Autor: Dr. Carola Rinker
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Warum der Anhang keine Nebensache ist Die BaFin hat am 26. Juni 2026 eine Prüfung des Konzernabschlusses und des Konzernlageberichts der Zalando SE für das Geschäftsjahr 2025 eingeleitet. Konkret geht es um die Frage, ob Zalando im Anhang des Konzernabschlusses Angaben zu einer Transaktion mit einem nahestehenden Unternehmen im Zusammenhang mit der Übernahme der About You Holding SE möglicherweise fehlerhaft unterlassen hat. Wichtig ist dabei: Die Einleitung einer Prüfung bedeutet ausdrücklich nicht, dass bereits ein Fehler festgestellt wurde. Die BaFin geht lediglich konkreten Anhaltspunkten nach. Erst das Ergebnis der Prüfung wird zeigen, ob tatsächlich ein Verstoß gegen die Rechnungslegung vorliegt....
Ein Tauschgeschäft, ein vertraglich genannter Mindestwert und ein ausgewiesener Millionen-Ertrag – bilanziell kann genau diese Kombination schnell problematisch werden. Eine aktuelle Fehlerfeststellung der Bafin zeigt sehr konkret, wie fehleranfällig die Bilanzierung nicht-monetärer Transaktionen ist, wenn handelsrechtliche Bewertungsgrundsätze verkürzt angewendet werden. Der Kernfehler: Mindestwert aus dem Vertrag ersetzt keine HGB-konforme Wertermittlung Im konkreten Fall hatte ein Unternehmen nahezu sämtliche Vermögensgegenstände an einen Erwerber veräußert und dafür nicht nur eine Barzahlung, sondern vor allem Anteile an der Käufergesellschaft erhalten. Genau hier setzte die Bafin an: Das Unternehmen übernahm den im Kaufvertrag genannten Mindestwert des erhaltenen Anteils von rund 2,3 Mio. Euro unmittelbar...
Manche Meldungen wirken auf den ersten Blick unspektakulär. Eine Gesellschaft übernimmt Vermögenswerte, finanziert die Transaktion über ein Wandelinstrument und kündigt an, dass daraus künftig neue Aktien entstehen können. Für Bilanzleser ist dies zunächst eine von vielen Kapitalmarkttransaktionen. Beim genaueren Hinsehen wird es jedoch interessanter. Die eingebrachten Vermögenswerte stammen aus dem Umfeld einer Person, die gleichzeitig erheblichen Einfluss auf die Gesellschaft ausübt. Käufer und Verkäufer sind rechtlich voneinander getrennt. Wirtschaftlich betrachtet sind die Verbindungen jedoch deutlich enger. Die entscheidende Frage lautet dabei nicht, ob eine solche Transaktion zulässig ist. Spannender ist vielmehr, welche Schlussfolgerungen Bilanzleser aus solchen Konstellationen ziehen sollten. Denn...
Wenn niedrige Bewertungen plötzlich strategisch interessant werden Kann ein Unternehmen seine Beteiligungen bewusst vorsichtig bewerten – und gleichzeitig davon profitieren, wenn die eigene Aktie günstig bleibt? Genau diese Diskussion sorgt derzeit bei einer bekannten Beteiligungsgesellschaft für Kritik. Der Fall zeigt: Bilanzierung ist nicht nur Zahlenwerk. Bewertungen können erhebliche Auswirkungen auf Aktienrückkäufe, Machtverhältnisse und Minderheitsaktionäre haben. Positive Nachrichten – negative Bewertungen Eigentlich klingt die Geschichte zunächst nach einer Erfolgsstory: Beteiligungen an Unternehmen wie SpaceX, Canva, SumUp oder Kalshi. Teilweise mit starkem Wachstum, milliardenschweren Bewertungen und Börsenfantasie. Gleichzeitig weist die Beteiligungsgesellschaft jedoch hohe Verluste aus – verursacht unter anderem durch deutliche Wertminderungen...
Gewinnsprung, Wachstum, gute Neuabschlüsse – auf den ersten Blick wirken viele Quartalszahlen solide. Doch wer Bilanzen wirklich verstehen will, sollte einen Blick tiefer gehen: in die Risikovorsorge. Gerade bei Banken, aber auch bei Leasing- und Finanzierungsgesellschaften, steckt hier oft der ehrlichste Hinweis darauf, wie robust das Geschäftsmodell tatsächlich ist. Risikovorsorge – trockenes Bilanzthema oder wichtiger Frühindikator? Zugegeben: Risikovorsorge klingt zunächst nach Fachbegriff mit Einschlafpotenzial. Tatsächlich verbirgt sich dahinter jedoch ein zentraler Mechanismus vorsichtiger Rechnungslegung. Unternehmen, die Kredite vergeben oder Finanzierungen bereitstellen, müssen einschätzen, ob Forderungen künftig vollständig beglichen werden. Gibt es Hinweise auf erhöhte Ausfallrisiken, werden entsprechende Wertberichtigungen oder Rückstellungen...
