichlautende Entscheidung zum Turnierbridge – Grund genug nachzusehen, was man noch so alles als gemeinnützig ansieht (und was nicht). Weiterlesen

Alternative Performance Measures und IFRS – braucht man wirklich zusätzliche Regelungen?

In einem früheren Blog hatte ich mich mit den Regelungen der Börsenaufsichtsbehörden zu Alternative Performance Measures (APM), d.h. alternativen finanziellen Leistungskennzahlen, befasst. Auch der IASB in London denkt im Rahmen seines Disclosure Projects darüber nach, hier Regelungen zu erlassen. Ein Diskussionspapier, das auch Vorschläge zu APM enthält, befindet sich gerade in der Kommentierungsphase. Wohin führen die Ideen des IASB und braucht man diese angesichts der Vorgaben der Börsenaufsichtsbehörden für deutsche IFRS-Bilanzierer? Weiterlesen