Film: „Wirecard: Der große Fake“ – Wir sind doch nicht bei Siemens

Eindrücke des ersten Films des großen Bilanzskandals

Der erste Film über die Geschichte von Wirecard. Kann er die Geschichte schon jetzt erzählen? Schließlich liegt der Abschlussbericht des Untersuchungsausschusses noch nicht vor. Ich habe mir den Film direkt am 31. März angeschaut, dem Tag, an dem er verfügbar war. Hat es sich gelohnt? Dazu einige Einblicke.

Der nahende Untergang von Wirecard

 Um es vorwegzunehmen: Für mich persönlich war die zweite Hälfte der deutlich spannendere Teil. Das lag sicherlich auch daran, dass die Szenen die letzten Wochen und Stunden von Wirecard vor dem 18. Juni 2020 darstellten. Die Reise der Prüfer auf die Philippinnen, um mit dem Treuhänder zu sprechen. Filmisch war dies sehr gut in Szene gesetzt. Es wirkte sehr skurril. Die Gespräche wurden zwar nur anhand der Interviews von den Drehbuchautoren nachempfunden, doch auch ohne Ton wäre man an dieser Stelle verwundert gewesen. Wenn ich nicht wüsste, dass dieser Film auf Basis einer wahren Geschichte basiert, hätte ich spätestens an der Stelle gedacht: Da hat sich jemand aber etwas ausgedacht, was sehr unrealistisch ist. Weiterlesen

Serie Bilanzskandale: Bilanzierung des Drittpartnergeschäfte bei Wirecard

Im März ist im Untersuchungsausschuss einiges passiert. Es wurden unter anderem die Prüfer von EY und der Chef-Buchhalter befragt. Eines der Themen war auch das Drittpartnergeschäft von Wirecard. Doch was hat es damit auf sich? Zu welchen Erkenntnissen kamen die Prüfer von KPMG? Nun aber der Reihe nach.

Bilanzierung des TPA-Geschäftes bei Wirecard

Wirecard hat die Umsatzerlöse mit den Drittpartnern (sog. TPA-Partner) brutto bilanziert. Warum eigentlich? Wirecard hat sich in der Transaktionskette der identifizieren Leistungsverpflichtungen als sog. Prinzipal eingeordnet. Dies geschah, obwohl Wirecard keine direkte vertragliche Beziehung mit dem jeweiligen Händler hatte. Gemäß IFRS 15 wird ein Unternehmen als Agent einer Transaktion eingeordnet, wenn es lediglich veranlasst, dass eine Drittpartei Waren oder Dienstleistungen bereitstellt.

Nun zurück zur Brutto-Bilanzierung der Umsatzerlöse mit den Drittpartnern: Weiterlesen

Untersuchungsausschuss Wirecard: Was ich als Bilanzexpertin aus den Sitzungen der letzten Woche mitnehme

Fehlende Lizenzen, Accounting-Grüßonkel und Verwunderung

Da ich die Flut an Nachfragen zu meiner Einschätzung und Beurteilung der Sitzungen des Untersuchungsausschusses in der letzten Woche nicht alle persönlich beantworten kann, fasse ich hier einige Erkenntnisse zusammen. Während ich dies schreibe, sitze ich im Zug nach Hause – ein fast 30 stündiger Sitzungsmarathon liegt hinter mir. Die Befragungen am Donnerstag dauerte bis 3.15 Uhr, um 9 Uhr ging es dann am Freitag weiter.

Der lange Weg zur Antwort…

Sitzungen von mehr als zehn Stunden bis in die frühen Morgenstunden. Das mag als Außenstehender endlos erscheinen. Doch beschäftigt mich der Fall Wirecard schon länger als seit dem 18. Juni 2020 – dem Tag, an dem die Bombe geplatzt ist. Ich habe Zahlen analysiert, Berechnungen durchgeführt und mich oft gefragt: Wie lange geht das noch gut? Weiterlesen

Serie Bilanzskandale: Die verzweifelte Suche nach den Kunden von Wirecard

Die Suche nach den Kunden von Wirecard war für KPMG schwieriger als die Suche nach versteckten Ostereiern. Bis Ostern ist es zwar noch eine Weile: Aber eine solche schwierige Suche wie nach den Kunden von Wirecard wünscht man keinem Kind, das im Garten nach versteckten Ostereiern sucht. Denn sie war nicht sehr vielversprechend und gestaltete sich sehr schwierig.

