Wirecard – ein Buch mit sieben Siegeln oder Wirtschaftsprüfer- und Aufsichtshaftung?

Verschwundene 1,9 Mrd. € haben erheblichen Wirbel in die deutsche Börsenlandschaft gebracht. Doch wie können eigentlich 1,9 Mrd. € einfach verschwinden? Die Frage müsste in einem Steuerrechtskurs eher so lauten: Wie hat sich so ein Aktiva bilanziell überhaupt jahrelang aufbauen können? Es geht um Bilanzierung und den Vergleich von diversen Konzern-Bilanzen. Dies ist viel mühsamer, als wenn man es nur mit einer einzigen testierten Bilanz zu tun hat.

Genauso schwierig wird es bilanzsteuerrechtlich, wenn Treuhandgeschäfte, -konten und gar etwaige „Sicherheitseinlagen“ dazu kommen und bilanziell zu erfassen sind. Die Bilanzierung ist dann komplexer und wenn angebliche eigene Guthaben einer AG auf Treuhandkonten platziert sind, beispielsweise bei Banken in Drittstaaten, stellt sich ferner die Frage, ob man mit Originalbestätigungen von Banken und Gesamtsaldenbestätigungen über die (Gesamt-)Geschäftsverbindung hätte arbeiten müssen.

Letztlich ist aber aus Sicht der Aktionäre zu prüfen, ob geltend gemachte Ansprüche gegen WP-Gesellschaften überhaupt in derartigen Konstellationen zum Ziel führen. Aufsichtsräte fragen sich, ob sie den Testaten von WP-Gesellschaften noch vertrauen können und dürfen oder ob in dem Einzelfall weitere Nachforschungen erforderlich sind –sowie wann dies denn konkret der Fall ist. Weiterlesen

Lehren aus Wirecard (11): Ernste staatliche Bilanzkontrolle notwendig, aber ohne Dr. Ernst

Stellungnahme zur Veröffentlichung des Deutschen Aktieninstituts vom 2. Oktober 2020

Der Titel mag etwas verwirren: Die Bilanzkontrolle soll von staatlicher Seite erfolgen und sich einen Ruf erarbeiten, streng zu sein. Die Mitarbeit von Herrn Ernst ist aufgrund von Interessenskonflikten aber derzeit nicht möglich. Doch dazu gleich noch mehr. Weiterlesen

Verkauf von Wirecard-Aktien: Sind die Verluste steuerlich sofort voll verrechenbar?

Über die Bilanzmanipulationen von Wirecard und deren Folgen hat Frau Dr. Carola Rinker in diesem Blog schon ausführlich und höchst interessant berichtet. Ich möchte heute den Blick auf ein steuerliches Problem lenken, bei dem ich unschlüssig bin und bei dem ich auf Ihre Mithilfe hoffe. Es geht nicht nur um Wirecard-Aktien, aber gerade hier könnte es aktuell werden.

Das Problem ist das Folgende: Falls Aktien mit einem hohen Verlust veräußert werden, kann der Verlust sofort mit Aktiengewinnen verrechnet oder ins kommende Jahr vorgetragen werden. So viel zum Grundsatz. Aber: Der Gesetzgeber will seit 2020 “missbräuchlichen” Verkäufen steuerlich entgegentreten. Weiterlesen

Wirecard-Verluste steuerlich geltend machen

Der erste Schock um den Wirecard-Skandal ist verdaut, was bleibt sind jedoch die wirtschaftlichen Folgen. Neben institutionellen Investoren haben viele Kleinanleger ihr Investment (vermutlich nahezu vollständig) verloren. Spätestens wenn die Steuererklärungen 2020 anstehen wird man sich daher der Frage stellen müssen, ob man mit dem Scherbenhaufen steuerlich noch etwas anfangen kann. Weiterlesen

Untersuchungsausschuss zum Bilanzskandal Wirecard – wie Wirecard als Game-Changer genutzt werden kann

Der Antrag für einen Untersuchungsausschuss zur Causa Wirecard liegt seit dem 9. September vor. Wie die Pressemeldungen seit dem 18. Juni 2020 gezeigt haben, werden dem ehemaligen DAX-Konzern nicht nur Bilanzmanipulationen in erheblichem Ausmaß vorgeworfen, sondern auch Geldwäsche. Das sind jedoch nur zwei Beispiele, die den Fall zum größten Bilanzskandal der deutschen Nachkriegsgeschichte machen. Weiterlesen

Serie Bilanzskandale: Auch Wirecard hatte erhebliche Liquiditätssorgen

Wirecard-Skandal stellt selbst Enron in den Schatten


Die Meldungen des Zahlungsdienstleisters Wirecard haben sich in den letzten Wochen überschlagen. Geheimdienstkontakte, Scheingeschäfte, Ex-Vorstand auf der Flucht, Todesanzeige eines Managers auf den Philippinen. Ein wahrer Thriller, den man ohne die Presseberichte doch vielleicht eher als Science-Fiction einstufen würde.

Weitere Brisanz erhielt die Geschichte diese Woche mit dem bekannt gewordenen „Projekt Panther“: Der Ex-DAX-Konzern hatte Ambitionen, die Deutsche Bank zu übernehmen. Zumindest an Ideen und Visionen hat es bei Wirecard nicht gemangelt. An Liquidität schon -und zwar erheblich.

