Autor: Dr. Carola Rinker
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Ein gefeierter Unternehmer, ein globaler Erfolg – und am Ende ein Bilanzskandal. Der Fall Nidec zeigt einmal mehr: Probleme entstehen selten in der Buchhaltung. Sie entstehen dort, wo Druck beginnt – und wo er über Jahre hinweg Teil des Systems wird. Ein Blick auf den Fall Der japanische Elektromotorenhersteller Nidec, gegründet von Shigenobu Nagamori, steht im Zentrum eines Bilanzskandals. Über Jahre hinweg – konkret zwischen 2011 und 2020 – sollen Verluste und Unregelmäßigkeiten systematisch verschleiert worden sein. Auslöser der Aufarbeitung waren zunächst Auffälligkeiten in einer chinesischen Tochtergesellschaft. Im Zuge interner Untersuchungen wurde jedoch deutlich, dass es sich nicht um Einzelfälle...
Der Buchhalter als Sündenbock? Im Verfahren vor dem Landgericht Fulda rund um mögliche Bilanzmanipulationen bei der R+S Group steht nicht nur die Frage im Raum, ob Zahlen falsch dargestellt wurden. Ebenso zentral ist die Frage: Wer trägt dafür eigentlich die Verantwortung? Besondere Aufmerksamkeit erhielt die Aussage eines ehemaligen Buchhalters, über die unter anderem die Fuldaer Zeitung berichtete. Er schilderte, Zahlen entsprechend bestimmter Erwartungen erstellt zu haben. Damit rückt eine Konstellation in den Mittelpunkt, die bei Bilanzskandalen immer wieder zu beobachten ist: Am Ende steht häufig das Rechnungswesen im Fokus – während die eigentlichen Ursachen tiefer liegen. Der Buchhalter wird zur...
Die Bayer AG zeigt für 2025 ein Ergebnis, das auf den ersten Blick stabil wirkt. Doch ein Blick in die GuV offenbart: Die Qualität stimmt nicht. Das „gute“ Ergebnis kommt nicht aus dem Geschäft – sondern aus Sondereffekten. Zahlen, die man gesehen haben muss Ein Blick in den Geschäftsbericht zeigt schnell die zentralen Linien: Der Umsatz ist auf 45,6 Mrd. € zurückgegangen, das EBIT ist mit -1,1 Mrd. € klar negativ und das Konzernergebnis liegt bei -3,6 Mrd. €. Damit bleibt die operative Entwicklung spürbar unter Druck und eine nachhaltige Ergebnisverbesserung ist auf dieser Basis nicht erkennbar. Gleichzeitig fällt eine...
Die BaFin prüft derzeit die Rechnungslegung der Gerresheimer AG. Doch eine Anlassprüfung bedeutet nicht automatisch, dass ein Unternehmen falsch bilanziert hat. Ein Blick auf frühere Fälle zeigt: Manchmal findet die Aufsicht Fehler – manchmal auch nicht. Anlassprüfung: Wenn etwas auffällt Die BaFin überwacht die Rechnungslegung kapitalmarktorientierter Unternehmen in Deutschland. Ein wichtiges Instrument dabei ist die sogenannte Anlassprüfung. Der Name ist relativ selbsterklärend: Eine Anlassprüfung wird nicht routinemäßig, sondern aufgrund eines konkreten Hinweises oder Verdachts eingeleitet. Solche Hinweise können aus verschiedenen Quellen stammen, zum Beispiel: Auffällige Entwicklungen in den Abschlüssen, Hinweise von Marktteilnehmern oder Analysten, Medienberichte, Hinweise von Whistleblowern, oder auch...
Bilanzfälschung beginnt selten mit Betrug Ein aktueller Gerichtsprozess sorgt derzeit in der Rechnungslegungswelt für Aufmerksamkeit. Vor dem Landgericht Fulda geht es um mögliche Bilanzmanipulationen bei der R+S Group. Besonders bemerkenswert ist dabei weniger der Vorwurf selbst als die Schilderung eines ehemaligen Buchhalters, der sein langes Schweigen gebrochen hat. Darüber berichtete unter anderem die Fuldaer Zeitung. Der Fall wirkt auf den ersten Blick vertraut: wirtschaftlicher Druck, kritische Unternehmenslage, unterschiedliche Bewertungen – und am Ende die Frage, ob Zahlen bewusst geschönt wurden. Doch gerade diese scheinbar typische Konstellation offenbart ein häufiges Missverständnis über Bilanzskandale. Denn Bilanzfälschung beginnt selten mit Betrugsabsicht. Der gefährliche...