Unglaubwürdige Stellungnahme von Wirecard

Im Herbst 2019 erschien ein Artikel in der Financial Times, bei dem es auch um die Kunden des Zahlungsdienstleisters ging, denn schließlich mussten doch irgendwo diese Kunden sitzen, die dem ehemaligen DAX-Konzern traumhafte Gewinne und ein nie endendes Wachstum bescherten. Weiterlesen

Lehren aus Wirecard: Finanzexpertise für den Aufsichtsrat gewinnt an Bedeutung und reicht dennoch allein nicht aus

Der Gesetzesentwurf zur Stärkung der Finanzmarktintegrität vom 16. Dezember 2020 hat es in sich. Oder anders gesagt: Es zeigt die vielen Großbraustellen, die erst durch den Causa Wirecard angegangen werden. Auch Aufsichtsräte sind von den Änderungen betroffen. Künftig wird der Fokus auf Weiterbildungen von ihnen deutlich zunehmen. Lediglich 3,7 % der Aufsichtsräte bilden sich überhaupt fort. Dieses Thema wird sicherlich in der Zukunft auf den Hauptversammlungen eine größere Rolle spielen.

Doch nun zurück zu den Reformvorschlägen: Künftig soll es nicht nur einen Finanzexperten geben, der über Sachverstand auf den Gebieten der Rechnungslegung oder Abschlussprüfung verfügt; die Kompetenzen sollen auf . beiden Sachgebieten erforderlich sein und können entweder auf eine oder zwei Personen vereint sein. Die Ideen sind ein guter Anfang, reichen allerdings nicht aus. Weiterlesen

Reform der Finanzaufsicht: Sieben-Punkte-Plan von Scholz

Scholz hat letzte Woche seinen Sieben-Punkte-Plan zur Reform der Finanzaufsicht vorgestellt. Er wünscht sich eine Finanzaufsicht mit „mehr Biss“. Die vorgestellten Maßnahmen sind längst überfällig: Der Fall Wirecard hat diesen Mangel deutlich aufgezeigt. Bei einer Mitarbeiterzahl von mehr als 2.500 Mitarbeitern der Bafin sind lediglich fünf Wirtschaftsprüfer darunter.

Die sieben Punkte von Scholz
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Serie Bilanzskandale: Das Drittpartnergeschäft von Wirecard und verzweifelte Versuche, die Umsätze nachzuweisen

Was war der Grund für das Geschäft mit den Drittpartnern (TPA-Partner)? Dies ist eine von unzähligen Fragen, die der Fall Wirecard aufwirft. Das Geschäft mit diesen sog. TPA-Partnern wurde vor einigen Jahren eingeführt. Die Begründung von Wirecard war die folgende: In Ländern, in denen Wirecard nicht über die erforderlichen Lizenzen verfügt, wird mit den Drittpartnern zusammengearbeitet.

Die Financial Times hatte mehrfach über die drei Drittpartner von Wirecard berichtet, mit denen ein Großteil des Konzernumsatzes erwirtschaftet wurde. Diese Drittpartner waren in Dubai, auf den Philippinen und Singapur ansässig. Der Bericht der Sonderuntersuchung von KPMG bezieht sich ebenso auf mehrere Artikel in der Financial Times. Denn Dan McCrum und seine Kollegen hatten den hohen Umsatzanteil mit lediglich drei Drittpartnern aufgedeckt.