Kaum Guthaben auf den existierenden Wirecard-Konten

Wie der Insolvenzverwalter mittlerweile herausgefunden hat, erzielte Wirecard erhebliche Verluste. Es fehlen 2,8 Milliarden Euro. Wirecard hatte einen Liquiditätsbedarf in Höhe von 10 Millionen Euro – pro Woche! Aufgrund des Schein-Erfolges hatte es der Ex-DAX-Konzern offenbar nicht nötig, sich mit Themen wie Kostenbewusstsein und einer Kostenplanung zu beschäftigen. Weiterlesen

Lehren aus Wirecard (Teil 9) – was sich beim Aufsichtsrat ändern muss

Der Bilanzskandal bei Wirecard hat gezeigt: Es bedarf einiger Reformen. Dies gilt nicht nur für die externe Kontrolle, sondern vor allem auch beim Aufsichtsrat. Zumindest die bestehende Struktur des Aufsichtsrates bei Wirecard zeigt, dass dieser möglicherweise etwas zu lasch vorgegangen ist. Meine Analyse dazu habe ich in einem Beitrag auf der Website des Aufsichtsratsnetzwerks ArMiD veröffentlicht (s. Link unten).

Offenlegung der Skill-Matrix des Aufsichtsrates

Börsennotierte Unternehmen in einem der Indizes sollten die benötigten Kompetenzen des Kontrollgremiums offenlegen müssen. Dazu sollte mittelfristig eine Vorgabe der Strukturierung nach Kompetenzfeldern entwickelt werden. Die Unternehmen sollten dann für jedes Aufsichtsratsmitglied die einzelnen Kompetenzen angeben.

Dadurch wird beispielsweise bei der Neubesetzung von Aufsichtsratsmandaten schnell ersichtlich, welche Kompetenzfelder ein potenzieller Kandidat benötigt. Außerdem wird so auch transparent, welche der Mitglieder sog. Financial Experts sind. Weiterlesen

Update Bilanzskandale: Warum sich der Fall Wirecard vom Fall Steinhoff unterscheidet

In den letzten Wochen gab es nahezu täglich neue Meldungen beim Bilanzskandal des (Noch)-DAX-Konzerns Wirecard. Doch auch bei Steinhoff gibt es Bewegungen. Der Konzern hatte Bilanzen gefälscht, um Verluste zu vertuschen. Aufgedeckt wurden die Manipulationen vor mehr als zwei Jahren.

Wie heutzutage Bilanzen gefälscht werden

Die neue Welle von Bilanzfälschung zeigt: Heutzutage wird vor allem beim immateriellen Vermögen geschummelt. Und auf internationaler Ebene. Zumindest gibt es in diesen Punkten Ähnlichkeiten zwischen Steinhoff und Wirecard. Auch bei Steinhoff wurde das immaterielle Vermögen aufgebläht, um die Bilanzen zu manipulieren. Dies gelang beispielsweise über erhöhte Kaufpreise für angeblich fremde Firmen. Wertminderungen wurden unterlassen, um den Gewinn nicht zu belasten. Weiterlesen

Lehren aus dem Wirecard-Skandal für die Abschlussprüfung?

Der Skandal um Wirecard hat zu Recht vielfältige Diskussionen um etwaige Mängel in Aufsicht und Abschlussprüfung ausgelöst. Es ist aber wohlfeil, bereits vor einer Aufklärung der Ursachen für die späte Aufdeckung des Skandals diesen dennoch für eigene Argumentationsmuster zu verwenden. Dabei kommt schnell der Verdacht auf, den Wirecard-Fall argumentativ für die Stützung der eigenen Ideologie zu nutzen. Nicht anders zu verstehen sind manche Vorschläge, die durchaus auch aus dem akademischen Bereich kommen.

Konkret gefragt: Sollte wegen Wirecard die Mandatierung von Abschlussprüfungsleistungen künftig auf eine staatliche Stelle oder auf eine vom Staat mit der entsprechenden Kompetenz ausgestattete zentrale Stelle verlagert werden? Weiterlesen

Serie Bilanzskandale: International großes Interesse an Bilanzskandal bei Wirecard

Das Interesse an Einzel-Coaching und Webinaren zum Thema Bilanzen ist gestiegen. Der Grund? Der aktuelle Bilanzskandal bei Wirecard. Vor allem auch bei Coaching zum Bilanzskandal Wirecard und welche Warnzeichen es bereits gab, sehe ich eine zunehmende Nachfrage. Viele Anleger interessieren sich nun dafür, wie sie Auffälligkeiten in Bilanzen und Geschäftsberichten früher erkennen können.

Warnzeichen mit Auffälligkeiten schon seit 2008

Insbesondere bei den Erläuterungen zur Bilanzanalyse sind viele entsetzt. Wie ist so etwas möglich? Warum gab es diesbezüglich in den letzten Jahren keine Nachfragen auf der Hauptversammlung? Ich habe eine Liste mit Warnzeichen erstellt, die auf Bilanzmanipulationen hindeuten können. Weiterlesen