Die Story klingt nach Zukunft: KI-Infrastruktur, große Rechenkapazitäten und strategische Transformation – und mittendrin die Northern Data Group, die genau auf dieses Zukunftsfeld setzt. Dabei geht es vereinfacht gesagt um spezialisierte Hochleistungs-Chips, die enorme Datenmengen parallel verarbeiten können und damit das Rückgrat moderner KI-Anwendungen bilden. Doch ein Blick in den Geschäftsbericht zeigt schnell: Die Realität ist deutlich weniger glänzend. Zwischen Umsatzrückgang, Milliardenverlusten und schrumpfender Liquidität stellt sich die Frage, ob hier gerade ein Champion entsteht – oder ein Risikoinvestment eskaliert. Die Fakten: Wachstum rückwärts, Verluste vorwärts Northern Data hat im Geschäftsjahr 2025 operativ deutlich an Boden verloren. Der Umsatz ist...
Warum ausgelagerte Pensionen keine verschwundenen Risiken sind Bilanzthemen begegnen einem nicht immer dort, wo man sie erwartet. Manchmal stehen sie nicht im Anhang eines Geschäftsberichts oder in einem neuen Rechnungslegungsstandard, sondern in der Wirtschaftspresse. Dort war zuletzt über einen Trend zu lesen, der zunächst sehr technisch klingt: Unternehmen geben ihre Pensionsverpflichtungen an spezialisierte Anbieter ab – sogenannte Pension Buyouts. Auf den ersten Blick wirkt das wie eine organisatorische Lösung für ein komplexes Personalthema. Bei näherem Hinsehen zeigt sich jedoch, dass dahinter vor allem ein bilanzpolitisch hochinteressanter Vorgang steckt. Denn wenn Unternehmen Pensionen „abgeben“, geht es selten nur um Verwaltung. Es...
Bei Gerresheimer reißt der Nachrichtenstrom seit Monaten nicht ab. Nun kommt eine weitere Entwicklung hinzu, die für Anleger ein Warnsignal sein dürfte. Ein kurzer Rückblick Bereits im vergangenen Jahr geriet der Verpackungsspezialist für Pharma- und Medizinprodukte zunehmend unter Druck. Mehrere negative Meldungen sorgten für Unsicherheit bei Investoren. Zunächst musste das Unternehmen seine Prognose senken. Grund waren unter anderem schwächere Nachfrage in einzelnen Geschäftsfeldern sowie ein schwierigeres Marktumfeld. Hinzu kamen Untersuchungen der Finanzaufsicht BaFin. Die Behörde prüft die Zwischenabschlüsse des Unternehmens und untersucht unter anderem, ob Umsätze möglicherweise zu früh erfasst wurden. Auch operativ blieb die Lage angespannt: Der Aktienkurs geriet...
Warum die BaFin-Prüfung bei Gerresheimer größere Fragen aufwirft. Die BaFin weitet ihre Bilanzprüfung bei Gerresheimer deutlich aus. Was mit der Prüfung einzelner Umsätze begann, betrifft inzwischen Leasingverbindlichkeiten, aktivierte Entwicklungskosten, mögliche Wertminderungen und sogar die Risikoberichterstattung. Der Fall zeigt exemplarisch, wie schnell aus technischen Bilanzierungsfragen ein grundlegendes Glaubwürdigkeitsproblem entstehen kann. Was passiert ist Beim Verpackungshersteller Gerresheimer spitzt sich die Bilanzaffäre weiter zu. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat angekündigt, ihre bereits laufende Prüfung des Konzernabschlusses 2023/2024 erheblich auszuweiten und zusätzlich den Halbjahresbericht 2024/2025 einzubeziehen. Ausgangspunkt der Untersuchung waren sogenannte Bill-and-Hold-Umsätze. Dabei werden Umsätze bilanziert, obwohl die Ware noch nicht ausgeliefert wurde....
Die neuen Zahlen der Volkswagen AG zeigen einen deutlichen Gewinneinbruch. Doch wer nur auf das Ergebnis schaut, greift zu kurz. Ein Blick in den Geschäftsbericht zeigt: Hinter den Zahlen stehen nicht nur Sondereffekte – sondern auch interessante Entwicklungen bei den Forschungs- und Entwicklungskosten. Der Ergebniseinbruch hat mehrere Ursachen Beim Umsatz scheint zunächst alles im Rahmen. Die Umsatzerlöse gingen lediglich um 0,8 % zurück, während die Kosten der Umsatzerlöse um rund 2 % gestiegen sind. Die eigentliche Überraschung zeigt sich jedoch beim Ergebnis. Das operative Ergebnis fällt von 19 Mrd. € auf 9 Mrd. € – und damit fast um die...
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