KPMG hatte die Aufgabe, sowohl die Höhe als auch die Existenz der Umsatzerlöse nachzuweisen. Bei lediglich drei Geschäftspartnern denkt man, sollte dies möglich sein. Doch die Realität sah leider anders aus. Weiterlesen

Fachkräftemangel in der Wirtschaftsprüfung: Zusätzlicher Imageverlust durch Wirecard-Bilanzskandal?

Als Wirtschaftsprüfer hat man derzeit vermutlich keinen leichten Stand. Denn im Fall von Wirecard steht nicht nur die Bafin unter Beschuss. Durch die zahlreichen Beiträge und Diskussionen über die Verfehlungen von EY beim größten Bilanzskandal der deutschen Nachkriegsgeschichte steht der Berufsstand derzeit unter keinem guten Stern.

Diese aktuellen Ereignisse werden das Nachwuchsproblem sicherlich weiter verschärfen: So wird sich der ein oder andere Studienabgänger überlegen, sich auf den harten Weg der Examensvorbereitung zu bewegen. In einem Beitrag aus dem Jahr 2015 weist die Zeitung „Welt“ auf die hohen Durchfallquoten zwischen 40 und 50 Prozent hin. Auch dies ist sicherlich ein weiterer Aspekt, der viele Studienabsolventen abschreckt. Weiterlesen

Bilanzskandal Wirecard: Und plötzlich betrat Dan McCrum den Raum

Meine Anhörung im Untersuchungsausschuss des Bundestages am 5. November 2020

Wie war es im Untersuchungsausschuss? Diese Frage wurde mir in den letzten vier Wochen häufig gestellt. Dies hat mich veranlasst, über meine Eindrücke nun zu berichten. Da die Sitzung nicht-öffentlich war, wollte ich mich nicht früher dazu äußern. Es wurde mir zwar freigestellt, ob ich mich dazu öffentlich äußere, oder nicht. Dennoch gab es die Bitte, damit zu warten, bis dies seitens des Untersuchungsausschusses geschehen ist. Dieser Bitte wollte ich nachkommen.

Ein ereignisreicher Tag für mich

Diesen Tag werde ich so schnell nicht vergessen. Es war nicht nur sehr eindrucksvoll, den Erzählungen von Dan McCrum zu lauschen. Ebenso wurde mir beim Betreten des Bundestages bewusst: Ich bin nicht nur eine Besucherin, die beim Know-how Transfer der Wirtschaftsjunioren einen Bundestagsabgeordneten bei seiner Arbeit begleitet. Denn dies war mein letzter Besuch im Bundestag.

Ich kann mich noch genau erinnern: Während meines Studiums war ich beeindruckt von einem meiner Professoren, der bei Änderungen des Steuergesetzes immer mal wieder im Bundestag war. Als ich meinen Personalausweis beim Eintritt in das Paul-Löbe-Haus vorlegte, erinnerte ich mich daran. Und nun wurde ich selbst zur Anhörung als Sachverständige vom Bundestag geladen. Genauer gesagt, vom Untersuchungsausschuss zu Causa Wirecard. Wenn mir dies jemand vor einem Jahr gesagt hätte, ich hätte ihn für verrückt erklärt.

Doch nun der Reihe nach. Weiterlesen

Serie Bilanzskandale – was KPMG bei Wirecard eigentlich untersuchen sollte

Genau vor einem Jahr war KPMG damit beschäftigt, sich durch die Daten von Wirecard zu wühlen. Der Grund? Eine beauftragte Sonderprüfung, um die unter anderem die Vorwürfe der Financial Times endlich aus dem Weg zu räumen? Im April dieses Jahres wurde der Bericht von KPMG veröffentlicht. Dies war alles andere als ein Befreiungsschlag für den ehemaligen DAX-Konzern. Wirecard hat dies anders gesehen – zumindest, wenn man die damals veröffentlichten Pressemeldungen liest.

Doch was genau sollte KPMG bei Wirecard eigentlich untersuchen? Das schauen wir uns in diesem Beitrag etwas genauer an. Weiterlesen