Wer Milliardenbewertungen einsammelt, aber seine Jahresabschlüsse jahrelang unter Verschluss hält, wirft eine grundsätzliche Frage auf: Wie belastbar sind Wachstumsgeschichten ohne überprüfbare Zahlen? Der aktuelle Fall mehrerer Start-ups zeigt ein strukturelles Problem – und offenbart Schwächen im System der Publizitätspflichten. Transparenz? Nur solange sie nicht stört Kapitalgesellschaften in Deutschland sind zur Offenlegung ihrer Rechnungslegung verpflichtet. Dennoch zeigt sich: Wer nicht veröffentlicht, begeht keine Straftat, sondern riskiert „nur“ Ordnungsgelder. Genau darin liegt die Schieflage. Wenn Bußgelder wirtschaftlich verkraftbar sind, können sie de facto zum kalkulierten Preis für Intransparenz werden. Besonders problematisch wird das bei hoch bewerteten Unternehmen, die mit milliardenschweren Finanzierungsrunden Schlagzeilen...
Warum der Blick in die Kapitalflussrechnung wichtig bleibt Die Quartalszahlen großer Immobilienkonzerne wirken derzeit oft erstaunlich robust: steigende Mieten, stabile Immobilienwerte und positive operative Kennzahlen. Auch die aktuelle Zwischenmitteilung von Vonovia zeigt zunächst ein vergleichsweise stabiles Bild. Doch wer genauer hinschaut, entdeckt eine deutlich unbequemere Entwicklung: Der Cashflow gerät unter Druck. Und genau dort wird es für kapitalintensive Unternehmen spannend. Die guten Nachrichten stehen meist ganz oben Viele Immobilienunternehmen profitieren weiterhin von einer hohen Nachfrage nach Wohnraum und steigenden Mieten. Auch Vonovia berichtet über eine niedrige Leerstandsquote und steigende Mieterlöse. Gleichzeitig wirken die bilanzierten Immobilienwerte stabil. Der EPRA NTA („Net...
Jahrelang klingt Wachstum nach Erfolg: Neue Märkte, große Aufträge, ambitionierte Zukunftsstrategien. Doch was passiert, wenn sich genau diese strategischen Entscheidungen später als teuer erkaufte Altlasten entpuppen? Dann werden aus Expansionskursen plötzlich milliardenschwere Bereinigungen – und aus strategischem Ehrgeiz eine schmerzhafte Bilanzkorrektur. Das Problem ist selten der Verlust selbst, sondern die Jahre davor. Wachstum um jeden Preis – wenn Größe wichtiger wird als Profitabilität Viele Unternehmen geraten in Phasen technologischen Wandels oder wirtschaftlicher Euphorie in Versuchung, Marktanteile um nahezu jeden Preis zu sichern. Große Aufträge, neue Geschäftsfelder oder milliardenschwere Zukäufe wirken nach außen wie Zeichen von Stärke. Kritisch wird es jedoch...
Noch vor wenigen Jahren stand die Bilanzkontrolle der BaFin massiv in der Kritik. Nach dem Wirecard-Skandal sollte vieles besser, schärfer und konsequenter werden. Bereits im vergangenen Jahr hatte ich daher die Frage gestellt, ob die neue Bilanzkontrolle inzwischen wirklich mehr Schlagkraft entwickelt hat – oder ob trotz aller Reformen weiterhin blinde Flecken bestehen. Der neue Tätigkeitsbericht 2025 zeigt nun: Die BaFin prüft sichtbarer, intensiver und zunehmend auch komplexere Themen. Doch viele der festgestellten Schwachstellen wirken erstaunlich vertraut. Die Fehlerquote bleibt hoch, klassische Bilanzierungsprobleme tauchen weiterhin regelmäßig auf – und gleichzeitig kommen mit Nachhaltigkeitsberichterstattung und EU-Taxonomie neue Baustellen hinzu. Die Bilanzkontrolle...
Wenn Vorstandsvergütung auf geschönten Kennzahlen basiert Viele Unternehmen kommunizieren nicht nur operative Kennzahlen – sie knüpfen daran auch ihre Vergütungssysteme. Genau hier wird es heikel. Denn wenn das bereinigte EBIT nicht nur die Kapitalmarktstory prägt, sondern zugleich Grundlage der Vorstandsvergütung ist, geht es nicht mehr nur um Transparenz, sondern um Anreizsysteme. Der aktuelle Fall Zalando zeigt exemplarisch, warum Investoren, Aufsichtsräte und Bilanzleser genauer hinschauen sollten. Bereinigte Kennzahlen als Vergütungsmaßstab – ein sensibles Spielfeld Bereinigte Kennzahlen können sinnvoll sein, wenn sie echte Sondereffekte ausblenden und so die operative Entwicklung klarer zeigen. Problematisch wird es jedoch, wenn aus einer Kommunikationskennzahl eine Vergütungskennzahl...
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